Landgard: Taumelnder Konzern vorläufig stabilisiert

Als Landgard-Finanzvorstand Gerold Kaltenbach am 1. Juli seine neue Stelle beim größten deutschen Vermarkter antrat, ahnte er vermutlich nicht, was da im Detail auf ihn zukommen würde. Doch schnell wurde klar: Über Landgard hängt ein Damoklesschwert.

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Als Landgard-Finanzvorstand Gerold Kaltenbach am 1. Juli seine neue Stelle beim größten deutschen Vermarkter antrat, ahnte er vermutlich nicht, was da im Detail auf ihn zukommen würde. Doch schnell wurde klar: Über Landgard hängt ein Damoklesschwert.

„Es gab erhebliche strukturelle Defizite“, sagte Kaltenbach am vergangenen Mittwoch auf einem Pressetermin mit Rückblick auf die vergangenen Monate. Durch einige Maßnahmen sei es gelungen, das Unternehmen wieder leistungsfähig zu machen. Sofort sei der informelle Austausch mit den Führungskräften gesucht worden, Kosten wurden gesenkt und durch eine Vielzahl von Maßnahmen konnte die finanzielle Stabilität wieder hergestellt werden. Was blieb ist ein „deutlicher Vertrauensverlust“ der Erzeuger gegenüber der Genossenschaft. Die konstruktive Zusammenarbeit mit den Erzeugern sei auf der Strecke geblieben. Um dieses Problem kümmert sich vornehmlich Vorstandsmitglied Jürgen Rosar, der im Konzern für den Bereich Blumen und Pflanzen verantwortlich ist. Rosar spricht von der „emotionalen Mitnahme der Erzeuger“; die Verantwortlichen haben in diesem Punkt die ersten Schritte auf einem langen Weg schon zurückgelegt. Auf den Vertreter- und der Herbstversammlungen am 23. Oktober wurde der Vorstand für die neue Transparenz im Unternehmen und die detaillierte Erläuterung des Jahresabschlusses gelobt. Diese neue Offenheit soll sich auch in Zukunft fortsetzen.

Trotz der stabilen Märkte in beiden Geschäftsfeldern steht Landgard vor einer schwierigen Zukunft. In diesem Jahr werden erneut rote Zahlen geschrieben, im Konzernvorstand geht man von einem Minus im einstelligen Millionenbereich aus. Die Finanzierung ist laut Kaltenbach bis 2014 gesichert, doch die mit 18,8% viel zu geringe Eigenkapitalquote und die Verbindlichkeiten von rund 350 Mio. Euro bereiten Sorgen. Zwar wurde mit „Fokus 2012“ ein 450 Punkte umfassendes Restrukturierungsprogramm auf den Weg gebracht, doch ob die geplanten Kosteneinsparungen in Höhe von rund 10 Mio. Euro bis 2016 reichen werden um den Konzern langfristig profitabel zu machen sei dahingestellt. „Alles steht auf dem Prüfstand“, sagt Kaltenbach, der jedoch gleichzeitig klar stellte, dass man nicht nur sparen und kürzen wolle, denn es gelte auch neue Potentiale und Märkte zu erschließen. Konkret seien aber keine weiteren Zukäufe geplant; das Geld für Investitionen sei eingeschränkt. Ob allerdings alle von Landgard zuletzt übernommenen Unternehmen eine Zukunft in Konzern haben, bleibt offen. 

Gerold Kaltenbach genießt einen guten Ruf bei der Führung von Integrationsprojekten zur Effizienzsteigerung. Nach den vielen Übernahmen in der Vergangenheit wurde die Konzernstruktur nicht adäquat angepasst: Potential blieb ungenutzt – Synergien stellten sich nicht ein. So ist der Manager hier als Sanierer voll gefordert, um das 110 Gesellschaften umfassende Konstrukt für die Zukunft fit zu machen. Zufriedene Kunden, zufriedene Erzeuger und dazwischen ein profitable Genossenschaft – die Herstellung dieser Situation ist keine leichte Aufgabe. Das weiß auch Kaltenbach: „Wir haben noch eine Menge Hausaufgaben zu tun“. 

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