DLG: Verleiht Wilhelm-Rimpau-Preise 2022

Vier innovative und praxisnahe Bachelor- bzw. Masterarbeiten in der Pflanzenproduktion ausgezeichnet.

Von links nach rechts: DLG-Präsident Hubertus Paetow, Matthias Stettmer, Johannes Schneider, Lukas Förter, Manuel Bongard. Bild: DLG.

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Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) hat im Rahmen ihrer Feldtage am 14. Juni 2022 auf dem Gelände des Versuchsgutes Kirschgartshausen bei Mannheim (Baden-Württemberg) die Wilhelm-Rimpau-Preise für das Jahr 2022 verliehen. Damit hat die DLG nunmehr bereits zum zwölften Mal innovative und praxisnahe Bachelor- bzw. Masterarbeiten in der Pflanzenproduktion ausgezeichnet. Eine unabhängige Jury wählte im Auftrag des DLG-Vorstandes aus den insgesamt 23 eingereichten, sehr guten Arbeiten vier besonders herausragende aus. Die Preisträger kommen in diesem Jahr von der Fachhochschule Südwestfalen in Soest, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg und der Technischen Universität München. Es wurden zwei Dritte Preise verliehen. Der Preis ist nach Wilhelm Rimpau, dem „Vater der deutschen Pflanzenzüchtung" und Gründer der Saatzuchtabteilung der DLG benannt. DLG-Präsident Hubertus Paetow übergab die Preise im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der DLG-Feldtage zusammen mit Ministerialdirektorin Grit Puchan, Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden‑Württemberg.

Erster Preis an Manuel Bongard von der Fachhochschule Südwestfalen, Soest

Der mit 2.000 Euro dotierte erste Preis geht an Manuel Bongard aus Mechernich (Nordrhein-Westfalen) für seine Masterarbeit zum Thema „Reduktion von Herbiziden durch alternative Verfahren zur Unkrautbekämpfung im Zuckerrübenanbau“. Die Arbeit wurde von Frau Prof. Dr. Verena Haberlah-Korr, Fachgebiet Pflanzenschutz, Fachbereich Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest, betreut.

Herr Bongard stammt aus dem Rheinland und hat nach der Fachhochschulreife 2015 mit dem Bachelorstudium Agrarwissenschaft an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest begonnen. Von 2018 bis 2021 hat er das Masterstudium der Agrarwissenschaften ebenfalls an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest abgeschlossen. Für die Masterarbeit zur Frage der alternativen Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben führte Herr Bongard Feldversuche an zwei Standorten durch. Neben einem Standort im Rheinland befand sich der zweite Versuchsstandort auf dem Versuchsgut Kirschgartshausen der Südzucker AG.

Die Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben steht vor einem Umbruch. Die Neubewertung von Wirkstoffen, die Reduzierung der zur Verfügung stehenden Herbizide sowie zunehmend resistente Unkräuter und Ungräser lassen eine Änderung des Unkrautmanagements notwendig werden. Bisherige Alternativen wie die Unkrautbekämpfung mittels Thermik und Mechanik funktionieren, jedoch ist der Arbeitsaufwand recht hoch und die Flächenleistung zu gering. Um also den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren und dennoch produktiv und effizient Zuckerrüben anbauen zu können, bedarf es neuer Lösungen.

Um genau dies zu erreichen untersuchte Manuel Bongard die Wirksamkeit chemischer, mechanischer und elektrophysikalischer Methoden auf zwei Standorten. Dazu verglich er die flächige Herbizidapplikation mit einer Bandapplikation, welche absetzig mit mechanischen und elektrophysikalischen Maßnahmen kombiniert wurde. Der Einsatz des elektrophysikalischen Verfahrens erfolgte dabei erstmals als Anwendung zwischen den Zuckerrübenreihen.

