PFFH: Blumen sind ein globales Geschäft

Wenn es den Menschen gut geht, dann kaufen sie gern Blumen. Durch die Multikrisen und die weltpolitische Lage, die uns durch die letzten Jahre belasten, schwächelt der Markt für Blumen seit über fünf Jahren in Folge.

Die Ernte und die Verarbeitung der Rosen liegt fest in der Hand von Frauen, die mit ihren Einkommen ganze Familien ernähren. Wenn wir in Deutschland faire Rosen aus Afrika kaufen, unterstützen wir damit auch soziale Projekte. Bild: PFFH/Hotlist.

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Nach Schätzungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) sank der Umsatz mit Blumen und Zierpflanzen 2025 erneut, diesmal um rund 2%, er bleibt allerdings mit 8,5 Mrd. Euro in Deutschland immer noch auf hohem Niveau. Die Kaufzurückhaltung der Kund*innen ist ein Gradmesser der wirtschaftlichen und politischen Situation und zeigt auch, wie emotional der Kauf von Blumen ist, ob für sich selbst oder als Geschenk für andere. Viele Blumen, die hierzulande verkauft werden, kommen über die Niederlande zu uns, aber längst nicht alle Blumen werden dort auch kultiviert. Viele, vor allem Rosen, kommen aus Schwellenländern in Ost-Afrika, vor allem aus Kenia und Äthiopien.

Im Süden scheint meistens die Sonne und es gibt viele Arbeitskräfte

Hier sorgen ganzjährig hohe Temperaturen, viel natürliches Licht und viele erfahrene, lokale Arbeitskräfte für eine hohe Produktivität. Und trotz weiter Transportwege per Luft- und Seefracht kann die CO2 Bilanz mit den meisten gärtnerischen Produktionsbetrieben in Europa spielend konkurrieren. In Ostafrika liegt die Blumenkultur in den flinken Händen von tausenden Frauen. Der Blumenanbau ist dort der zweitwichtigste Wirtschaftsfaktor. In Äthiopien steht die Kaffeeproduktion auf Platz Eins, in Kenia die Produktion von Tee, danach kommen die Schnittblumen, insbesondere Rosen und Sommerblumen in hunderten Blumenfarmen, die in den letzten dreißig Jahren – anfangs oft von Europäer*innen gegründet – entstanden sind. In beiden Ländern sind es vor allem Frauen, die dort arbeiten und oft alleinerziehend ihre Familien ernähren.

Auch Fairtrade macht den Unterschied

Nicht zuletzt durch das Engagement von Fairtrade haben sich die Arbeitsplätze für Frauen in diesen Ländern fundamental verändert und verbessert. „Faire Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer*innen sind das Ziel von Fairtrade, ein Großteil des Personals auf den Blumenfarmen sind Frauen. Der Fairtrade-Standard für Beschäftigte schreibt Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter*innen vor. Dazu gehören Bestimmungen zum Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und zu Schutzausrüstung, Urlaub, Sozialversicherung und Arbeitsverträgen. Arbeiter*innen auf Fairtrade-zertifizierten Blumenfarmen haben feste Arbeitsverträge und können Gewerkschaften beitreten. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht“, erläuterte Katharina Schwab von Fairtrade Deutschland e.V. auf der Internationalen Pflanzenmesse (IPM) 2026 in Essen. Sehr eindrucksvoll zeigte sie während einer Panel Diskussion zum Thema auf, wie Fairtrade die Position von Frauen in den globalen Schnittblumenlieferketten stärkt. Auch afrikanische Frauen kamen hier ausführlich zu Wort und machten deutlich, wie schwierig in den afrikanischen Ländern eine wirksame Gleichstellungspolitik ist und mit welchen Herausforderungen Frauen, aber auch Männer als Partner, Kollegen und Vorgesetzte, umgehen lernen müssen. Durch die Blumenindustrie verändert sich die Rolle der Frauen als Familienmittelpunkt und Ernährerinnen rasant. Allein in Äthiopien wurden nach Fairtrade Angaben bisher über 11.000 Arbeiterinnen auf Blumenfarmen im Rahmen einer Women’s School of Leadership auf Führungsaufgaben vorbereitet, gegen Ausbeutung, gegen sexuelle Belästigung, für Gendergerechtigkeit. In Ländern, in denen patriarchale Traditionen noch fest verankert sind, sind dies fundamentale soziale Eingriffe, die eine Menge Veränderungsbereitschaft erfordern, bei Frauen wie bei Männern.

Soziale Projekte

Einer der größten Akteure im europäischen Blumenhandel, Dutch Flower Group, versteht sich als große Familie mit angeschlossenen, spezialisierten Zierpflanzenunternehmen in über 30 Ländern, u.a. in Äthiopien und Kenia‚ und exportiert Schnittblumen, gemischte Sträuße und auch Pflanzen in alle Welt, so CSO/CMO Marcel Zandvliet. Das Unternehmen macht sich mit besten Argumenten stark für Fairtrade und ist stolz auf die afrikanischen Frauen, die in den angeschlossenen Gärtnereien gut ausgebildet werden und Karriere machen können. Mithilfe der Fairtrade-Prämie, einem finanziellen Aufschlag von 10% des Exportpreises, finanzieren zum Beispiel die Blumenfarmen Herburg Roses und Nini zusätzlich zu den Fairtrade-Standards anspruchsvolle soziale Projekte. So gibt es in Äthiopien neben Bildungseinrichtungen für Frauen, ihre Männer und Kinder u.a. eine „Herburg Roses Special Needs School“ für Kinder, die besondere Fürsorge brauchen, weil sie physisch und mental eingeschränkt sind. Bis zu 150 Kinder können hier in kleinen Gruppen unterrichtet und gefördert werden. Eine Tagesklinik kümmert sich um Gesundheitsfragen nah am Arbeitsplatz der Mutter und der Familie. Bei Nini in Kenia trägt Dutch Flower Group darüber hinaus die Schulgebühren für hunderte Kinder und finanziert den Kindergarten nicht nur für das Personal, sondern für die ganze Community. Mit ihrem Programm ´IMPACT2030` verpflichtet sich die Dutch Flower Group in der ganzen Lieferkette in jedem besseren Sinne umfassend der Nachhaltigkeit. Dass diese Ziele auch für Blumen und Pflanzen gelten, sollte generell eine Selbstverständlichkeit sein. Blumen und Pflanzen machen Freude, mehr noch, wenn man weiß unter welchen Bedingungen sie wo erzeugt worden sind.

Augen auf beim Blumenkauf

Wer in Deutschland Blumen kauft, sollte sich seiner Wahl, die er oder sie als Konsument*in hat, bewusst sein. Blumen und Pflanzen werden in Supermärkten, Discountern, im Online-Handel, aber auch in Blumenfachgeschäften immer öfter gelabelt verkauft. Gut zu wissen, dass man mit dem türkisen Fairtrade Logo vor allem Frauen in Entwicklungsländern unterstützt. Durch den Kauf von fair gehandelten Blumen entstehen dort für Frauen u.a. sichere Arbeitsplätze, Bildungschancen, Geschlechtergerechtigkeit und selbstbewusste Mütter, die wiederum selbstbewusste Kinder erziehen, die lesen und schreiben lernen können. Die Frauen von Fairtrade Afrika aus Kenia haben auf der IPM eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie froh sie sind, dass es in ihren Ländern einen so starken Blumensektor gibt und dass es europäische Unternehmen gibt, die für Handel und Absatz sorgen. Damit echte Blumen und Pflanzen zu erschwinglichen Preisen Freude machen.

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