Urheberrecht: Die Krux mit dem Bild

Jonas Ingold, Redaktionsleiter des LID, erklärt warum das nutzen von Bildern im Internet große Komplikationen mit sich bringen kann.

Jonas Ingold, Redaktionsleiter des LID. Bild: LID.

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Mit einem Kürbis-Bild aus dem Internet den Start der Kürbissaison auf der Hof-Website anpreisen oder Fotos von Personen an einem Hofevent im Internet veröffentlichen. Was völlig unproblematisch klingt, kann große Komplikationen mit sich bringen. Jonas Ingold, Redaktionsleiter des LID, erklärt warum.

"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte": Bilder wecken Emotionen und werden von unserem Gehirn schneller erfasst als geschriebener Text. Ansprechende Fotos erzählen eine Geschichte, in ganz wenigen Augenblicken. Auch der Erfolg von Plattformen wie Instagram zeigt eindrücklich, dass Bilder vor allem im Internet gut ankommen. Für den Internet-Auftritt eines Hofs ist gutes Bildmaterial daher wichtig. Wer auf die Schnelle kein passendes zur Hand hat, greift zu Fotos aus dem Internet oder fertigt die Fotos selber an. Doch in beiden Fällen ist Vorsicht geboten.

Was sind "Urheberrecht" und "Recht am eigenen Bild"?

Jonas Ingold, Redaktionsleiter beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID), kennt die Problematik mit Bildrechten aus der eigenen täglichen Arbeit. Besondere Beachtung schenkt er dem "Urheberrecht" und dem "Recht am eigenen Bild". Wenn ein Bild aus dem Internet runtergeladen und veröffentlicht wird, muss eine korrekte Quellenangabe verwendet werden, ansonsten handelt es sich um eine Verletzung des Urheberrechts. Im Gegenzug spricht man von einer Verletzung des Rechts am eigenen Bild, wenn eine Person auf dem Bild erkenntlich ist und dieses ohne ihre Zustimmung genutzt und veröffentlicht wird.

Vorsicht besser als Nachsicht

Das Recht am eigenen Bild ist im Schweizer Gesetz verankert. Eine Verletzung liegt vor, wenn jemand "ohne seine Zustimmung um seiner Person willen fotografiert wird". Das gilt nicht für öffentliche Veranstaltungen. Wenn ein Landwirt beispielsweise im Rahmen der Tag der offenen Hoftür Bilder knipst, kann er diese verwenden. "Jedoch nur, sofern eine Menschenansammlung fotografiert wird. Sobald eine Person darauf speziell hervorgehoben auftritt, kann im schlimmsten Fall die Klage drohen", meint Jonas Ingold.

Spezialfall Kinder

Eine Ausnahme bilden Kinder. Wenn auf dem Hof ein Kindergeburtstag gefeiert wird und für die Website ein paar Eindrücke festgehalten werden, braucht es unbedingt die Bewilligung der Eltern. "Lassen Sie die Eltern eine Einwilligung unterzeichnen, dass Sie Bilder des Kindes im Rahmen der Aktivität und des Kontexts auf der Website publizieren dürfen. Damit sind Sie auf der sicheren Seite." Jonas Ingold rät, in Fällen mit Kindern lieber zu vorsichtig zu sein. "Eltern sind normalerweise stark auf diese Thematik sensibilisiert.".

Einfachste Situation mit eigenen Bildern

Die Situation beim Urheberrecht ist zwar klar geregelt, es kann aber einen beachtlichen Mehraufwand bedeuten, die Urheberrechtsfrage für jedes einzelne Bild abzuklären. Wem das zu viel Arbeit ist, ist gut beraten mit Bildern von Portalen, die frei verwendet werden dürfen. Ein solches Beispiel ist die Plattform Pixabay (www.pixabay.com). "Beachten Sie aber, dass beispielsweise bekannte Markenlogos nicht kommerziell (also nicht für Werbung), sondern nur redaktionell (also für einen Blog oder eine Zeitschrift) verwendet werden dürfen", warnt der Redaktionsleiter und fügt an, "auf der allersichersten Seite sind Sie mit selbstgemachten Bildern." Auf Websites von Unternehmen oder Organisationen stehen oft Bildmaterial, Logos oder Labels zur redaktionellen Nutzung bereit.

Vorsorgen für den Streitfall

Um im Streitfall die Herkunft des Bildes einfacher nachweisen zu können, lohnt es sich, einen Screenshot der Website zu machen, von der das Bild stammt. Falls man sich plötzlich mit einer Anschuldigung konfrontiert sieht, klärt man am besten erst die Fakten ab. "Wenn die Beschuldigung berechtigt ist, suchen Sie das Gespräch mit dem Fotografen oder deren Vertretung. Gerade in Deutschland gibt es auf Abmahnungen spezialisierte Anwälte, die praktisch nur solche Fälle suchen und damit Geld machen wollen - teils auch in unberechtigten Situationen", so Ingold.

Achtung auch bei Musik

Wer gerne Videos schneidet und vertont, könnte in eine ähnliche Falle tappen. Auch da muss das Urheberrecht beachtet werden. YouTube bietet zum Beispiel eine freie Audio Library an, wo Musikstücke zur Verfügung gestellt werden. Jonas Ingold fügt an: "Zudem gibt es spezielle Dienste, über die Sie gegen ein Entgelt solche Musik erhalten." Würde es sich denn auch lohnen, Bilder zu kaufen oder einen Fotografen zu engagieren? Für Jonas Ingold ist das eine Option: "Es muss jeder selber abschätzen, wie viel Geld er investieren will. Aber Fotos von modernen Smartphones sind heute durchaus Website-tauglich." (LID CH)

5 Tipps: So verletzen Sie weder "Urheberrecht" noch "Recht am eigenen Bild"

- Fotografieren Sie selbst oder geben Sie die Bilder in Auftrag
- Klären Sie ab, ob Personen auf dem Bild mit der Veröffentlichung einverstanden sind.
- Bei Bildern mit Kindern müssen die Eltern einwilligen.
- Wenn Sie Bilder aus dem Internet verwenden, so achten Sie darauf, dass sie die Lizenz-Bedingungen erfüllen.
- Seien sie lieber zu vorsichtig.

 

 

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