Green Deal: Zusammenspiel von Industrie- und Klimapolitik erforderlich

Der "Green Deal" der EU-Kommission sieht vor, Europa bis 2050 treibhausgasneutral zu machen. Das stellt die energieintensiven Branchen wie die Grundstoffindustrie vor große Herausforderungen.

Um klimaneutral zu werden, sieht der europäische Green Deal die Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes vor, das die EU unwiderruflich zu diesem Ziel verpflichtet. Bild: GABOT.

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Bis 2050 will die Europäische Union (EU) als erster Kontinent Treibhausgasneutralität erreichen. Um bis dahin klimaneutral zu werden, sieht der europäische Green Deal die Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes vor, das die EU unwiderruflich zu diesem Ziel verpflichtet. Zahlreiche Maßnahmen flankieren die mittel- und langfristigen Zielsetzungen – von einem Programm für den Aufbau von einer Millionen Ladesäulen für Elektroautos in ganz Europa bis hin zur Forschung für eine CO2-freie Stahlproduktion.

Energieintensive Industrie erfordert ganzheitlichen Transformationsprozess

Damit die europaweiten Ziele erreicht werden können, spielt die schnelle Verringerung der Treibhausgasemissionen der energieintensiven Industrie eine zentrale Rolle – vor allem in Stahlerzeugung, Grundstoffchemie, Aluminiumindustrie, Glas-, Papier- und Zementherstellung, die in Summe für deutlich mehr als die Hälfte der industriebedingten Emissionen verantwortlich sind. Der Green Deal ist hierfür noch nicht ausgereift: „Obwohl das Bewusstsein für eine strategischere Ausrichtung in der Industriepolitik stark gewachsen ist, greifen die bestehenden Ansätze und Überlegungen noch zu kurz. Die dringend erforderliche integrativere Verbindung zwischen der Industrie-, Energie- und Klimapolitik wurde bisher noch nicht hinreichend berücksichtigt“, kritisiert Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts.

Wie der Transformationsprozess auf den relevanten Ebenen gelingen kann, zeigt der neue In Brief „Integrierte Klima-Industriepolitik als Kernstück des europäischen Green Deal“. Darin schlagen die beiden Autoren Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick und Prof. Dr. Stefan Lechtenböhmer, Leiter der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme, vier zentrale Punkte vor:

• Etablierung klimaneutraler und zirkulärer Wertschöpfungsketten für Produkte der Grundstoffindustrie

• Verstärkte Anreize und adäquate Politikstrategien für nachhaltige Geschäftsfelder entlang der Wertschöpfungsketten

• Richtungssicherheit für umfangreiche Technologie- und Infrastrukturinvestitionen

• Integrierte Klima-, Energie und Industriepolitik als zentraler Baustein des europäischen Green Deal

Die Umsetzung der Ziele ist ohne Zweifel eine große Gestaltungsaufgabe für die über Jahrzehnte gewachsene Strukturen in der Industrie. „Der Klimawandel ist neben der Digitalisierung aber auch der zentrale Innovationstreiber für die europäische Industrie und somit nicht nur eine zentrale Herausforderung, sondern vor allem auch eine Chance“, sagt Prof. Dr. Stefan Lechtenböhmer. Die konsequente Fokussierung auf den von den Autoren vorgeschlagenen integrativen Ansatz mit seinen vier zentralen Säulen, kann die EU dabei unterstützen, in Europa eine treibhausgasneutrale Grundstoffindustrie aufzubauen. Zudem kann sie eine technologische Führungsrolle in zentralen Zukunftsfeldern übernehmen und sich auf den wachsenden Klimaschutzmärkten eine herausragende Position verschaffen. (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH)

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