DGHK: Aquaponik-Projekt ausgezeichnet

Das Projekt 'Urban Gardening and Farming' der Dortmunder Urbanisten hat den Günter Gregg-Preis 2019 geholt, den höchsten Preis, den die Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur zu vergeben hat.

Strahlende Gesichter bei der Verleihung des Günter Gregg-Preises der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur. Bild: FH-SWF/Garre.

Das Projekt "Urban Gardening and Farming" der Dortmunder Urbanisten hat den Günter Gregg-Preis 2019 geholt, den höchsten Preis, den die Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur (DGHK) zu vergeben hat. Es geht um „Gartenbau und Landwirtschaft in der Stadt“, erklärt Rolf Morgenstern, mit Jan Bunse und Nils Rehkop Repräsentant und Preisträger, „nicht auf Kornfeldern, sondern mit Obst und Gemüse, das Bürger frisch auf versiegelten Flächen ziehen.“

Die Auszeichnung ist benannt nach dem Begründer der Hydrokultur, Gärtnermeister Günter Gregg (*3.8.1924 in Dortmund, † 4.8.2013 in Nordkirchen). „Wir teilen seine Überzeugung, dass Hydrokultur für Pflanze und Mensch heute das Beste ist“, so DGHK-Präsident Carsten Stakalies, „und wollen nach seinem Vorbild querdenken, über den Tellerrand schauen.“

Neue Perspektiven in urbanen Lebensräumen Das sei den Urbanisten nachhaltig gelungen: „Sie haben durch Hydrokultur neue Perspektiven in urbanen Lebensräumen geschaffen. Stadtbewohner können wieder selbst Nahrungsmittel produzieren“, würdigte DGHK-Geschäftsführer Stefan Hecktor in seiner Laudatio. „Man braucht weder Acker noch Meer, es funktioniert mitten in der Stadt bei Nutzung versiegelter Flächen!“, erläuterte Preisträger Dipl.-Ing. Nils Rehkop.

„Günter Gregg war bei der Entwicklung des Hydrokultur-Systems von Visionen geleitet, die mit den Urbanisten wahr werden“, betonte Marlis Gregg, Tochter des Hydro-Pioniers. „Eine lautete: Mit Hydrokultur werden versiegelte Flächen wieder grün. Auf Hausdächern, City-Plätzen, oberhalb von Tiefgaragen … überall bietet die Stadt Pflanzbecken für Hydrokultur. Davon hat er unermüdlich gesprochen, ebenso tun es die Urbanisten: Mit Workshops und Führungen, als Referenten und Aussteller betreiben sie ein stetig wachsendes Netzwerk hochinteressanter Partner – vom Nachbarn bis hin zur internationalen Hochschule.“

Stadtnahe Landwirtschaft: Frische und Güte mit Hydrokultur

Einer davon ist Dipl.-Ing. chem. Rolf Morgenstern, Kopf des Aquaponik-Projekts am Fachbereich Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest. Hier werden unter der Leitung von Dekan Prof. Dr. Wolf Lorleberg in der Arbeitsgruppe "Stadtnahe Landwirtschaft und Aquaponik" Hydrokultur-Systeme in Versuchsanlagen getestet. „Der Sinn urbaner Landwirtschaft liegt aber nicht in ihren Produktionsmengen, sondern in der Frische und Güte ihrer Produkte und der Gemeinschaft ihrer Betreiber“, so Morgenstern.

Fachhochschule und Urbanisten sind offizielle Partner im EU-geförderten internationalen Forschungsprojekt „proGIreg: „Produktive grüne Infrastruktur für die Regeneration alter Industriestädte“. Darin ist Dortmund neben Turin und Zagreb eine von drei „Frontrunner“-Städten, weitere sieben Kommunen sollen die Projekte nachahmen; beteiligt sind sechs Universitäten, acht Unternehmen sowie sieben Nichtregierungsorganisationen (NGO). Der Aachener RWTH-Lehrstuhl koordiniert das Vorhaben.

Ab 2020 kann man sich ein Stück Gewächshaus mieten

Dafür wird ab 2020 in Dortmund ein „bürgergetragenes Reallabor“ entstehen mit zwei Gewächshäusern im wissenschaftlichen Vergleich – eins mit Gemüse-Produktion für die örtliche Gastronomie, das andere mit Mietflächen für Bürger, vergleichbar dem Konzept der Ackerhelden, aber hier unter Glas.

Ab 2027 könnte das Projekt zudem Teil der IGA-Fläche und damit zehntausenden von Besuchern zugänglich werden. „Welche Dimension, welche Verbreitung von Wissen, Können und Ideen!“, schwärmte die Laudatio.

Die Keimzelle des Aquaponik-Projekts: 20 Quadratmeter unter Glas mitten in Dortmund

Vor der Preisverleihung hatten rund 25 DGHK-Mitglieder das Preisträger-Projekt in seiner Keimzelle besichtigt, einem Mini-Gewächshaus von 20 qm mitten in Dortmund: Obst und Gemüse – u.a. Tomaten, Gurken, Rhabarber, Erdbeeren – werden in Hydrokultur gezogen und mit Nährlösung versorgt. Diese stammt aus einem Aquarium mit Fischen, deren Ausscheidungen die Nährstoffe für die Pflanzen liefern. Fisch, Obst und Gemüse wachsen weitgehend ohne Belastung der Umwelt, Dünger- und Nitrat-Einsatz werden gesenkt. Die Fischproduktion erfolgt ohne Antibiotika, das Wasser verbleibt effizient in seinem Kreislauf.(DGHK)

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