DRV: Position zur „ohne Gentechnik“-Kennzeichnung

Der Deutsche Raiffeisen-Verband e.V. bezieht Position zur „ohne Gentechnik“-Kennzeichnung von Lebensmitteln.

Anzeige

das Gesetz zur Änderung des Gentechnikgesetzes, zur Änderung des EG-Gentechnik-Durchführungsgesetzes und zur Änderung der Neuartige Lebensmittel- und Lebensmittelzutaten-Verordnung vom 1. April 2008 gilt in Deutschland seit 1. Mai 2008 eine neue Regelung zur „ohne Gentechnik“-Kennzeichnung von Lebensmitteln.

Der DRV kritisiert das Glaubwürdigkeitsdefizit dieser Regelung, das dem Verbraucher nicht vermittelt werden kann. So wird den Konsumenten durch die umfassende Auslobung „ohne Gentechnik“ vorgegaukelt, dass ein Lebensmittel in der gesamten Prozesskette unter vollständiger Abwesenheit von Gentechnik- Anwendungen hergestellt wurde. Tatsächlich aber ist der Einsatz gentechnisch hergestellter Futtermittel- Zusatzstoffe (Vitamine, Aminiosäuren, Enzyme, Farbstoffe) in der „ohne Gentechnik“-Produktion tierischer Lebensmittel ebenso uneingeschränkt erlaubt wie die Verabreichung gentechnisch veränderter Futtermittel außerhalb bestimmter Fristen vor der Schlachtung der Tiere bzw. der Gewinnung der Lebensmittel.

Für weiterverarbeitete Lebensmittel „ohne Gentechnik“ hingegen stellt der Gesetzgeber abweichende Anforderungen. So ist auf Ebene der Weiterverarbeitung der Einsatz gentechnisch hergestellter Zutaten und technologischer Hilfsstoffe verboten, sofern konventionell erzeugte Alternativen auf dem Markt verfügbar sind. Der DRV kritisiert diese gezielte Ungleichbehandlung verschiedener Lebensmittelkategorien. Da Milch, Fleisch und Eier nach der neuen Regelung sehr viel leichter „ohne Gentechnik“ zu produzieren sind als Lebensmittel mit mehreren Zutaten und einem höheren Verarbeitungsgrad, wird die Diskussion über Gentechnik in der Land- und Ernährungswirtschaft entgegen den Marktrealitäten einseitig mit der Futterwirtschaft und der Produktion tierischer Lebensmittel in Verbindung gebracht.

Die Beibehaltung der umfassenden Aussage „ohne Gentechnik“ bei gleichzeitiger Tolerierung verschiedener Gentechnik-Anwendungen wertet der DRV als Irreführung des Verbrauchers und Versuch der Politik, das Marktsegment vermeintlich „gentechnikfreier“ Lebensmittel künstlich zu erweitern. Somit wird die dringende Notwendigkeit, Landwirte und Verbraucher mit den verschiedenen Anwendungen der Gentechnik vertraut zu machen, von vornherein unterbunden. Nach Auffassung des DRV kann die Glaubwürdigkeit von Lebensmittelunternehmen, die die „ohne Gentechnik“-Kennzeichnung nutzen, erheblich geschädigt werden.

Der DRV fordert, dass die Formulierung der Auslobung und die an ihre Verwendung gestellten Anforderungen vom Gesetzgeber in Einklang gebracht werden. (drv)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.