GLOBAL 2000: Bienenfreundliche Pflanzen als Giftfalle

Die Umweltschutz-Organisation GLOBAL 2000 hat gemeinsam mit Kolleg:innen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) 44 bienenfreundliche Pflanzen von einundzwanzig verschiedenen Anbietern auf Pestizide getestet.

Dass auf als bienenfreundlich gekennzeichneten Pflanzen hochbienengiftige Pestizide zu finden sind, ist in Wirklichkeit ein Skandal. Bild: Dominik Linkhard.

Die Umweltschutz-Organisation GLOBAL 2000 hat gemeinsam mit Kolleg:innen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) 44 bienenfreundliche Pflanzen von einundzwanzig verschiedenen Anbietern auf Pestizide getestet.

GLOBAL 2000-Expertin Dagmar Gordon: „Der aktuelle Test bestätigt leider die Ergebnisse des letzten Jahres und zeigt erneut eine hohe Pestizidbelastung von bienenfreundlichen Pflanzen. Es besteht deshalb dringender Bedarf Bestäuber besser vor Pestiziden zu schützen. Dass auf als bienenfreundlich gekennzeichneten Pflanzen hochbienengiftige Pestizide zu finden sind, ist in Wirklichkeit ein Skandal.“

Während im Durchschnitt satte 7,7 Pestizide auf den getesteten Pflanzen gefunden wurden, wurden erfreulicherweise bei zwei Proben – eine aus dem Lagerhaus, die andere aus der Gärtnerei Starkl – gar kein Belastungen nachgewiesen. Trauriger Spitzenreiter in puncto Bienengiftigkeit ist ein Lavendel aus einer österreichischen Filiale von Blumen 2000, mit ganzen fünf hoch bienengiftigen Pestiziden, darunter gleich drei der als Bienenkiller bekannten Neonikotinoide, und insgesamt Rückständen von 14 toxischen Mitteln.

Hoch bienengiftige Substanzen waren auf etwa 40% der Proben zu finden, während knapp jede fünfte Pflanze gleich mit mehreren dieser – für Bienen hochgiftigen – Pestizide belastet war. Insgesamt wurden im Rahmen der Untersuchungen 64 verschiedene Pestizide nachgewiesen, darunter elf, welche als hoch giftig für Bienen eingestuft werden.

Absurder Gift-Kreislauf

Der Test geht in diesem Jahr bereits in die zweite Runde. Eine Entwicklung ist dabei nicht zu erkennen. 2021 waren zumindest auf drei Proben keine Pestizide zu finden. Auf fast der Hälfte aller in diesem Jahr getesteten Pflanzen befanden sich Pestizide, welche zum Zeitpunkt der Probenahme gar keine EU-Zulassung mehr besaßen.

Wie solche Gifte dennoch den Weg in heimische Regale finden können, erklärt Dagmar Gordon: „Europäische Herstellerfirmen verkaufen in Europa nicht mehr zugelassene Mittel in andere Länder, was dort die Gesundheit von Mensch und Umwelt gefährdet, und EU-Mitgliedstaaten importieren diese nicht zugelassenen Pestizide dann wieder mit den zugekauften Pflanzen, und das großteils unkontrolliert.“

Breite Front für gesetzliche Regelung

Neben der entsprechenden Forderung durch GLOBAL 2000, bekannten sich auch die antwortenden Unternehmen zur dringenden Handlungs-Notwendung durch heimische und europäische Justiz.

Bellaflora hat schon seit 2017 ein freiwilliges Pestizid-Reduktions-Programm im Einsatz. Die Ergebnisse unabhängiger Tests nehmen wir sehr ernst und reagieren sofort - denn wir legen selber sehr strenge Richtlinien an. Wünschenswert wären europaweit und international einheitlichere Richtlinien rund um die Pflanzenproduktion, damit das Endprodukt Pflanze mit möglichst geringer Pestizid-Belastung in den Verkauf und damit in die Gärten kommt – im Sinne von Insekten und Umwelt.“ , so etwa Franz Koll, von Bellaflora, stellvertretend für die Antworten der getesteten Unternehmen.

Es braucht Gesetze, keine Interessensbekundungen

Welche Bedeutung Pestiziden europaweit beigemessen wird, zeigt dabei die jüngste EU-Aufschiebung der Glyphosat-Einschätzung von 2022 auf 2023. Dass selbst auf EU-Ebene ein derartiges Desinteresse an schnellen und zielgerichteten Lösungen vorliegt, unterstreicht die von GLOBAL 2000 geforderte rasche Umsetzung eines Gesetzes, welches auch für Zierpflanzen die EU-Einfuhr von mit verbotenen Pestiziden belasteten Produkten verbietet.

Zum Schutz von Bienen und anderen wichtigen Bestäubern sowie zum Schutz der heimischen Gärtner:innen braucht es dringend ein Gesetz zur Regelung von Pestizidrückständen von nicht in Europa zugelassenenen Wirkstoffen auf Zierpflanzen.

Das ein solches Gesetz möglich ist, zeigt Deutschland wo es das schon gibt. Die Untersuchungsergebnisse aus Deutschland zeigen aber auch, dass Kontrollen zur Einhaltung eines solches Gesetzes notwendig sind, streicht Dagmar Gordon die Wichtigkeit einer regelmäßigen Kontrolle hervor. „Es wäre eine kleine Änderung im Gesetz, nach dem Vorbild Deutschland zumindest zu regeln, dass in Europa nicht zugelassene Pestizde auf importierten Jungpflanzen auch in Österreich nicht anhaften dürfen. Darüber hinaus sollte im Angesicht der Biodiversitätskrise schnellstmöglich auch eine gesetzliche Regelung geschaffen werden, die Rückstandsgrenzwerte bei Zierpflanzen sinnvoll festlegt“, so Gordon weiter.

Die Forderungen im Überblick:

- Verbot von hoch insektengefährdenden Pestiziden bei der Produktion von bestäuberfreundlichen Pflanzen.

- Durchgängiges Importverbot für Pflanzen, die Pestizide enthalten oder denen Pestizide anhaften, die in der EU nicht zugelassen sind.

- Verbot der Zulassung von chemisch-synthetischen Pestiziden für den Haus- und Kleingarten.

- Förderung der biologischen Zierpflanzenproduktion und der heimischen Jungpflanzenzucht.

- Systematische staatliche Kontrollen von Pestizidrückständen auf Zierpflanzen (inklusive Jungpflanzen), insbesondere von importierter Ware.

- Erarbeitung von staatlichen Aktionsplänen zum Schutz von Bestäubern.

- Einführung von systematischen, staatlichen Bestäubermonitorings inklusive der Erstellung von aktuellen Gefährdungslisten („Rote Listen“).

- Reform des europäischen Zulassungsverfahrens für Pestizide. Langzeiteffekte, Kombinationswirkungen und die Auswirkung auf sensible Arten müssen zukünftig bei der Zulassung von Wirkstoffen berücksichtigt werden.

- Einführung von strengeren Kriterien für den „europäischen Pflanzenpass“: Transparente Herkunft und Handelswege, beginnend bei der Produktion von Samen und Jungpflanzen. (Quelle: GLOBAL 2000)

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