DGG: Fachbeirat "Garten & Medizin" gegründet

Die Vernetzung gärtnerischer und medizinischer Kompetenzen ist unabdingbar für die Zukunft.

Der von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. (DGG) initiierte Fachbeirat „Garten & Medizin“ traf sich am 22. Februar 2018 zu seiner konstituierenden Sitzung in Berlin. Bild: DGG.

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Alle in dem Fachbeirat "Garten & Medizin" sind sich einig: Der Garten und das Grün leisten einen ebenso fundamentalen Beitrag für die Gesundheit und das Wohlempfinden der Menschen wie die medizinische Vorsorge, Therapie und Nachsorge. Doch wie sieht es bei der Zusammenarbeit, dem Wissensaustausch und den gemeinsamen Strategien der „weißen“ und der „grünen“ Branche aus? Welchen Eindruck vermitteln viele „medizinische“ Orte, wo täglich hunderte, ja tausende Menschen ihre Zeit notgedrungen als Patienten verbringen müssen oder viele Stunden des Tages als Mitarbeiter beschäftigt sind?

In deutschen Krankenhäusern wird dem Garten und seiner therapeutischen Wirkung bislang genauso wenig Aufmerksamkeit geschenkt wie dem intensiven und interdisziplinären Dialog von medizinischen, therapeutischen, gärtnerischen und gesundheitsökonomischen Experten. Um diese Thematik näher zu betrachten, traf sich der von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. (DGG) initiierte Fachbeirat „Garten & Medizin“ am 22. Februar 2018 zu seiner konstituierenden Sitzung in Berlin.

Initialzündung für die Etablierung des Fachbeirates war der im Mai 2017 durchgeführte Kongress „Garten & Medizin“, den die Deutsche GartenbauGesellschaft 1822 e.V. gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veranstaltete. Bei dem zweitägigen Kongress beleuchteten Experten aus der weißen und der grünen Branche den aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung zum Thema Garten, Park und Medizin. Aufgrund des immensen Diskussionsbedarfs, der sich aus dem Kongress ergab, entstand die Anregung einen Fachbeirat zu etablieren, um den Dialog fortführen zu können.

Zusammensetzung des Fachbeirates „Garten & Medizin“

Der Fachbeirat setzt sich interdisziplinär aus Persönlichkeiten der „weißen“ Branche (Mediziner) der „grünen“ Branche (Gartenbau), der Politik und den Medien zusammen. Ziel ist der Aufbau eines sparten- und kompetenzübergreifenden Netzwerkes „Garten & Medizin“, um in enger Kooperation mit den zukünftigen politischen Entscheidungsträgern in Politik, Verwaltung und Standesorganisationen das Bewusstsein für ein neues Kompentenzcluster zu entwickeln. Dabei ist sowohl an die Etablierung von Modellprojekten, an Fachtagungen oder Kongresse sowie an Empfehlungen zur Integration von Garten und Natur in die medizinischen Therapie, Vor- und Nachsorge gedacht. Dem neuen Fachbeirat gehören an:

- Anja Birne, Dipl.-Ing. Gartenbau, freie Journalistin, Buchautorin, Schwerpunkt: Gartenreisen, Gartenseminare, Gartentherapie
- Birgit Drischmann, Verwaltungsleiterin Paulinenkrankenhaus Berlin
- Christoph Decker, Architekt für Krankenhausbau und Gesundheitswesen
- Prof. Dr. med. Thomas Enzmann, Chefarzt am Städt. Klinikum Brandenburg, Arzt für Urologie und Kinderurologie
- Prof. Dr. med. Ernst Eypasch, Chefarzt, Ärztlicher Direktor des Heilig GeistKrankenhauses Köln-Longerich, Arzt für Allgemeinchirurgie, Visceralchirurgie
- Ulrike Finck, rbb Fernsehen, Redaktion rbb Gartenzeit
- Apl. Prof. Dr. med. Elisabeth Gödde, Fachärztin für Humangenetik, Psychotherapie, ärztliche Psychotherapeutin (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie), Hypnotherapie, Recklinghausen
- Petra Hager-Häusler, Verwaltungsdirektorin Mosel-Eifel-Klinik
- Dr. med. Birgit Hildebrandt, Ärztliche Leiterin HELIOS Prevention Center BerlinBuch, Fachärztin für Innere Medizin, Gesundheitsförderung und Prävention
- Ingrid Hügenell, Redakteurin Süddeutsche Zeitung, Landkreis Bad TölzWolfratshausen
- Dr. med. Thomas Jacoby, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
- Werner Klöckner, Aufsichtsratsvorsitzender Gesund Land Vulkaneifel GmbH
- Prof. Dr. med. Heinrich-J. Lübke, ehem. Chefarzt Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und Diabetologie im HELIOS Klinik BerlinZehlendorf
- Dr. med. Livio Mordasini, Oberarzt Urologie, FMH Urologie Luzerner Kantonsspital
- Andreas Niepel, Präsident Internationale Gesellschaft GartenTherapie e.V. (IGGT)
- Prof. Dr. Klaus Neumann, Landschaftsarchitekt, Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. (DGG)
- Dr. Moritz Patzer, Geschäftsleitung PATZER VERLAG GmbH & Co. KG
- Peter Paschke, Präsident Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG)
- Dr. Thomas Schmidt, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Referat 511, Gartenbau, Landschaftsbau
- Wolfram Vaitl, Präsident Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V., Vorsitzender des DGG-Fachbeirates „Garten & Medizin“

