RLV: Mindestlohn gefährdet Existenz des heimischen Obst- und Gemüsebaus

Der Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer sieht im Mindestlohn keine Erfolgsgeschichte.

Die arbeitsreiche Gemüseernte steht unter dem Druck des Mindestlohns. Bild: GABOT.

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„Der Mindestlohn gefährdet den Obst- und Gemüsebau im Rheinland“, so reagiert der Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer (Bonn), Christoph Nagelschmitz, auf Presseberichte vom 14. August 2019, in denen die Einführung des Mindestlohnes als „Erfolgsgeschichte“ tituliert wird.

Derzeit stünden viele Obst- und Gemüsebaubetriebe aus dem Rheinland mit dem Rücken zur Wand, so Nagelschmitz. Die Ernte von Obst und Gemüse sei mit viel Handarbeit verbunden. Durch die Einführung des Mindestlohnes seien die Kosten für die Obst- und Gemüseproduzenten stark gestiegen. Technische Hilfsmittel würden so weit irgend möglich eingesetzt, ein Ersatz von Arbeitskräften sei aber nur bedingt möglich.

„Wir können die gestiegenen Kosten nicht an unsere Marktpartner weitergeben, die sich zunehmend alternativer Lieferquellen in Südeuropa oder Nordafrika bedienen“, beklagt Nagelschmitz. „Bei einem gesetzlichen Mindestlohn von 9,19 Euro/Stunde können wir nicht mit nordafrikanischen Lieferanten von Beerenobst konkurrieren, die ihren Erntehelfern einen Tageslohn zahlen, der nur unwesentlich über den deutschen Stundenlöhnen liegt“, so Nagelschmitz. So sei einem Erzeuger aus dem Rheinland seitens seines Vermarktungspartners signalisiert worden, dass er nur dann seine Kirschen liefern könne, wenn der Ladenpreis von 2,80 Euro/kg eingehalten werden könne. Dieser Preis müsse aber auch noch eine Marge für den Handel beinhalten. Ausländische Produzenten könnten zu einem solchen Preis liefern, weil der Mindestlohn dort oft bei weniger als einem Drittel im Vergleich zu Deutschland liege. Dieses Geschäftsgebaren lasse sich beliebig auf andere Obst- und Gemüsekulturen übertragen, so Nagelschmitz.

Die deutlich gestiegenen Löhne verursachten zudem einen bedrohlichen Arbeitskräftemangel, so Nagelschmitz. „Zahlreiche ausländische Erntehelfer haben ein finanzielles Ziel, mit dem sie in Deutschland die Arbeit aufnehmen. Ist dieses Ziel erreicht, reisen sie von heute auf morgen ab.“ Die Betriebe stünden plötzlich ohne die dringend benötigten Erntehelfer da. Die finanziellen Ziele der Erntehelfer würden durch die steigenden Mindestlöhne immer früher erreicht.

Nagelschmitz fordert Verbraucherinnen und Verbraucher auf, regional erzeugtes Obst und Gemüse zu kaufen. Dafür hätten Obsterzeuger aus der Region mit zahlreichen Aktionen in den vergangenen Wochen medienwirksam geworben. „Heimisches Obst und Gemüse muss nicht über Tausende Kilometer quer durch Europa transportiert werden. Damit werden CO2-Immissionen in großen Mengen eingespart. Dies kommt dem Klimaschutz zugute“, betont der Präsident. „Obst und Gemüse aus dem Rheinland wird nach strengen Umwelt- und Sozialstandards erzeugt. Dies muss den Verbrauchern einen Mehrpreis wert sein“, so der Nagelschmitz. (RLV)

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