Pflanzenschutz: Nützlinge sorgen für gesunde Pflanzen

Blühende und grüne Pflanzen schaffen für den Menschen Lebensqualität. Immer mehr Verbraucher interessieren sich für die Herkunft ihrer Pflanzen.

Gärtnereien, die sich an der Aktion "Natürlich mit Nützlingen" beteiligen, sind an dem Logo der Initiative zu erkennen. Bild: Gärtnerei Weinert.

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Im Wohnraum und auf dem Balkon, vor der Eingangstür oder im Gartenbeet sind sie leuchtender Blickfang und grüner Ruhepol fürs Auge. Wo diese Pflanzen herkommen und wie sie groß gezogen werden, interessiert immer mehr Verbraucher. In vielen Gärtnereien ist es möglich, sich direkt darüber zu informieren. Ein Thema versetzt die Besucher dabei besonders in Erstaunen: Wie die Gärtner in ihren Gewächshäusern auf natürliche Weise unerwünschte tierische Schädlinge mit Hilfe von anderen kleinen Tieren - den Nützlingen - in Schach halten. Diese nützlichen Lebewesen sind so klein, dass man sie ohne Lupe nicht zu Gesicht bekommt. Eine Initiative der bayerischen Gärtner soll dafür sorgen, dass sie nicht länger im Verborgenen arbeiten. Unter dem Motto Natürlich mit Nützlingen“ rücken die beteiligten Gärtner ihre kleinsten und fleißigsten Mitarbeiter deshalb ins Rampenlicht.

Ein Blütenmeer empfängt den Besucher zur Beet- und Balkonpflanzenzeit in der Gärtnerei - dicht an dicht stehen sie hier die Geranien, Petunien, Margeriten und viele mehr. Gesund sehen sie aus, üppig blühend und mit leuchtend grünen Blättern. Da fragt sich mancher Garten- und Balkonbesitzer, ob nicht auch beim Gärtner immer wieder die lästigen kleinen Tiere auftreten, die ihm in seinem eigenen Garten das Leben schwer machen: Läuse, Milben und andere kleine Tiere können gelegentlich aus einer beeindruckenden Pflanze rasch einen traurigen Anblick machen. Denn sind sie einmal da, vermehren sie sich rasch und es ist schwer sie wieder loszuwerden.

Und natürlich kennt auch der Gärtner dieses Problem. Zwar befällt nicht jeder Schädling alle Pflanzen. Aber dennoch ist es gerade in der Gärtnerei besonders wichtig, einen Befall mit unerwünschten Schadorganismen frühzeitig einzudämmen oder besser noch ganz verhindern. Denn in einem beheizten Gewächshaus herrschen nicht nur optimale Bedingungen für die Pflanzen, sondern oft auch für die daran interessierten Schädlinge. Umso schneller verbreiten sie sich und können rasch eine große Anzahl Pflanzen unverkäuflich machen.

Chemische Pflanzenschutzmittel einzusetzen ist für viele Gärtner heute nicht mehr die erste Option und nur im äußersten Notfall eine Lösung. Zum einen arbeiten sie selbst in den Gewächshäusern und wollen dort nicht unangenehm riechenden oder gar ungesunden Stoffen ausgesetzt sein. Zum anderen ist gerade ein Gärtner der Natur besonders nahe und möchte sie nicht mit schädlichen Stoffen belasten.

Muss er meist auch nicht, denn mit ausreichend Fachwissen können Schädlinge anders in Schach gehalten werden. Mehr und mehr setzen Bayerns Gärtner sogenannte Nützlinge ein - kleine Tiere, die die Schädlinge fressen oder schon deren Eier und Jugendstadien außer Gefecht setzen. Rechtzeitig eingesetzt machen sie fast immer den chemischen Pflanzenschutz überflüssig und sorgen für gesunde und natürlich angezogene Pflanzen.

Ein klassischer Nützling ist der Marienkäfer, den man im eigenen Garten dabei beobachten kann, wie er Blattläuse verzehrt. Und gerade seine Nachkommen, die Marienkäferlarven, haben großen Appetit auf Blattläuse. Beide sind kaum zu übersehen und daher sehr bekannt.

Besonders fleißig sind in der Gärtnerei aber die kleinen und daher kaum sichtbaren Nützlinge, zum Beispiel die sogenannte Schlupfwespe. Eingesetzt wird sie um der lästigenWeißen Fliege“ Paroli zu bieten, die niemand an seinen Pflanzen haben möchte. Sie ernährt sich von den Larven, also den Jugendstadien des Schädlings und verhindert so, dass die "Weißen Fliegen“ überhaupt das Erwachsenenalter erreichen. Die Schlupfwespen werden auf Papierstreifen im Gewächshaus ausgebracht, wo sich die Schlupfwespen dann verbreiten.

Und auch die sogenannten Raubmilben haben einen gesunden Appetit. Damit sie richtig zulangen bei ihrer Nahrung müssen sie sich allerdings wohlfühlen - ausreichende Luftfeuchtigkeit, genügend Wärme und Tropfwasser zum Trinken sind wichtig. Wenn die Bedingungen stimmen, schaffen sie es allerdings die schädlichen Spinnmilben von den Pflanzen fern zu halten. Spinnmilben saugen nämlich an den Blättern der Pflanzen, so dass diese krank aussehen und das Wachstum der Pflanzen ins Stocken kommt. Die Raubmilben selber dagegen schädigen die Pflanzen jedoch nicht. Um sie zum Gärtner zu transportieren und im Gewächshaus zu verteilen werden die Raubmilben in Kleie oder Tongranulat untergebracht. Die kleinen Kleiestückchen kann man manchmal noch auf den gekauften Pflanzen entdecken. Daran erkennt man, dass hier die Eier der nützlichen Raubmilben ausgebracht wurden.

Wer genau hinschaut, kann in der Gärtnerei also tatsächlich erkennen, dass hier mit Nützlingen gearbeitet wird. Viel einfacher ist es aber, auf das Zeichen „Natürlich mit Nützlingen“ zu achten, mit dem seit 2018 zahlreiche bayerische Gärtnereien darauf aufmerksam machen, dass sie biologischen Pflanzenschutz mit Nützlingen betreiben. Alle diese Gärtnereien lassen sich von Fachleuten zum Einsatz von Nützlingen beraten und betreuen, so dass ein funktionierender Nützlingseinsatz gewährleistet ist. Mit ihrem Fachwissen gewährleisten die beteiligten Gärtner auf diese Weise gesunde Pflanzen aus natürlichem Anbau.

Biologischer Pflanzenschutz mit Nützlingen hat viele Vorteile - für den Gärtner ebenso wie für den Verbraucher:

  • Vermeidung von chemischem Pflanzenschutz
  • Ein natürliches Gleichgewicht auch im Gewächshaus
  • Ein gesundes Gewächshausklima und der Schutz der Mitarbeiter

Das Ergebnis sind Pflanzen, die dann auch im Freiland gerne von Bienen, Schmetterlingen und anderen nützlichen Insekten besucht werden. (Quelle: Bayerischer Gärtnerei-Verband e.V.)

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