"AgrarCycle": Großer Schub für vertikale Landwirtschaft

Im Netzwerk für Agrarsystementwicklungen arbeitet die Hochschule eng mit Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, kleinen und mittelständische Unternehmen sowie Start-ups zusammen.

Im Oktober des Vorjahres konnte die Hochschule Osnabrück verkünden, dass am Campus Haste ein neues Forschungszentrum „Agrarsysteme der Zukunft" entstehen wird. Die Expertise aus dem Forschungszentrum wird auch in das ZIM-Netzwerk „AgrarCycle“ einfließen. Grafik: Hüdepohl.Ferner Architektur- und Ingenieurges. mbH

Ein Forschungsteam der Hochschule Osnabrück will in den kommenden Monaten und Jahren unter dem Namen „AgrarCycle“ ein hochinnovatives Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft aufbauen, um die vertikale Landwirtschaft am Standort Deutschland nachhaltig zu fördern. Das Vorhaben wird mit mehr als 120.000 Euro aus dem Innovationsprogramm für den Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.

Bei der vertikalen Landwirtschaft wird Gemüse und Obst in mehrstöckigen Gebäuden angebaut. Dieses System benötigt weder direktes Sonnenlicht noch Ackerboden, denn die Pflanzen wachsen in Nährlösungen bei künstlichem Licht oder Tageslicht. Neben einer effizienten Flächennutzung in der Höhe können Lebensmittel in einer Indoor-Vertical-Farm (IVF) in einer verlässlichen, wetterunabhängigen Qualität produziert werden. Zudem kann bei der Produktion in geschlossenen und kontrollierbaren Agrarsystemen einer IVF weitgehend auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet werden. „So wird es möglich, dass auch Menschen in urbanen Räumen zukünftig mit regional erzeugten Lebensmitteln versorgt werden können”, sagt Prof. Dr. Andreas Ulbrich, Professor für Gemüseproduktion und -verarbeitung.

Weitere Projektpartner sind willkommen

Noch sind Lebensmittel aus einer Indoor-Vertical-Farm unter anderem aufgrund des höheren Stromverbrauchs zu teuer. Im Projektantrag heißt es etwa im Blick auf eine IVF: „Abgesehen von weiteren Kosten liegen die Kosten durch den Energiebedarf von 7 kWh pro Kilogramm Blattsalat bereits bei über einem Euro.“ Um die Produktionskosten signifikant zu reduzieren, fehle es vor allem an innovativer Leistungselektronik. Mithilfe des ZIM-Netzwerkes soll sich das ändern. „Mit den verschiedenen Projektpartnern wollen wir Wege finden, um Emissionen zu mindern und Ressourcen effizienter einzusetzen”, erklärt Prof. Dr. Hans-Jürgen Pfisterer, Professor für Elektrische Antriebe und Grundlagen. „Wir wollen den Anforderungen ernährungs- und gesundheitsbewusster Konsumentengruppen gerecht werden und neue pflanzliche Produktinnovationen auf den Markt bringen“, ergänzt Ulbrich.

Dies soll sowohl mit Partnern, die das Netzwerk finanziell mittragen, als auch mit assoziierten Partnern gelingen, die das Netzwerk ideell unterstützen. Die Zeit für das Vorhaben scheint in vielerlei Hinsicht günstig: So veröffentlichte im Juli des Vorjahres die Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Göttingen eine Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass jeder zweite Konsument Produkte aus vertikaler Landwirtschaft kaufen würde.

Für das Netzwerk „AgrarCycle“ werden weitere Projektpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft gesucht. „Die Vision des ZIM-Netzwerks AgrarCycle ist die Weiterentwicklung von geschlossenen und kontrollierbaren Agrarsystemen mit allen Komponenten und Stakeholdern entlang der gesamten Agri-Food-Wertschöpfungskette, sodass in ihnen klimaresilient, effizient, qualitätsorientiert und wirtschaftlich produziert sowie Energie- und Stoffkreisläufe optimiert und geschlossen werden können“, heißt es im Projektantrag. (HS Osnabrück)

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