Bozen: Ein Klassenzimmer voller Pflanzen

In Südtirol startet ein Projekt für einen "natürlichen" Neustart an den Schulen.

Schulräume mit Pflanzen gestalten, um Sicherheit und Wohlgefühl zu erreichen. Bild: Arturo Zilli, unibz.

Wie kann ein sicherer Schulstart im Herbst ermöglicht werden? An der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität wird derzeit gemeinsam mit Südtiroler Schulen ein Modell getestet, das Abstandsregeln garantieren und eine einladende Atmosphäre in den Klassenzimmern gewährleisten soll. Im Mittelpunkt des kostengünstigen und pädagogisch wertvollen Vorschlags steht der Einsatz von Pflanzen.

Im September stehen Italiens Schulen vor einer Bewährungsprobe, die das gesamte Bildungssystem unter Druck setzt: die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts nach dem erzwungenen Stopp durch die Pandemie. Doch wie sollen die Klassenzimmer aussehen, in die Lehrpersonen und Schüler*innen nach dem monatelangen Shutdown zurückkehren? Reichen die bestehenden Räume aus, um einen sicheren Unterricht in der Post-Covid-Zeit zu garantieren? An einer möglichen Lösung arbeitet Prof. Beate Weyland von der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen. Sie startete am in der Grundschule Pestalozzi einen ersten Versuch, ein Klassenzimmer mit Pflanzen und Insellösungen sowohl Covid- als auch lerngerecht zu gestalten. Die Grundschule in Bozen ist eine von mehreren Südtiroler Schulen, die sich bereit erklärt haben, die Methode zu testen.

Beate Weyland, Professorin für Allgemeine Didaktik am Campus Brixen, leitet das PAD-LAB, eine interdisziplinäre Forschungsgruppe mit Expertise in Pädagogik, Architektur und Design, die an neuen Konzepten für didaktische Räume forscht. Seit 2015 hat das Forschungsteam mehr als 30 Schulgemeinschaften und Gemeindeverwaltungen bei der Erarbeitung von pädagogischen und architektonischen Richtlinien begleitet, um Räume und Didaktik an die neuen kulturellen und pädagogischen Bedürfnisse der heutigen Generationen anzupassen. Nach dem Lockdown haben die Forschenden in den vergangenen Monaten eng mit zehn Schulgemeinschaften zusammengearbeitet, um unterschiedliche Möglichkeiten durchzuspielen, wie die Wiederaufnahme des Unterrichts gestaltet werden kann.

Der Vorschlag, an dem die Schulen gemeinsam mit der Forschungsgruppe PAD-LAB arbeiten, geht vom Konzept einer „heimeligen Schule“ aus, die so gestaltet werden soll, dass Kinder und Jugendliche bei ihrer Rückkehr in die Klassenräume auch dank des Einsatzes von Zierpflanzen ein Gefühl des Aufgehobenseins und echter Sicherheit haben. „Unsere Bemühungen gehen in die Richtung, eine militärische oder Krankenhaus-Atmosphäre zu vermeiden, die nur Angst erzeugt und sehr kontraproduktiv für alle Lernprozesse ist. Gleichzeitig befolgen wir damit aber alle Sicherheitsauflagen zur Vermeidung von Ansteckungen“, erklärt Weyland.

Lehrpersonen und das Forschungsteam zielen auf drei Faktoren ab: das Thema Wohlbefinden, das gewährleistet werden soll, indem Schulen und Klassenräume wohnlich gestaltet werden, mit Insellösungen für einzelne Schüler*innen und kleine Gruppen statt der traditionellen Anordnung aus Pult und Tafel vor Bankreihen; das Thema Kunst, für das lokale Kunstschaffende dazu eingeladen werden, ihre Werke in Schulgebäude auszustellen oder Zeichnungen der Schüler*innen kunstvoll einzurahmen, um Schönheit, ein Gefühl der Zugehörig und Verbundenheit mit dem lokalen Umfeld zu fördern. Und schließlich das Thema Natur im Innenraum: „In den Simulationen an mehreren Südtiroler Schule geht es darum, gezielt Pflanzen in den Klassenräumen einzusetzen. Die Schüler*innen bringen sie selbst von zu Hause mit, übernehmen dafür Verantwortung und pflegen sie”, erklärt Weyland. „Die Pflanzen ermöglichen auf ungezwungene Art, Abstandsregeln einzuhalten und können gleichzeitig in den Unterricht integriert werden, um die Schüler*innen für ökologische Themen zu sensibilisieren. Darüber hinaus ist es wissenschaftlich belegt, dass sich Pflanzen in einer Lernumgebung nicht nur positiv auf die Luftfeuchtigkeit und den Luftaustausch auswirken, sondern auch die Aufmerksamkeit und Konzentration der Kinder fördern.“ (Freie Universität Bozen)

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