Die Versuche von Manuel Bongard ergaben, dass die Kombination der verschiedenen Bekämpfungsverfahren zu einer Steigerung des Gesamtwirkungsgrades führen können, sofern sie unabhängig voneinander zu den jeweiligen optimalen Witterungsbedingungen eingesetzt werden. Die elektrophysikalische Bekämpfung erwies sich dabei als besonders effektiv, da bereits zwei Maßnahmen ausreichten, um einen unkrautfreien Zuckerrübenbestand zu erhalten. Auch Problemunkräuter wie Ackerkratzdistel und Gänsefuß wurden erfolgreich bekämpft. Die Ergebnisse dieser Masterarbeit zeigen auf, dass durch die Einbindung des elektrophysikalischen Verfahrens in die Bekämpfungsstrategie die Behandlungshäufigkeiten reduziert werden können ohne auf die Unkrautwirkung zu verzichten. Besonders auf Problemstandorten und bei resistenten Unkräutern können die Rüben zwischen den Reihen unkrautfrei gehalten werden. In Kombination mit der reihenbezogenen Bandspritzung lässt sich der Herbizidaufwand um bis zu 60% reduzieren und zeigt somit eine Chance auf, wie sich die Zielsetzungen des Green Deals verwirklichen lassen.

Zweiter Preis an Lukas Förter, Justus-Liebig-Universität Gießen

Der mit 1.500 Euo dotierte zweite Preis geht an Lukas Förter aus Ostheim (Hessen) für seine Bachelor-Arbeit zum Thema „Vegetationsbegleitende Hochdurchsatzfeldphänotypisierung einer Winterweizenkollektion unter kontrastierenden Beregnungsintensitäten mittels drohnengestützten multispektralen Reflexionsmessungen“. Die Arbeit wurde an der Professur für Pflanzenzüchtung der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Betreuung von Herrn Prof. Dr. Rod Snowdon verfasst.

Lukas Förter stammt von einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb aus Hessen und hat nach dem Abitur an der Justus-Liebig Universität Gießen Agrarwissenschaften studiert. Nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss befindet sich Lukas Förter nun im Masterstudium der Nutzpflanzenwissenschaften an der JLU in Gießen.

Herr Förter hat sich in seiner Bachelorarbeit mit dem Einsatz von sensortragenden Drohnen für die Hochdurchsatzphänotypisierung in der Weizenzüchtung in Bezug auf das Merkmal der Trockenstresstoleranz beschäftigt. Weizen ist durch den fortschreitenden Klimawandel akut von trockenstressbedingen Ertragseinbußen betroffen. Um eine züchterische Antwort in Form von trockenstresstoleranten Sorten durch die Selektion der besten Genotypen zu finden, bedarf es vorab einer Erfassung möglichst zahlreicher, genauer phänotypischer Informationen.

Mit seiner Arbeit konnte Förter nachweisen, dass der verwendete Multispektralsensor zur Phänotypisierung in Feldversuchen geeignet ist. Die groß angelegten Versuche im Eliteweizen bewiesen, dass die Sensortechnik Datenerhebungen ohne großen zeitlichen und personellen Aufwand erlaubt, die eine Erhöhung des Zuchtfortschritts zulassen. Der Sensor kann die phänotypischen Daten, die vorher mit einem Handgerät ermittelt werden mussten, in einem Bruchteil der Zeit mit derselben Genauigkeit erfassen. Als besonders relevant gilt zudem, dass die erhobenen Daten phänotypische Merkmale quantifizieren können, die mit hohen Erträgen unter Trockenstress korrelieren. Herr Förter hat mit seiner Bachelor-Arbeit zeigen können, wie mit modernster Technik die Weizenzüchtung in Richtung trockenstresstoleranter Sorten unterstützt und Zuchtfortschritt generiert werden kann.

Erster Dritter Preis an Johannes Schneider von der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg

Johannes Schneider aus Stadthagen erhielt für seine Masterarbeit zum Thema „Die Eignung von Elitelinien für die Hybridsaatgutproduktion und als Tester in Kreuzungen mit pflanzengenetischen Ressourcen“ den mit 1.000 Euro dotierten ersten Dritten Preis. Die Arbeit wurde am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung sowie an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg erstellt und durch Prof. Dr. Jochen Reif betreut.

