Weltbienentag: Wien ist Welthauptstadt der Wildbienen

Wildbienen stehen nach dem Bekanntheitsgrad immer ein wenig im Schatten der Honigbienen. Bei der Artenvielfalt überflügeln sie ihre Kolleginnen aber deutlich.

Wien als Eldorado für Wild- & Honigbienen. Bild: GABOT.

Nach einer Studie von Stadt Wien-Umweltschutz leben in Wien rund 456 verschiedene Arten von Wildbienen – mehr wurden noch in keiner anderen Großstadt nachgewiesen, Wien ist damit Welthauptstadt der Wildbienen! Zudem sind rund 66% der in ganz Österreich vorkommenden Bienenarten auch in Wien heimisch. Dazu zählen Hummeln und Bienen mit so klingenden Namen wie Flaum-Sandbiene, Gehörnte Mauerbiene, Schmalbiene oder Große Wollbiene. Die Namen geben entweder Hinweise auf das Aussehen, die Lebensweise oder spezielle Vorlieben bei der Nahrung. „In Wien legen wir großen Wert auf den Schutz der Bienen, denn sie sind lebenswichtig für uns alle. Als Stadt Wien verfolgen wir dabei einen ganzheitlichen Ansatz – von der Schaffung geeigneter Lebensräume, über die Ansiedelung von Bienenvölkern auf stadteigenen Flächen bis hin zum Einkauf pestizidfrei produzierter Bio-Lebensmittel“, so Umweltstadträtin Ulli Sima.

Für die Honiggewinnung ist in Europa nur eine einzige Bienenart, die Westliche Honigbiene, im Einsatz. In Wien sind das rund 200 Mio. Bienen in etwa 5.000 Bienenstöcken, die von ImkerInnen, Vereinen oder städtischen Dienststellen betreut werden. Insgesamt sind alle Bienen nicht nur Frühlingsboten, die uns mit ihrem Summen erfreuen. Sie sind vor allem wertvoll für die Biodiversität, wichtige Bestäuber von Kulturpflanzen und als Nahrungsgrundlage weiterer Tiere ein wichtiger Baustein im Ökosystem - nicht zuletzt sichern sie auch unsere Nahrungsgrundlagen.

Aus dem Leben der Wildbienen

Im Gegensatz zu den in großen Verbänden in Bienenkästen lebenden Honigbienen, sind die meisten Wildbienen einzeln lebende sogenannte Solitärbienen oder teilen sich ein Nest. Andere finden sich in kleinen, oft nur einjährigen Staaten zusammen, etwa Hummeln. Bewohnt und zur Brut benutzt werden die unterschiedlichsten Lebensräume, von Wiesen über Totholz bis zum sandigen Boden. Manche Wildbienen nutzen hohle Stängel oder die Löcher in Bienenhotels zur Eiablage, so etwa die Rote Mauerbiene. Andere, wie die Blattschneiderbienen bauen ihre Nester aus kunstvoll eingerollten Blättern. Zottelbiene oder Sandhummel bevorzugen offene Flächen mit lockerer sandiger Erde. Gemeinsamkeiten aller Wildbienen sind, dass sie Hautflügler sind, ihre Wespentaille und ihre Friedfertigkeit – Wildbienen stechen nur in äußerster Bedrängnis! Wildbienen gibt es auch nicht nur im klassischen Gelb-Schwarz, sondern auch in anderen gedämpft schillernden Farbtönen. So sind die Rostrote oder die Stahlblaue Mauerbiene ebenso zu beobachten wie die schwarz-violette Große Holzbiene. Die Nahrung der Wildbienen besteht aus Pollen und Nektar, wobei manche auf einzelne, ganz bestimmte Pflanzen oder Pflanzengattungen spezialisiert sind. Die Glockenblumen-Scherenbiene besucht beispielsweise ausschließlich Glockenblumen, die Frühlings-Seidenbiene bestimmte Weidenarten. Als Spezialistinnen sind sie dabei auch für die Bestäubung genau dieser Arten verantwortlich.

7-Punkte-Plan für Insekten: Stadt Wien schafft Lebensräume für Bienen

Wildbienen brauchen ebenso wie Honigbienen einen blütenreichen Lebensraum. Die Stadt Wien denkt an ihre sechsbeinigen BewohnerInnen und setzt unter anderem im Rahmen des Arten- und Lebensraumschutzprogramms Netzwerk Natur zahlreiche Maßnahmen. Dazu zählen wilde Ecken in Parks wie dem Florianipark, die Schmetterlingswiese im Donaupark oder die von Netzwerk Natur und dem Bezirk Mariahilf angelegte Wiese am Europaplatz. Damit die Lebensbedingungen für Bienen auch künftig so gut bleiben, hilft ein 7-Punkte-Plan, von der Stadt Wien umgesetzt werden aber die auch im privaten Bereich ein- und umsetzbar sind.

Die 7 Punkte für Insekten sollen neben den Bienen auch Käfern, wie dem Marienkäfer, Schmetterlingen, Libellen und anderen Arten das Leben erleichtern: Naturnahe Grünräume, Schutzprogramme der Stadt, Schutzgebiete als Lebensraum, Gebäudebegrünungen, nachhaltige Ernährung, pestizidfreie Kommunen und Bewusstseinsbildung. Konkret heißt das beispielsweise: Blühende Wiesen statt getrimmten Rasenflächen, heimische Hecken und Obstgehölze im Garten, offene statt versiegelte Flächen, bienenfreundliche Blumen und Kräuter im Blumenkasten statt exotischer Pflanzen mit gefüllten Blüten, Verzicht auf Pestizide im eigenen Bereich und bei der Ernährung auf Bio-Obst und –Gemüse setzen. Zur bienenfreundlichen Stadtwildnis, können wir aber alle beitragen, sei es mit heimischen Pflanzen, dem Zulassen von etwas Stadtwildnis im eigenen Garten ohne Chemie oder mehr Bio im Einkaufskorb.

Was Bienen mögen

Bienen brauchen bestimmte Strukturen um sich wohl zu fühlen, wobei sie relativ anspruchslos sind. Die Nahrungsquelle sollte nicht zu weit weg vom Nistplatz liegen und möglichst an einem sonnigen Ort. Was Bienen nicht behagt sind kahle Betonwüsten und blütenfreie Rasenflächen.

Wer Bienen fördern möchte, kann auch im Balkonkisterl eine pflegeleichte Bienenweide einrichten, die auch gleich als Augenweide dient. In Gärten entsteht ein wunderbares Bienenbuffet in einer wilden Ecke, wo z.B. Huflattich, Klee, Flockenblume und Natternkopf geduldet werden. Inzwischen sind Saatgutmischungen mit Bienenblumen auch im Handel fast überall erhältlich. Obstgehölze in der Umgebung runden das Angebot ab. Damit rund ums Jahr genug Nektar und Pollen bereitsteht, ist es günstig neben Sommerblumen auch vom Frühblüher wie Weidenkätzchen und Herbstblüher, wie Efeu ins Sortiment aufzunehmen. Die Bienenecken machen auch wenig Arbeit, da sie nur ein- bis zweimal im Jahr geschnitten werden sollten. (Umweltschutz Wien)

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