LBV: Fordert mehr PV-Anlagen auf Dächern

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg bezieht in seinem überarbeiteten Positionspapier Stellung zu den ambitionierten Ausbauplänen der Bundesregierung zu Photovoltaik-Anlagen.

Marco Eberle, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes: „Wir wollen mit dieser Investition ganz bewusst ein Zeichen setzen und eine Vorreiterrolle in der Stadt einnehmen.“ Bild: LBV/Brodbeck.

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Laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 soll der Ausbau von Erneuerbaren Energien massiv beschleunigt werden. Demnach sollen bis 2030 Photovoltaikanlagen hälftig auf Dach- und Freiflächen in einem Umfang von insgesamt 215 GW installiert sein. Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) blickt mit Sorge auf den sich ausweitenden Flächenverbrauch. So wurden im Jahr 2023 in Baden-Württemberg mehr als 300 MW Freiflächen-PV errichtet, hauptsächlich auf landwirtschaftlichen Flächen. „Der zusätzliche Flächenverlust durch Freiflächen-PV betrug im vergangenen Jahr fast ein Hektar pro Tag. Sollten die ambitionierten Ziele der Bundesregierung erreicht werden, wird bis 2030 deutschlandweit eine Fläche 1,5-Mal so groß wie der Bodensee mit Freiflächen-PV bebaut. Diese Flächen könnten der Landwirtschaft verloren gehen,“ macht Helmut Jäger, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien des LBV, deutlich. Bereits jetzt käme es zu Kündigungen von Pachtflächen, was landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz gefährde.

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg hat zur Thematik ein neues Positionspapier veröffentlicht. Die dort definierten Leitlinien sollen den Rahmen für die Errichtung von Freiflächen-PV auf landwirtschaftlichen Flächen vorgeben. Das Positionspapier finden Sie untenstehend in voller Länge.

Ausbau ja, aber im Einklang mit agrarstrukturellen Belangen

Im Positionspapier wird deutlich, dass der Landesbauernverband nicht grundsätzlich gegen den Ausbau von PV-Anlagen ist, schließlich sei die Photovoltaik (auch auf Dachflächen) für viele baden-württembergische Bauernfamilien ein wichtiges Standbein in Zeiten von volatilen Agrarmärkten. Helmut Jäger erklärt: „In vielen Regionen Baden-Württembergs steigt das Interesse landwirtschaftlicher Betriebe, selbst in Freiflächen PV zu investieren.“ Der Ausbau von Freiflächen-PV müsse jedoch im Einklang mit den regionalen agrarstrukturellen Belangen stattfinden und dürfe nicht dazu führen, dass der Landwirtschaft durch Flächenverlust die Grundlage der Bewirtschaftung entzogen werde. „Landwirtschaftliche Flächen mit hochwertigen Böden, die zur Produktion von Lebensmitteln und Futtermitteln geeignet sind, dürfen unserer Meinung nach nicht zur Solarenergieerzeugung genutzt werden,“ stellt Jäger klar.

Im Rahmen des Solarpaket I wurde auch die Duldungspflicht zur Verlegung von elektrischen Leitungen harsch diskutiert. Der Landesbauernverband vertritt in dieser Fragestellung eine klare Position: Die Duldungspflicht sei strikt abzulehnen, schließlich handle es sich hier um einen unverhältnismäßigen Eingriff in das Recht des Eigentümers. „So verspielt man sich die Akzeptanz im ländlichen Raum,“ winkt Helmut Jäger ab. „Wenn man Kosten sparen will, sollten wesentliche Kostentreiber wie der Erdkabelvorrang beim Stromnetzausbau auf den Prüfstand,“ ist sich der Arbeitsgruppen-Vorsitzende sicher.

Versiegelte Flächen priorisiert nutzen

Wie aber soll der Energie-Ausbau gelingen ohne weitere Flächen zu verbrauchen? „Unserer Meinung nach müssen Photovoltaikflächen auf Dachflächen absoluten Vorrang haben,“ stellt Helmut Jäger klar. Darüber hinaus sollen alle Flächen, die für die Landwirtschaft nicht nutzbar sind, herangezogen werden. Also beispielsweise Parkplatz- und Gewerbeflächen oder Lärmschutzwände. Des Weiteren sollen Agri-Photovoltaikanlagen bevorzugt werden, sie ermöglichen eine gleichzeitige Nutzung von Flächen für die Landwirtschaft und die Energiegewinnung. Um die Akzeptanz von Freiflächen-PV in der Region zu gewährleisten, muss die regionale Wertschöpfung erhalten bleiben. Regionale Projekte, wie Bürger-Bauern-Projekte, Kooperationsprojekte oder Bürgergenossenschaften seien vorzuziehen, heißt es in der Stellungnahme des Landesbauernverbandes.

Mit gutem Beispiel voran

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg geht selbst mit gutem Beispiel voran. Auf dem Dach der LBV-Geschäftsstelle in Stuttgart wurde eine Photovoltaikanlage mit einer Fläche von 480 qm installiert. Das Flachdach musste dafür neu versiegelt, geteert und abgedichtet werden. „Wir wollen mit dieser Investition ganz bewusst ein Zeichen setzen und eine Vorreiterrolle in der Stadt einnehmen,“ betont Marco Eberle, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg. „Wenn man von hier aus über die Dächer Stuttgarts blickt, sieht man, dass leider kaum ein Dach mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet ist. Wenn weitere Haushalte und Firmen ebenfalls ihre Dächer mit Anlagen bestücken, könnten viele landwirtschaftliche Flächen zur Lebensmittelproduktion erhalten werden,“ so Eberle. Die Photovoltaik-Anlage des LBV wurde im März in Betrieb genommen. Rund 72.000 kWh versprechen sich die Verantwortlichen im Jahr. Der Strom wird zu 100 Prozent selbst genutzt, für die zwei großen Rechenzentren in der Stuttgarter Olgastraße und um den gestiegenen Strombedarf von IT- und Datensicherheitsmaßnahmen zu decken. Auch im Falle eines Stromausfalls sei der LBV so bestens gewappnet.

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