Von 2013 bis 2017 hat Herr Schneider an der Hochschule Osnabrück Landwirtschaft studiert und anschließend das Masterstudium der Nutzpflanzenwissenschaften an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg erfolgreich abgeschlossen. Seit dem Studienabschluss ist er als Doktorrand am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung und Gatersleben beschäftigt.

Johannes Schneider untersuchte quantitativ-genetische Aspekte der Rezeptivität der Weizenblüte und konnte starke Unterschiede in der Eignung von Weizensorten als Mutterlinie für die Hybridproduktion beobachten. Mit seinen Ergebnissen trägt er dazu bei, Grundlagen für die Untersuchung des Ertragspotenzials der genetischen Ressourcen des Weizens im Hybridhintergrund zu untersuchen. Dadurch ist es möglich, wertvolle Diversität für die Verbesserung des Hybridweizens zu erschließen. Die gestellte Versuchsfrage und die methodisch komplexe Versuchsanstellung konnte Herr Schneider durch fundierte praktische und theoretische Kenntnisse der Pflanzenwissenschaften erfolgreich umsetzen. Die Kommission möchte in ihrer Beurteilung vor allem die ausgereifte Versuchsanstellung, den Innovationsgehalt der Fragestellung und das hohe wissenschaftliche Niveau dieser Masterarbeit hervorheben. Die vielseitigen Experimente, welche in zwei Serien von Feldversuchen und an drei Umwelten durchgeführt wurden, fanden unter anderem in unmittelbarer Nähe zur Domäne Schlanstedt in Sachsen-Anhalt statt, welche bereits der Namensgeber dieses Preises, Wilhelm Rimpau, für seine Studien nutzte.

Zweiter Dritter Preis an Matthias Stettmer von der Technischen Universität München

Matthias Stettmer aus Bogen in Bayern erhielt für seine Masterarbeit zum Thema „Vergleichende Untersuchung der Wendezeiten in der Bodenbearbeitung von individuell geplanten und nicht geplanten Befahrungsstrategien unter Berücksichtigung der Schlagform“ den mit 1.000 Euro dotierten zweiten Dritten Preis. Die Arbeit wurde am Lehrstuhl für Agrarsystemtechnik der TU München unter der Betreuung von Herrn Prof. Dr. Heinz Bernhardt angefertigt.

Matthias Stettmer hat nach dem Abitur zunächst Agrarwissenschaften (Bachelor) und anschließend im Master Agrarmanagement am Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der Technischen Universität München studiert und erfolgreich beenden können. Im Rahmen seiner Masterarbeit hat er sich mit Verfahren zur Reduktion von Wendezeiten bei der Bodenbearbeitung beschäftigt und diese in umfangreichen Feldversuchen auf einem Praxisbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern getestet.

Wendezeiten in der Bodenbearbeitung gehören neben Rüst- und Wegzeiten zu den größten Faktoren von vermeidbarer Arbeitsineffizienz. Mithilfe von GPS-gestützter Lenksysteme ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur Befahrung landwirtschaftlicher Flächen. Matthias Stettmer untersuchte vier verschiedene typische Fahrmuster in Abhängigkeit eines geraden, eines kurvigen und eines schrägen Vorgewendes auf fünf verschiedenen Ackerschlägen. Ziel der Masterarbeit war, im Detail zu untersuchen, welches Fahrmuster in Abhängigkeit der Schlagform und der Maschineneigenschaften als optimal gilt, um im Anschluss Regeln zur Routenplanung ableiten zu können. Es gelang ihm im Rahmen seiner Untersuchungen herauszufinden, dass durch ein an den Schlag und das Bodenbearbeitungsgerät angepasstes Fahrmuster die Wendezeit um bis zu 40% reduziert werden kann. Matthias Stettmer kann mit seiner Masterarbeit nicht nur zur Effizienzsteigerung in Ackerbausystemen beitragen, sondern hat auch Grundlagen für Entwicklungen in der Etablierung des autonomen Fahrens gelegt. (DLG)

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