Hartelt: Steinobstanbau durch Kirschessigfliege gefährdet

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV), Eberhard Hartelt, sieht den Steinobstanbau im Land durch die Kirschessigfliege einer massiven Bedrohung ausgesetzt.

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Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV), Eberhard Hartelt, sieht den Steinobstanbau im Land durch die Kirschessigfliege einer massiven Bedrohung ausgesetzt. Bei einem Vor-Ort-Termin stufte er den Schädling als größte Herausforderung des Obstbaus in den kommenden Jahren ein. Es müsse alles dafür getan werden, um eine ausreichende Bekämpfung zu erreichen, damit der Anbau von Kirschen, Pflaumen und Mirabellen eine gesicherte Zukunft habe.

Zurzeit gebe es noch keinen Königsweg zur effektiven Bekämpfung des aus Ostasien stammenden Insektes, dafür sei es noch zu wenig erforscht, trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung im Obstbau. Verschiedene Maßnahmen müssten deshalb ergriffen werden, um zum einen kurzfristig den Befall einzudämmen und zum anderen eine langfristige Bekämpfungsstrategie zu entwickeln.

Die Kirschessigfliege habe mit einem milden Winter und der feucht-warmen Witterung in diesem Jahr optimale Bedingungen vorgefunden. Durch ihr hohes Vermehrungspotential sei die Population extrem schnell angestiegen. Entsprechend groß seien die Schäden bei Süß- und Sauerkirschen gewesen, deren Ernte gerade zu Ende geht. Die Obstbauern hätten Ausfälle in Millionenhöhe zu verzeichnen, so der BWV-Präsident. Spätere Obstsorten, wie die jetzt reif werdende Zwetschge, seien ebenfalls akut gefährdet. Um weitere Schäden in diesem Jahr zu verhindern, setze sich der BWV für die Zulassung eines bisher nur im Weinbau zugelassenen Pflanzenschutzmittels ein.

Insgesamt sei die Wirkstoffpalette gegen die Kirschessigfliege im Obstbau stark eingeschränkt und die Freigabe für einen Einsatz erfolge in jedem Jahr neu durch die Bundesbehörden im Rahmen der sogenannten Notfallzulassung. Hartelt wies darauf hin, dass viele Sonderkulturen unter der schlechten Zulassungssituation für wirksame Pflanzenschutzmittel leiden würden. Im Verhältnis gesehen sei deren Anbaufläche nämlich relativ klein, Zulassungen lohnten sich aus Herstellersicht kaum. Gerade in diesem Jahr habe sich aber gezeigt, dass die Produktion hochwertiger Lebensmittel ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht möglich ist.

Deshalb müsse auch bei der Kirschessigfliege die Forschung intensiviert und die Entwicklung einer umfassenden Bekämpfungsstrategie vorangetrieben werden. Davon würde auch der Weinbau profitieren. Laut Hartelt blickten die Winzer mit großer Sorge auf die Kirschessigfliege, die nach dem Färben der Trauben aller Wahrscheinlichkeit nach auch die roten Rebsorten befallen wird und zu Ernteausfällen führen könne.

Hartelt sprach auch Flächen außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzung an. So würden Brombeerhecken, ungepflegte Areale und Drieschen hochproblematische Vermehrungsräume darstellen. Er forderte vorhandene Naturschutzflächen fachgerecht zu pflegen und zukünftig auf die Auspflanzung potentieller Wirtspflanzen im Zuge von Naturschutzmaßnahmen zu verzichten. Auch müsste die Rodung bestimmter, nicht kommerziell genutzter Wirtspflanzen in besonders gefährdeten Lagen in Betracht gezogen werden.

Auch wenn der Befallsdruck witterungsbedingt von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich ausfallen könne, müsse jetzt gehandelt werden, um die Steinobstflächen zu erhalten. Die Kirschessigfliege wird sich langfristig etablieren und ohne eine konkrete Aussicht auf entsprechende Gegenmaßnahmen würden sich viele Obstbauern aus dem Anbau von Steinobst zurückziehen, da er sich nicht mehr lohnen werde. (bwv)

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