Schweiz: Schleimige Invasion gegen Regenwurm

Am 15. Februar fand zur Ehrung des wichtigen Erdbewohners der "Tag des Regenwurms" statt. Doch der Regenwurm wird seit zwei Jahren von einem gefährlichen Feind bedroht: Einem invasiven, fleischfressenden Plattwurm.

Bianca Saladin schaut als Vollzugs-Verantwortliche "Grüne Branche" in den Gartencentern genauer hin. Der invasive Feind des Regenwurms versteckt sich unter Töpfen und in der Erde von importiertem Pflanzengut. Bild: bhk/lid.

Bereits der Naturforscher Charles Darwin hat’s gewusst. Der Regenwurm ist ein sehr wertvoller Erdbewohner. In seinem 1881 erschienen Buch erklärte er bereits: "Man kann wohl bezweifeln, ob es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutende Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben wie diese niedrig organisierten Geschöpfe." Die wohl bekannteste Regenwurm-Gattung in unserer Region ist der Tauwurm "Lumbricus terrestrics". Der "reger Wurm" - so wurde er im 16. Jahrhundert genannt – liegt aktuell in der kälteren Jahreszeit zusammengerollt tief in der Erde und hält eine Art Winterschlaf. Aber im Frühjahr und im Herbst gräbt und frisst er beinahe ununterbrochen. Er belüftet und lockert während seiner täglichen, bis zu drei Meter in die Tiefe reichenden Tunnelbauarbeiten den Boden, vermischt dabei intensiv die verschiedenen Bodenschichten. Und dank seines Nahrungsverhaltens führt er wertvolle Nährstoffe der Erde zu.

Ein neuer Feind ist aufgetaucht

Der braun-rote Wurm zieht Blätter, abgestorbene Pflanzenresten und Mikroorganismen in seine Röhre, welche von Pilzen und Bakterien zersetzen werden. So kann der zahnlose Wurm seine vorkompostierte Nahrung aufsaugen. Und zu guter Letzt ist auch sein Ausscheidungsprodukt, die Regenwurmlosung, bedeutend für die Bodenqualität. Sie enthält mehr Stickstoff, Phosphor und Kalium als die umliegende Bodenerde. Nebst den natürlichen Feinden (Vogelarten, Marder, Mäuse, usw.) und von den Menschen herbeigeführten Gefahren, wie Bodenverdichtung, Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel hat er in Europa und auch in der Schweiz seit rund zwei Jahren einen weiteren, gefährlichen Feind: der gebietsfremde invasive Plattwurm "Obama nungara".

Pflanzensendungen kontrollieren

"Der Plattwurm ernährt sich von Regenwürmern und Schnecken und hat bei uns keine natürlichen Feinde", erklärt Bianca Saladin. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sektion Biosicherheit im Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) im Kanton Zürich. "Man weiß noch wenig über seine Verbreitung und Bekämpfung", so Saladin. Man nimmt an, dass das Neozoon ursprünglich aus Südamerika stammt. Heute verbreitet er sich durch den Handel von Topf- und Gartenpflanzen rasant in Europa weiter.

Der schleimige Eindringling verdaut einen Regenwurm mittels abgesondertem Enzymbrei, welcher den Wurm verflüssigt. Bianca Saladin ist auch als Leiterin der Arbeitsgruppe "Vollzug Grüne Branche" der schweizweiten Organisation Cercle Exotique aktiv. Diese Organisation hat zum Ziel, die Kantone bei ihren Aufgaben gemäß Freisetzungsverordnung im Bereich invasiver Neobiota zu unterstützen. Die Arbeitsgruppe "Vollzug Grüne Branche" ist nun dabei, alle Meldungen zu Vorkommnissen der invasiven Plattwürmer zu sammeln und erarbeitet zusammen mit dem Branchenverband Jardin Suisse schweizweite Empfehlungen rund um den Umgang mit den Fremdlingen aus.

Problem frühzeitig erkannt?

Bereits wurde ein informatives Merkblatt zur Befalls-Kontrolle kreiert und an die Fachleute der Grünen Branche verschickt. "Es ist wichtig, dass die Kisten und Töpfe von Pflanzensendungen kontrolliert werden. Die Würmer versammeln sich unter den Töpfen und stecken im Wurzelstock der Pflanzen. Bei einer genauen Kontrolle sind auch die fünf Millimeter großen Eier des Plattwurmes zu entdecken. Bei Befall mit Plattwürmern oder seinen Eiern sollte dieser sofort der kantonalen Neobiota Fachstelle gemeldet werden", so Bianca Saladin. "Eine Weiterverschleppung zum Garten des Kunden muss verhindert werden. Wir wissen noch nicht, wie er sich in Gärten verhält und verbreiten wird".

Dringend abzuwenden ist auch, dass der Exot den Waldboden für sich entdeckt. Dorthin könnte er durch illegal und gesetzlich verbotene Gründeponien im Wald gelangen. Der kälteresistente, gefrässige Fremdling könnte sich unkontrolliert im Wald verbreiten und das Ökosystem empfindlich stören. Der aktive Schnecken- und Regenwurm-Jäger stiesse im Waldboden auf ein Schlaraffenland. So leben im Waldboden auf einem Quadratmeter zirka 120 Regenwürmer. Aber noch sind die Meldungen über die Vorkommnisse des Plattwurmes selten und überblickbar. Bianca Saladin hofft: "…dass sich der Plattwurm noch nicht bei uns etabliert hat, weil wir genügend früh das Problem erkannt haben und dank dem vernetzten schweizweiten Miteinander eine Invasion verhindern können". (lid)

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