Im Interview: Josef Mennigmann

Josef Mennigmann ist der neue Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW e. V. (VGL NRW). Bei der Mitgliederversammlung am 30. März 2022 wurde der 59-jährige Unternehmer aus Hamm einstimmig mit einer Enthaltung zum Nachfolger von H. Christian Leonhards gewählt. Zuvor war er bereits viele Jahre als Vizepräsident und Schatzmeister für den Verband tätig.

Josef Mennigmann, Unternehmer aus Hamm, ist neuer Präsident des VGL NRW. Bild: Mennigmann.

Im Interview erzählt er von seinem Weg in den VGL NRW, welche Themen er in seinem neuen Amt in den Fokus nehmen will, was in den nächsten Jahren auf die Branche zukommt und welche Bedeutung die ehrenamtliche Arbeit für ihn hat.

Herr Mennigmann, vielleicht stellen Sie sich einmal kurz vor – was war Ihr Weg in den Garten- und Landschaftsbau?

Ich habe damals nach der Schule eine Ausbildung zum Gärtner im Fachbereich Baumschule absolviert. Im Anschluss daran bin ich ein Jahr in die Niederlande gegangen, um dort zu arbeiten – das war eine großartige Erfahrung und hat mir sehr bei der Persönlichkeitsentwicklung geholfen. Ab 1984 habe ich dann die Meisterschule in Münster-Wolbeck besucht und nach meinem Abschluss gemeinsam mit meinen Eltern die Mennigmann Garten- und Landschaftsbau GmbH gegründet. Zuvor hatte mein Vater bereits einen Betrieb mit den Zweigen Baumschule und GaLaBau, mit unserer GmbH wollten wir jedoch den Fokus gänzlich auf den Garten- und Landschaftsbau richten. Dieses zunächst kleine Unternehmen hat sich mittlerweile zu einer Firma mit rund 120 Mitarbeitenden entwickelt, die hauptsächlich im Ruhrgebiet agiert. Mein Sohn Sebastian ist dann vor einigen Jahren mit eingestiegen und seit 2017 gleichberechtigter Geschäftsführer – sprich, auch das Thema Betriebsübergabe haben wir somit intern bereits gut abgewickelt. Das gibt mir persönlich auch den Raum, mich dem neuen Präsidentenamt zu widmen.

Wie kamen Sie zum Ehrenamt in unserem Verband und was bedeutet Ihnen die Zusammenarbeit mit den anderen im Ehrenamt Tätigen?

Im VGL NRW bin ich bereits seit 2007 ehrenamtlich aktiv. Zuvor bin ich zunächst mit einigen Berufskollegen über die Erfahrungsaustausch-Gruppe des Verbandes in Kontakt gekommen. Wir waren noch recht jung, ca. Mitte 30, und hatten alle gerade ein Unternehmen übernommen. Aus dieser Erfa-Gruppe sind echte Freundschaften entstanden: Wir schätzen uns gegenseitig sehr, können zu jeder Zeit ganz offen miteinander sprechen und unterstützen uns bei Problemen. Solch ein freundschaftliches Netzwerk ist ein hohes Gut und bedeutet mir persönlich auch sehr viel. Über diese Gruppe bin ich schließlich auch ins Präsidium des Verbandes gekommen, seinerzeit noch unter unserem damaligen Präsidenten Manfred Lorenz. Unter ihm war ich Schatzmeister. 2010 wechselte die Präsidentschaft zu H. Christian Leonhards und ich führte mein Amt unter ihm bis 2022 fort. Neben meiner Tätigkeit für den VGL NRW habe ich auch im Bundesverband (BGL) lange Jahre seit Gründung im Ausschuss Stadtentwicklung mitgearbeitet, in diesem Jahr habe ich mein Amt dort niedergelegt. Dieser Bereich hat mich immer sehr begeistert. Die Entwicklung einer Kommunikationskampagne für grüne Stadtentwicklung mitzubegleiten, war für mich ein hochspannendes Thema und eine lehrreiche Zeit. Über die Verbandsämter hinaus bin ich zudem Mitglied in der SVLFG Vertreterversammlung, bin Vertreter des BGL im Gesamtverband Landwirtschaft Forstwirtschaft (GLFA) sowie bereits seit fast 20 Jahren Richter in Landwirtschaftssachen am Landwirtschaftsgericht.

Sie haben am 30. März offiziell die Nachfolge von H. Christian Leonhards angetreten. Was war Ihr persönliches Bestreben, dieses Amt zu übernehmen?

