LWG: Stadtbäume als Lebensraum

Im Langzeitprojekt “Stadtgrün 2021“ ist die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) auf der Suche nach den Stadtbäumen von morgen und hat jetzt auch den Lebensraum Baumkrone im Visier.

Hoch hinaus heißt es seit einigen Wochen wieder bei einer ganz besonderen Spurensuche in der Baumkrone. Bild: GABOT.

Bis auf eine Pilotstudie aus dem Jahr 2017 gibt es keinerlei Erkenntnisse dazu, inwieweit nicht-heimische Baumarten auch einen geeigneten Lebensraum für unsere urbane Insektenfauna bieten.

Deshalb soll die Studie mit weiteren zukunftsfähigen Stadtbaumarten fortgesetzt werden. In einer 2-jährigen Projektphase in Kooperation mit der Universität Würzburg werden diese auf ihr Biodiversitäts-Potenzial untersucht. Vom Versuchsablauf und ersten Ergebnissen machten sich der 2. Hauptamtliche Bürgermeister und „Klimabürgermeister“ der Stadt Würzburg, Martin Heilig, und der Leiter des Gartenamts der Stadt Würzburg, Dr. Helge Bert Grob, an der Max-Mengeringhausen-Straße im Stadtteil Heuchelhof ein Bild.

Jeder Baum ist lebensnotwendig

Bisher prägen vor allem heimische Baumarten wie Ahorn, Linde, Platane, Esche, Eiche und Kastanie das grüne Stadtbild. Diese sind jedoch aufgrund des Klimawandels vermehrt Trockenphasen und Hitzeperioden ausgesetzt. Dadurch fehle es den heimischen Bäumen an Erholung, machte Dr. Susanne Böll, Projektleiterin „Stadtgrün 2021“ an der LWG in Veitshöchheim deutlich. Sie kommen deshalb an die Grenzen ihrer lokalen Anpassungsfähigkeit und werden anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. „Wir kämpfen um jeden Baum“, so Dr. Grob. Denn die steigende Anfälligkeit der Bäume bedroht nicht nur wichtige Ökosystemleistungen wie CO2-Fixierung, Kühlung oder Beschattung, sondern auch die urbane Tierwelt.

Der Stadtbaum als Lebensraum

Stadtbäume können nur dann ein Lebensraum sein, wenn sie vollbelaubt und vital sind“, betonte Biologin Susanne Böll. Seit 2010 testet die LWG deshalb in einem Langzeitversuch mittlerweile 30 vielversprechende stresstolerante Baumarten an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten in Bayern. Die rund 650 gepflanzten Bäume kommen überwiegend aus dem (süd-)osteuropäischen, aber auch nordamerikanischen und asiatischen Raum – und sind damit den Trockenstressbedingungen bereits angepasst. Zu den vielversprechenden Baumarten, die künftig das Stadtbild prägen werden, zählen beispielsweise die Silber-Linde, der amerikanische Amberbaum oder die asiatische Purpur-Erle.

Steigerung der Insektenvielfalt: Die Mischung machts!

Ob in den Kronen heimischer Straßenbaumarten eine höhere Anzahl Insekten als auf verwandten Stadtklimabäumen zu finden sind, wird mittels verschiedener Methoden untersucht. Dabei geben Fensterfallen zum Einfangen fliegender Insekten und Klopfproben für u.a. Spinnen und Larven Aufschluss über die Insektenvielfalt. Beeindruckt war Klimabürgermeister Martin Heilig insbesondere von deren Vielzahl. Denn mit Mauerbienen, Sandbienen und anderen Wildbienenarten über blattfressende Wespen, Ameisen oder Spinnen lässt sich eine überraschend große Artenvielfalt in der Baumkrone finden. Doch eine vielfältige urbane Insektenfauna braucht vor allem eines: „Wir brauchen ein möglichst breites Spektrum von Baumarten. Denn je gemischter, desto besser für die Artenvielfalt“, so die LWG-Projektleiterin.

Stadtbaum ist nur ein grüner Baustein

Neben verschiedenen Baumarten spielt auch der Grünstreifen unter den Bäumen als Nistplatz und Nahrungsquelle für Insekten eine herausragende Rolle. Die Zukunft – also das grüne Stadtbild von morgen – sind Mischalleen mit einer Kombination von nicht-heimischen und heimischen Baumarten, die mit einem passenden Grünstreifen angelegt werden. Dies fördert nicht nur die Insektenvielfalt, sondern mindert auch die Gefahr, dass bei künftigen Problemen mit einzelnen Baumarten das Grün in der Stadt flächendeckend verschwindet. Wie die urbane Insektenvielfalt darüber hinaus gefördert werden kann, werden die gesammelten Daten am Ende der Projektlaufzeit zeigen. Der Klimabürgermeister zeigte sich äußerst angetan vom Forschungsprojekt und resümierte: „Die Studie zeigt, dass wir in den nächsten Jahren noch viel vor uns haben und wir dazu von dieser wichtigen Grundlagenarbeit lernen können!“

Seit knapp 12 Jahren sind die grünen Experten der Bayerischen Landesanstalt auf der Suche nach den Stadtbaumarten von morgen. Alle Informationen zur laufenden Forschungsarbeit sowie erste Ergebnisse finden Sie auf der LWG-Homepage (Urbanes Grün). (LWG)

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