HSWT: Sammelt regionale Apfel- und Birnensorten

In der Versuchsstation für Obstbau Schlachters wird im Rahmen eines 10-jährigen Forschungsprojekts ein Erhaltungs- und Sichtungsgarten für die Sortenvielfalt von Kernobst aufgebaut.

"Böblinger Straßenapfel" - eine der erhaltenswerten alten Kernobstsorten. Bild: HSWT.

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In der Versuchsstation für Obstbau Schlachters, einem Außenstandort der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) am Bodensee, wird im Rahmen eines 10-jährigen Forschungsprojekts ein Erhaltungs- und Sichtungsgarten für die Sortenvielfalt von Kernobst aufgebaut. Zu diesem Zweck werden alte Kernobstsorten im Regierungsbezirk Schwaben ausgewählt und gesammelt. In Zusammenarbeit mit einem Pomologen wird entsprechendes Reisermaterial veredelt, aufgepflanzt und über mehrere Jahre gesichtet. Dabei erfolgt eine pomologische Bewertung der Sorten nach phänologischen, obstbaulichen, phytopathologischen und sensorischen Eigenschaften sowie eine Bewertung der Eignung für die weitere Veredelung.

Kernobstsorten als Genpool

Der Erhaltungs- und Sichtungsgarten dient als Genpool für regionaltypische Kernobstsorten. Durch Vergabe von Reisermaterial an Reiserschnittgärten oder Baumschulen wird ein wertvoller Beitrag zum Erhalt der jeweiligen Sorten geleistet. Zudem sollen die Sorten für eventuelle Züchtungsarbeiten zur Verfügung stehen. Am Ende des Projektes werden die Ergebnisse aus der pomologischen Bewertung in einem Leitfaden zusammengefasst und für Kommunen, Gartenbauvereine oder Betriebe der gartenbaulichen Branche als Unterstützung bei der Sortenwahl zur Verfügung gestellt. Das Projekt wird intensiv mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen begleitet, die sowohl Veranstaltungen für Fachkreise als auch für die breite Öffentlichkeit beinhalten. Bei der Auswahl der Fläche wurde auf gute Zugänglichkeit für Besucher geachtet, sodass der Erhaltungs- und Sichtungsgarten in die Landesgartenschau Lindau 2021 integriert werden kann.

Bedeutung für die Region Schwaben

Der Anbau von Obst spielt in der Region Schwaben seit jeher eine große Rolle. Während sich in den vergangenen 100 Jahren der Erwerbsanbau vor allem in der Bodenseeregion spezialisiert hat, stellen in weiten Teilen Schwabens heute Streuobstwiesen ein landschaftsprägendes Kulturgut dar. Geprägt sind diese Streuobstbestände unter anderem von einer großen Vielfalt an alten Apfel- und Birnensorten, welche sich im Laufe der vergangenen Jahrhunderte oft sehr regional entwickelt haben und heute zum Teil unbekannt oder vom Aussterben bedroht sind. Neben der landschaftsprägenden Funktion stellen Streuobstbestände zudem einen wichtigen, biodiversitätsfördernden Lebensraum dar. Außerdem können historische Sorten auf Grund spezifischer Eigenschaften eventuell neues Potential für zukünftige Züchtungsarbeiten im Erwerbsanbau, zum Beispiel im Hinblick auf phänotypische Merkmale oder Resistenzeigenschaften, bieten.

Projektpartnerschaft und Projektförderung

Der Projektpartner 'Förderverein Obstbauschule Schlachters e. V.' erhält vom Bezirk Schwaben für die Finanzierung des Sortenerhaltungsgartens ein Fördervolumen von 500.000 Euro bis 2029. (HSWT)   

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