Grün und Gesundheit in der Diskussion

„Bislang werden Krankenhäuser vorwiegend als Orte betrachtet, in welchen die medizinisch-technischen Belange für Versorgung und Behandlung der Patienten entscheidend sind. Das Grün und die Natur stehen weit hinten an. In Zukunft gilt es diese Orte auch als grüne Oasen für die Gesundheit zu betrachten. Bei der Verifizierung von Krankenhäusern, taucht das Grün überhaupt nicht als Qualitätsmerkmal auf“, machte DGG-Präsident Prof. Dr. Klaus Neumann in seinem Eingangsstatement deutlich. Er betonte zudem die Bedeutung des „Weißbuch Stadtgrün“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) vom April 2017 als übergeordnete Handlungsempfehlung für die Errichtung, Unterhaltung und Qualitätsverbesserung von Grün als wesentlicher Bestandteil für Gesundheit und Lebensqualität im städtischen Umfeld: „Das Grün in der Stadt setzt sich aus vielen Facetten zusammen und dazu zählt auch die Natur am und im Krankenhausbereich und Krankenhausgärten und durch Ärzte und Therapeuten zertifizierte Bewegungsangebote zur Gesundheitsprävention“.

„Krankenhäuser müssen garten- und damit menschenfreundlicher werden, auch bei der Planung sollte nicht am grünen Ende gespart werden“, so Prof. Dr. Elisabeth Gödde, Fachärztin für Humangenetik und Psychotherapie, in ihrem Plädoyer für eine zukünftige Anforderung im Umgang mit Patienten und Natur.

Der ärztliche Direktor des Kölner Heilig Geist-Krankenhauses und Chefarzt für Allgemeinchirurgie, Prof. Dr. med. Ernst Eypasch, betonte, wie wichtig aus medizinischer Sicht gerade im Krankenhausbereich Gärten und Grün sein können und vielen Patienten helfen würden, schneller zu gesunden. „In diesem grünen Umfeld wären sie besser in der Lage ihre Krankheiten zu verarbeiten.“ „Leider“, so Prof. Dr. Eypasch, „ist die moderne Medizin viel zu ökonomisch – sie muss menschlicher werden!“

Die enorme Bedeutung von Bewegung, Sport und Fitness, insbesondere im Freien und in Grünanlagen als präventive Maßnahme, wurde von Frau Dr. med. Birgit Hildebrandt vom HELIOS Prevention Center Berlin-Buch nachdrücklich hervorgehoben: „Schon die Kinder bewegen sich zu wenig und das geht dann später so weiter im Berufsleben.“

Ein zukunftsfähiges Modell erkennt der Präsident der Internationalen Gesellschaft GartenTherapie e.V., Andreas Niepel in der Anerkennung des Gärtnerns als offizielles Therapieangebot durch die Krankenkassen.

Die nächsten Schritte

Als gemeinsames Ziel, so waren sich die Experten einig, müssen zunächst alle Forschungsergebnisse zusammengetragen werden, die sich mit der gesundheitsfördernden Wirkung von Natur und Garten auf den Menschen auseinandergesetzt haben. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, denn es gibt zahlreiche Studien z.B. aus Japan, Schweden oder den USA, auf die wir uns beziehen können, so der Berliner Architekt Christoph Decker. Wichtige medizinische Erkenntnisse müssen immer evidenzbasiert sein. Diese Arbeit muss nun geleistet werden. In einem zweiten Schritt will der Fachbeirat Handlungsfelder und Leitlinien zur Umsetzung von Pilotprojekten entwickeln. Hierfür müssen zunächst die Typologien bestehender Gesundheitseinrichtungen, wie Akut- und Langzeitkrankenhäuser, Altersheime, Rehabilitationszentren, Palliativstationen und Pflegeinrichtungen erfasst werden. Auch eine Befragung der Bürger, bezüglich ihrer Erwartungen an den Zusammenhang von Garten und Medizin als elementarer Bestandteil der Lebensqualität in ihrem Umfeld, wurde als wichtiges Instrument betrachtet, welches in eine Studie einfließen muss.

Von Bedeutung ist zudem das Bilden eines Netzwerkclusters, das die Belange der Patienten, der Ärzteschaft, des Pflegepersonals, der Sport- und Gartentherapeuten und Landschaftsgestalter interdisziplinär miteinander verbindet.

Das nächste Treffen wird im „Gesundland Vulkaneifel“ stattfinden, ein Tourismusnetzwerk, in dem das Thema Gesundheit großgeschrieben wird. (DGG)

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