Zukunftsproblem: Plastik im Boden

Einem Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung zum Thema "Plastik im Boden als Zukunftsproblem".

Plastik im Boden ist ein Zukunftsproblem. Bild: GABOT.

Hersteller und Händler müssten stärker in die Pflicht genommen werden bei der Reduzierung von Schadstoffen, die in Boden und Gewässer eindringen. Darin waren sich die Sachverständigen einig bei einem Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung. "Vermeiden ist günstiger als reparieren", meinte Issa Nafo (Emschergenossenschaft/Lippeverband).

Die 10.000 Kläranlagen in Deutschland reinigten das Abwasser zwar auf einem sehr hohen Standard, sagte Nafo. Doch seien sie nicht in der Lage, alle Spurenstoffe herauszufiltern, wobei Arzneimittel, Kosmetika oder Pflanzenschutzmittel die größten Probleme verursachten. In den Kläranlagen werde 200 Substanzen nachgespürt. Der Sachverständige sagte voraus, der Trend zu einer Zunahme beim Medikamentengebrauch werde sich in den Kläranlagen niederschlagen. Er kritisierte den hohen Einsatz von Antibiotika und hob hervor, dass bei Internetrecherchen oft ein Zusammenhang von Antibiotika und Grippebekämpfung hergestellt werde, obwohl dies nicht zutreffe. Forderungen nach einer vierten Reinigungsstufe in den Kläranlagen erteilte Nafo eine Absage. Auch sie könne nicht alle Stoffe zurückhalten, sei zudem sehr teuer und verbrauche in erheblichem Umfang Energie. Der Vorschlag sei weder wirtschaftlich, noch ökologisch sinnvoll. Für die Herstellerseite müsse es Anreize geben, sich am Schutz von Böden und Gewässern zu beteiligen.

Ohne Anreize gebe es keine Innovation

Jörg Rehberg vom Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft verwies auf die starke finanzielle Bedeutung beim Blick auf die Kläranlagen. Wenn sie eine vierte Reinigungsstufe einrichteten, müssten die Bürger mit einer Steigerung der Abwassergebühr um 10% rechnen. Dabei seien nicht sie in erster Linie die Verursacher, sondern die Hersteller. Rehberg schlug deshalb einen Fonds vor. In ihn sollten Hersteller und Händler einzahlen - und zwar entsprechend der Schädlichkeit der einzelnen Spurenstoffe. Er verglich dies mit dem Emissionshandel. Das Geld könne für Maßnahmen zu mehr Gewässerschutz verwendet werden. Plastik in Böden etwa durch Reifenabrieb in Straßennähe oder durch die Verwendung von Folien in Landwirtschaft und Gartenbau benannte Professor Berndt-Michael Wilke, Präsident des Bundesverbandes Boden, als großes Problem der Zukunft. Der Umgang mit dieser Problematik stecke noch in den Anfängen. Wilke verwies auf laufende Forschungsvorhaben. Noch fehle es an Untersuchungen, die genau Auskunft geben könnten über die Auswirkungen auf Menschen und Bodentiere.

Wilke schilderte die Bedeutung der Böden

Es gebe die Aussage, dass in einer Handvoll Boden mehr unterschiedliche Organismen zu finden seien als im Amazonas-Gebiet. Der Boden könne Einträge von Stoffen puffern. Einige Organismen würden Stoffe entgiften, was eine natürliche Selbstheilungskraft bedeute. Einen Schwerpunkt im Fachgespräch bildete die Nitrat-Problematik. Die Nitratwerte stiegen seit Jahrzehnten, sagte Rehberg. Der direkte Zusammenhang zwischen landwirtschaftlicher Intensivnutzung des Bodens und hohen Nitratwerten sei wissenschaftlich belegt. Deutschland müsse die EU-Richtlinie unverzüglich umsetzen. Er beklagte, dass die Bundesregierung an Ausnahmen denke und die Einbeziehung aller Düngemittel lückenhaft sei. Die Frage sei, wer geschützt werden solle: die Gewässer oder einzelne Betriebe. Nitrat bedeute ein Riesenproblem für die Wasserversorgung, wobei es bisher nur um die Spitze eines Eisbergs gehe. Der Wert erhöhe sich im Laufe der Jahre.

Die aktuelle Diskussion um die Platzierung von Nitrat-Messstellen helfe nicht weiter, meinte Rehberg. Die Messstellen würden seit Jahrzehnten betrieben - vermehrt dort, wo es um dir Trinkwasserversorgung gehe. Selbst wenn die eine oder andere Messstelle an einem ungünstige Ort stehe, ändere das nichts an der großen Tendenz - der Zunahme der Nitratwerte. (hib/FLA)

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