Im Interview: Rainer Ostmann

Vor gut 13 Monaten eröffnete Rainer Ostmann sein bisher größtes Gartencenter in Oldenburg. Im Gespräch mit der GABOT-Redaktion zieht der Unternehmer eine erste Bilanz und gibt einen kleinen Ausblick auf die Zukunft.

Rainer Ostmann vor seinem Gartencenter in Oldenburg. Bild: Stüber.

Herr Ostmann, wie sieht die Bilanz nach gut einem Jahr am neuen Standort in Oldenburg aus?

Es ist schon eine neue Größe, ein viel größerer Schritt ein so großes Gartencenter zu führen und es in Bewegung zu bringen und zu halten. Wir sind jetzt hier fast 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - ein großes Team - wir haben viele neue Sortimente wie Möbel, Grills und Accessoires.

Die Bilanz ist eigentlich, dass wir sehr viel Glück gehabt haben. Wir dürfen auch mega dankbar sein! Wir durften öffnen, als andere nicht auf haben durften. Wir sind allerdings in diese Eröffnungsphase gekommen, ohne dass wir das groß feiern konnten. Wir machten auf, aber ohne großes Tam-Tam – alles was wir eigentlich machen wollten, konnten wir nicht machen. Aber am Ende sind trotzdem viele Kundinnen und Kunden gekommen - sicherlich in alle Gartencenter - aber speziell auch hier.

Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen. Das Gartencenter hat in kürzester Zeit überregionale Bedeutung gewonnen, der Betrieb strahlt aus bis nach Wilhelmshaven, bis nach Emden und bis nach Ostfriesland hinein. Die Kunden kommen gerne. Mir macht es richtig Freude, dass die Menschen wirklich Spaß haben am Grün, an den Pflanzen und dass wir Produkte haben, zu denen auch die nächste Generation 'Ja' sagt! Man sieht viele junge Kunden und man merkt, da sind jetzt nicht nur das teure Telefon, die Turnschuhe oder das teure Shirt angesagt, sondern da wird auch mal Geld ausgegeben für eine richtig schicke Grünpflanze. Und die wird geliebt und gepflegt – ich finde, das ist ein toller Trend!

Ihnen spielt der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit in die Karten...

Ja, Gemüse – Nachhaltigkeit – wieder was Anbauen sind wichtige Themen. Wir verkaufen unglaublich viel Tomaten- und Gemüsepflanzen, und dass, weil die Leute mit dieses neuen Sorten oft viel Erfolg haben und weil das relativ gut funktioniert und das ist der Schlüssel dafür, dann die Leute dann am Ende wieder kommen.

Nun sind die meisten Corona-Regeln gefallen. Jetzt kann auch der Innenhof des Gartencenters wie geplant genutzt werden...

Wir haben uns bisher wegen Corona nicht alles getraut, aber jetzt wollen wir damit beginnen. Im ersten Jahr ist da wenig passiert. Es gibt eben sehr viel verschiedene Menschen mit verschiedensten Ansätzen. Auch jetzt haben noch viele Kunden die Maske auf. Es zeigt sich, dass diese Welle noch nicht zu Ende ist und wir müssen alle noch ein bisschen gucken – aber das geht ja auch: Wie haben viel Platz und das Gewächshaus ist groß.

Die Inflation drückt die Stimmung im Handel. Wie beurteilen Sie die Situation?

Meine persönliche Erwartung ist, dass das Frühjahr gut laufen wird und dass sich die Menschen sich dieses 'kleine Glück' gönnen werden. Ich glaube, dass die Menschen das Ausmaß noch nicht voll realisiert haben, sie sehen zwar die hohen Spritpreise und sie sehen, dass die Preise hoch gehen, aber bis das wirklich angekommen ist, dauert es noch einen Moment. Spannend wird es zum Jahresende – wenn man auf Herbst und Weihnachten 2022 schaut, wird man sicher mehr wissen. Es wird vermutlich eine Kundenschicht geben, wo das verfügbare Einkommen dann vielleicht nicht mehr reicht, um Geld für Blumen auszugeben.

Wir müssen uns aber auch viele Gedanken machen, wie wir als Arbeitgeber damit umgehen. Wie halten wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Wie behalten sie noch Spaß an ihrer Arbeit, wenn sie jeden Tag fahren müssen und nun für 200 Euro tanken müssen und nicht mehr für 100 Euro. Wir können das nicht alles 1:1 kompensieren, aber wir müssen da helfen. Wir brauchen ein gutes Team. Ohne geht absolut nicht

Aber auch die Verkaufspreise im Gartencenter sind derzeit ein Thema....

An jeder Schraube wird gerade gedreht.... wir versuchen, so nach und nach mit den Preisen stabiler zu werden. Moderat, aber Schritt für Schritt müssen wir aus dem Loch kommen – und wenn man die anderen Spieler im Markt sieht: Die Baumärkte machen das schon lange. Wir als Grüne Branche bringen eine gute Leistung und sollten unsere Produkte auch mal in Vergleich stellen zu anderen Branchen und Produkten und dann sieht man: Unsere Produkte sind auch wertig!

Aber war es noch nie so schwer wie heute, dass Zahlenwerk gut im Blick zu haben. Es ist ein wichtiger Punkt, dass Blumen nicht zum Luxus-Artikel werden, sondern noch ein Konsum-Artikel bleiben – das 'kleine Glück', mit dem die Leute Spaß haben.

Als Ihre Pläne in Oldenburg bauen zu wollen bekannt wurden, gab es unter der Gärtnerschaft einige Proteste. Wie ist die Situation heute?

Ich war mir sicher, dieses Gartencenter wird zu Oldenburg passen. Es bleibt weiter genug Potential für kreative Floristen oder Einzelhandelsgärtnereien.

Vielen Dank!

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.