Handel: Ein Baumarkt mit Aldi im Blut?

Fränkischer Kleinflächendiscounter mischt die Bau- und Heimwerkermarktbranche auf.

Heimlich, still und leise ist in den letzten zehn Jahren mit dem „Sonderpreis Baumarkt“ ein ernstzunehmender Mitbewerber herangewachsen. Bild: GABOT.

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Discounter sind in Deutschland sehr beliebt und der Handel hat über die Jahre in allen Warenbereichen seine Kunden zur Preissensibilität erzogen. So fand der neue Lebensmitteldiscounter „Mere“ auf Grund seiner Niedrigpreisstrategie so viel Anklang, dass der leergekaufte Markt nach nur zwei Tagen auf Grund von Lieferengpässen wieder schließen musste. Doch während diese strategische Lücke im Lebensmitteldiscount erst noch erschlossen werden will, ist das in der Baumarktbranche längst passiert: Heimlich, still und leise ist hier in den letzten zehn Jahren mit dem „Sonderpreis Baumarkt“ ein ernstzunehmender Mitbewerber herangewachsen.

Konzept: Bewährte Aldi-Manier

Auf Verkaufsflächen von maximal 1.000 Quadratmetern mit einfacher, zweckmäßiger Ladeneinrichtung werden beim Baumarkt-Discounter nur die gängigsten Artikel für Heim-, Handwerker oder Renovierer angeboten. Die Preise unterbieten Player wie OBI, Hornbach, hagebaumarkt und Co. dabei deutlich, teilweise um die Hälfte. Diese aggressive Sortiments- und Preisstrategie in Kombination mit einer konsequenten Standortpolitik, die auf günstige Immobilien in unmittelbarer Nähe zu den „großen Brüdern“ setzt, ist offenbar erfolgreich: Filialnetz und damit Marktanteile von Sonderpreisbaumarkt wachsen.

Allein auf weiter Flur

Die Reaktion der Wettbewerber? Die lässt aktuell noch auf sich warten. Entweder ist ihnen dieses „Stück vom Kuchen“ mit einem Gesamtumsatz von 250 Mio. Euro (noch) zu klein. Oder aber sie sind nicht in der Lage, auf die deutlich dynamischere Kleinfläche entsprechend zu reagieren. Denn: Viele Baumarktbetreiber haben sich bereits an der Kleinfläche versucht. Bisher mit eher mäßigem Erfolg. Nur wenige Formate wie das hochwertige Nachbarschaftsformat „Horst“ von Hagebau in Hamburg stechen da positiv hervor. Und auch in Sachen Rabattpolitik sind in der Vergangenheit schon einige gescheitert - Praktiker mit „20% auf alles“ ist hier wohl das prominenteste Beispiel.

Fazit?

Im Lebensmittelhandel haben Discounter wie Aldi und Lidl in den letzten Jahren durch ständiges Uptrading ihr ursprüngliches Konzept quasi selbst überholt - und den Ring frei gemacht für Runde zwei mit Harddiscountern wie Mere. Im Gegensatz dazu befindet sich die Bau- und Heimwerkermarktbranche in Sachen Harddiscount noch in Runde eins. In der bleibt es vor allem spannend, wie die Großflächenbetreiber auf die weitere Expansion des agilen Angreifers reagieren werden...

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