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St. Pölten: Fachtage Ökologische Pflege begeisterten Fachpublikum
Im Fokus standen naturbasierte Lösungen, klimaresiliente Grünraumentwicklung und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus Europa. Die Vorträge zeigten deutlich: Ökologische Pflege ist kein Trend, sondern eine zentrale Antwort auf Klimawandel, Biodiversitätsverlust und steigende Anforderungen im öffentlichen Raum. Gleich mehrere Beiträge verdeutlichten, wie stark der Klimawandel Planungs- und Pflegeprozesse beeinflusst.
Klimawandel erfordert neue Strategien im Grünraum
Landschaftsarchitektin Elena Wulff präsentierte die neue europäische Winterhärtezonenkarte, die auf aktuellen Klimadaten basiert und wichtige Empfehlungen für zukünftige Pflanzenauswahl liefert.
Wie bedeutsam Stadtbäume als Lebensräume sind, zeigte Dr. Susanne Böll anhand umfangreicher Biodiversitätsstudien: Besonders gemischte Alleen erhöhen die Artenvielfalt und bieten essenziellen Schutz bei Hitzeereignissen.
Die Stadt Meran stellte ihre strategischen Maßnahmen zur langfristigen Sicherung und Weiterentwicklung urbaner Grünräume vor. Anni Schwarz betonte die Notwendigkeit, historische Grünstrukturen mit modernen Klima- und Umweltanforderungen in Einklang zu bringen.
Mit innovativen Werkzeugen und Best-Practice-Beispielen zeigten Philipp Polland und Lena Karasek von „Natur im Garten" neue Möglichkeiten für Dach- und Fassadenbegrünungen und innovative Lösungen zur Klimawandelanpassung in öffentlichem Grün auf.
Eine ungewöhnliche Perspektive auf Friedhöfe als artenreiche, klimawirksame Grünräume bot Pfarrer Dr. Michael Wolf anhand von 15 Jahren praktischer Veränderungen.
Auch „Bäume in der Stadt" war bei den diesjährigen Fachtagen ein wichtiges Thema. Oliver Hermann zeigte, wie Bodenlockerung mittels Geo-Injektor und der Einsatz von Mykorrhiza-Pilzen die Vitalität alter Bäume erheblich steigern können. Den sensiblen Bereich „Baum und Baustelle" beleuchtete Frank Danicek und betonte die Bedeutung fachkundiger Umweltbaubegleitung, um Schäden an Bäumen zu vermeiden.
Mit einem faszinierenden Blick auf die Welt der Thripse zeigte Dr. Manfred Ulitzka am Ende des ersten Veranstaltungstages, dass diese Insekten nicht nur als Schädlinge, sondern auch als wichtige Bestäuber und Räuber eine bedeutende Rolle spielen.
Ildiko Heim vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau präsentierte das EU-Projekt MINAGRIS, welches Daten zu Ursachen, Bestandteilen und Langlebigkeit von Mikro- und Nanoplastik in landwirtschaftlichen Böden in ganz Europa generiert. Mulchfolien zum Beispiel, die häufig gegen Beikräuter eingesetzt werden, verursachen relativ viel Mikro- und Nanoplastik. Wird Plastikmüll nicht entfernt, entstehen immer kleinere Plastikteilchen, die sich über den Boden, Bodenleben und Pflanzen in natürlichen Kreisläufen akkumulieren. Im Projekt ist man zudem um Bewusstseinsbildung bemüht, im Citizen Science Projekt „Soil Plastic" App können Bürgerinnen und Bürger aktiv bei der Datengenerierung mitwirken, indem sie Plastikmüll in ihrer Umgebung einmelden.
Alfred Grand vom Forschungs- und Demonstrationsbauernhof in Absdorf (Niederösterreich) referierte über innovative und nachhaltige Methoden der Bodenbewirtschaftung. Die Marktgärtnerei, Agroforstsysteme, der Einsatz von Pflanzenkohle, das Mulchen mit Lebendmulch in Kombination mit Untersaaten wie beispielsweise Linsen und die Rolle des Regenwurms wurden beleuchtet.
Wie man in torfreduzierten und torffreien Substraten erfolgreich Pflanzen kultiviert erläuterte Maximilian Schreiner vom Erden- und Substrathersteller Patzer Erden. Er wies darauf hin, dass bei torfreduzierten und torffreien Substraten ein besonderes Augenmerk auf dem Gießen und Düngen liegt. Barbara Friess von „Natur im Garten" präsentierte die Neuheiten, Produkte und dazugehörende Betriebe rund um das torffreie Gärtnern, ökologischen Pflanzenschutz und Pflege. Einen Streifzug durch die Online-Schulungsplattform HoT und den E-Learningkurs des Projektes FiniTo gab Theresa Bachmayr von „Natur im Garten". Auch das Zertifizierungssystem Horticert für Torfersatzstoffe und Substrate sowie die Torffrei-Landingpage von „Natur im Garten" können zum Selbsttest, zur Wissensvertiefung sowie für Bildungs- und Beratungstätigkeiten zum Thema Torfreduktion genutzt werden.
Claudia Steinschneider, Stellvertretende Bereichsleiterin der Versuchsstation Wies in der Steiermark, berichtete über Substratversuche mit torfreduzierten und torffreien Substraten an Balkonpflanzen, Kräutern und Gemüsejungpflanzen. Großen Einfluss auf die Versuchsergebnisse hatten die Witterung, die Sortenwahl sowie die Anpassung der Düngung, als auch die langfristige Wiederholung der Versuche.
Jochen Flenker und Tyco Cote, die Leiter der Abteilungen Grünflächen und Tiefbau des Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin, präsentierten eindrücklich ihre Grünraumprojekte mit Fokus auf Ökologisierung. Durch die gute Zusammenarbeit der beiden Abteilungen gelangen bereits nicht nur eine außerordentliche Grünfläche, sondern sogar die Prämierung verschiedener Preise.
Dr. Georg Ebert und Lu Yin-Bandur von Synergie GmbH berichteten über die Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten von Biostimulanzien. Am Beispiel von Algenprodukten und Proteinhydrosylaten hielten sie fest, dass Biostimulanzien eine positive Wirkung auf die Pflanzengesundheit haben kann. Stressminderung oder bessere Nährstoffverwertung durch die Pflanzen sind Beispiele dafür. Doch ihr Einsatz ist anspruchsvoll, denn die Effekte sind von verschiedensten Faktoren wie etwa die Art der Applikation oder die Witterung während der Applikation abhängig. In Vertretung von Erwin Seidemann gewährte Sonja Stockmann von der LK Steiermark Einblick in den innovativen Produktionsbetrieb Blumenpark Seidemann in Tirol. Der Betrieb ist seit jeher torffrei, produziert qualitativ hochwertige Bio-Zier- und Gemüsepflanzen und hat bereits langjährige positive Erfahrung im Einsatz von Biostimulanzien.
Internationale Fachtage Ökologische Pflege 2026
Mit einem breiten Themenspektrum, praxisnaher Wissensvermittlung und rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestätigten die Internationalen Fachtage Ökologische Pflege erneut ihre Bedeutung als zentrale österreichische Plattform für naturnahe, klimafitte Grünraumpflege. Eine detaillierte Nachlese findet sich unter www.naturimgarten.at/nachlese zur Verfügung – und auch der Termin für das nächste Jahr steht bereits fest: Die 17. Internationalen Fachtage Ökologische Pflege finden am 18. und 19. November 2026 statt. Weitere Infos folgen.

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