Technik: Wenn der Satellit beim Säen hilft

"Nach zweihundert Metern rechts abbiegen": GPS hat die Autos längst erobert. Neuerdings kommt die Satelliten-Technologie auch in der Landwirtschaft zum Einsatz. Dort ermöglicht sie effizienteres Arbeiten und hilft mit, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Treibstoff zu sparen.

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"Nach zweihundert Metern rechts abbiegen": GPS hat die Autos längst erobert. Neuerdings kommt die Satelliten-Technologie auch in der Landwirtschaft zum Einsatz. Dort ermöglicht sie effizienteres Arbeiten und hilft mit, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Treibstoff zu sparen.

Landauf, landab bestellen derzeit die Bauern ihre Felder. Auch Reto Huber hat im Moment beide Hände voll zu tun. Denn für den Gemüsebauern aus dem zürcherischen Steinmaur hat mit dem frühlingshaften Wetter die Pflanzsaison begonnen. Zurzeit bereitet er gerade die Rüebliaussaat vor. Hubers Felder sind anders: Die Gemüsebeete sind mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerkes angelegt. Sein Traktor ist mit zwei Antennen ausgestattet, vor allem aber steuert dieser alleine über die Äcker, ohne dass Huber auch nur einmal Hand ans Steuer legt. Beim Gemüsebauer kommt High-Tech zum Einsatz, denn seit zwei Jahren setzt Huber GPS bei den Pflanzarbeiten ein. Die Satelliten-Technologie hat einen entscheidenden Vorteil: Huber kann bei seinem Traktor, nachdem er ihn programmiert hat, den Autopilot einschalten. "Damit bin ich vom Fahren entlastet, kann mich voll auf das Überwachen der Anbaugeräte konzentrieren", erklärt Huber.

Gerade wenn man tagelang auf dem Traktor sitze und ständig geradeausfahren müsse, sei das sehr ermüdend. Die einzelnen Pflanzreihen stets gerade hinzubekommen, sei deshalb sehr schwierig. Dank dem GPS-System, das den Traktor mit einer Präzision von rund fünf Zentimetern steuert, sind Hubers Gemüsebeete präzise angelegt. Das ermöglicht nicht nur schnellere Arbeitsabläufe. "Das sieht einfach professioneller aus", urteilt Huber.

GPS hilft Kosten senken
GPS hat aber noch weitere Vorteile. So kann die Arbeit auf dem Feld auch bei schlechten Sichtbedingungen oder gar bei Nacht durchgeführt werden. "Gerade beim Ackerbau ist das wichtig, weil für das Setzen und Ernten witterungsbedingt oft nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung steht", erklärt Jacob Rüegg von der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil.

Der Einsatz von GPS macht aber auch aus ökonomischer und ökologischer Sicht Sinn: "Dank GPS kann der Bauer Treibstoff, Dünger und Pflanzenschutzmittel einsparen", erklärt Martin Holpp von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon. Dies, weil es dank der Satelliten-Technologie zu weniger Überlappungen komme. Holpp geht von einer Mitteleinsparung von rund drei bis fünf Prozent aus. Darüber hinaus braucht ein Landwirt weniger lang, um seine Felder zu bestellen – wegen einer effizienteren Ausnützung der Arbeitsbreiten und verkürzten Wendezeiten. Damit lassen sich Arbeitszeit und Maschinenstunden einsparen, was wiederum die Kosten senkt. "Insgesamt bewegt sich das Einsparpotenzial pro Hektar und Jahr beim Getreide bei zirka 10 bis 12 Franken, auf Grünland bei knapp 9 Franken", erklärt Holpp.

GPS-Einsatz lohnt sich
Bevor ein Bauer beim Bestellen seiner Felder auf die Hilfe der Satelliten zählen kann, muss er investieren. Einfachere Modelle, bei denen der Landwirt nach den Anweisungen des GPS-Gerätes selbst steuern muss, gibt es zwar für einige Tausend Franken. Allerdings sind diese weniger genau. Die präzisesten Modelle, bei denen der Autopilot die Steuerung übernimmt, und die den Traktor bis auf drei Zentimenter genau durch die Felder lotsen, sind ab gut 20.000 Franken zu haben. Sinn mache der GPS-Einsatz im Gemüsebau, weil präzis angelegte Beete effizienteres Arbeiten ermöglicht. "Nach unseren Erfahrungen haben größere Gemüsebetriebe die Investition in die GPS-Technologie innert recht kurzer Zeit amortisiert", erklärt Rüegg. Auch für Ackerkulturen wie Getreide, Kartoffeln oder Zuckerrüben lohne sich eine Anschaffung, zumal in diesem Bereich auch weniger genaue und somit billigere Systeme in Frage kämen.

Noch nicht etabliert
"In Holland ist der Einsatz von GPS bereits Standard, in der Schweiz befinden wir uns im Gemüsebau noch in der Pionierphase", erklärt Rüegg. Erste Landwirte hätten vor rund drei Jahren damit angefangen. Genaue Zahlen, wie viele Bauern GPS einsetzten, gebe es aber nicht. Weil die Preise für GPS-Systeme tendenziell sinken, ist davon auszugehen, dass vermehrt Landwirte diese Technologie einsetzen werden, so Rüegg. (lid)

GPS-Technologie
Das Global Positioning System (GPS) ist ein satellitengestütztes Navigationssystem, das der Positionsbestimmung dient. Seit den 1970er Jahren vom US-Verteidigungsministerium zu militärischen Zwecken entwickelt, ist es erst seit dem Jahr 2000 in grösserem Umfang für zivile Anwendungen einsetzbar. GPS ermöglicht weltweit eine Positionsbestimmung mit einer Genauigkeit von 5 bis 10 Meter. Für den Einsatz in der Landwirtschaft ist dies jedoch zu unpräzis. Erst mit Korrektursignalen wird eine Genauigkeit im Dezimeter- und Zentimeterbereich erzielt. Das Korrekursignal für Genauigkeit von +/-30 cm steht kostenlos zur Verfügung. Für eine höhere Genauigkeit muss der Landwirt entweder ein Korrekturabo lösen oder eine eigene Korrekturstation erwerben.

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