Die Präsidentschaft ist eine große Herausforderung, mit der auch eine hohe Verantwortung einhergeht. Was mich dazu motiviert, ist in erster Linie, dass mit Verbandsarbeit so einiges bewegt werden kann. Natürlich sind die Prozesse in einem Verband wesentlich langsamer als in einem flexibel agierenden Unternehmen, weil hier viele verschiedene Institutionen mit einbezogen werden müssen. Doch am Ende des Tages erzielen wir mit der verbandlichen Arbeit große Erfolge für unsere Branche – das ist es, was mich antreibt. Davon abgesehen macht mir diese Tätigkeit auch sehr viel Spaß, das muss natürlich dazugehören. Die Zusammenarbeit mit den Unternehmerinnen und Unternehmern im Ehrenamt sowie mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Geschäftsstelle ist sehr angenehm und immer wieder bereichernd. Es tut mir auch persönlich gut, mich mit diesem Amt zu engagieren. So fordert man sich jeden Tag aufs Neue heraus und bleibt am Ball.

Was nehmen Sie sich für Ihre Präsidentschaft vor, welche Themen werden Sie in den Fokus setzen?

Man muss zunächst einmal sagen, dass H. Christian Leonhards in seinen zwölf Jahren als Präsident eine Menge bewegt und vorangetrieben hat. Seine exzellente politische Arbeit hat dem Verband viele Türen geöffnet und er hatte dabei stets die Bedürfnisse der Betriebe im Blick. Ich bin daher dankbar, dass er mir und dem Präsidium durch die mehr als verdienten Ehrenpräsidentschaft, die ihm verliehen wurde, auch in Zukunft mit seinem Know-how für einen Austausch erhalten bleibt.

Mit dem Präsidentenwechsel wird nun natürlich das Rad nicht neu erfunden, wir sind mit unseren Positionen bereits sehr gut in Politik und Öffentlichkeit unterwegs. Für diese Themen möchte ich mich auch weiterhin einsetzen. Ich verstehe unseren Verband in erster Linie als Dienstleister der Unternehmen und der Branche, um gerade auch bei aktuellen Nöten bestmöglich zu unterstützen. Da sehe ich ganz klar den akuten Fachkräftemangel, den unsere Branche seit Jahren beklagt. Wir haben bereits einiges in Bewegung gesetzt, müssen jedoch auch weiterhin hartnäckig an Lösungen arbeiten – nicht zuletzt, um dem Abwerben untereinander entgegenzuwirken, das leider auch innerhalb der Mitgliedschaft unseres Verbandes geschieht. Der Verband kann jedoch kein Personalmarketing für die Betriebe selbst betreiben. Vielmehr sind wir sowohl dafür da, das Image des Garten- und Landschaftsbaus positiv in der Öffentlichkeit darzustellen und Lust auf unseren Beruf zu machen, als auch den Mitgliedern die nötige Unterstützung in Form von Werkzeug und Wissen mit an die Hand zu geben, damit sie erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt unterwegs sein können.

Und der Personalmangel beschränkt sich ja nicht nur auf die Betriebe…

Ganz genau, das zweite Sorgenkind sind die Berufs- und Fachschulen. Leider ist es in NRW so, dass es hier keine einzige Hochschule gibt, an der Lehramt für den Garten- und Landschaftsbau studiert werden kann. Dafür müssen Interessierte in andere Bundesländer ausweichen. Auch diese Personalproblematik haben wir als Verband auf dem Schirm und stehen im engen Austausch mit der Fachschule Essen, um Lösungsansätze zu entwickeln.

Um gleich im Bereich der Lehre zu bleiben: Das Thema Hochschulen ist mir auch ein wichtiges Anliegen. Höxter und Osnabrück sind großartige Studienstandorte, das steht völlig außer Frage. In einem so großen, bevölkerungsreichen Land wie NRW muss es aber doch möglich sein, dass Studienwillige an einem zentralen Ort lernen können, ohne hunderte von Kilometern entfernt von ihrem Zuhause fahren zu müssen. Mein dringender Appell an die Landespolitik ist, die universitäre Infrastruktur in NRW dahingehend zu verbessern, damit wir die dringend benötigten jungen Menschen nicht verlieren, die Interesse an einem Studium in unserem Berufsfeld haben. Und nicht nur wir Unternehmen, auch die öffentliche Hand benötigt dringend Fach- und Führungskräfte aus der grünen Branche zur Bewältigung des Klimawandels. Der Bedarf ist also da.

Und wie steht es um den Nachwuchs?

Im Bereich Ausbildung sind wir aus meiner Sicht sehr gut unterwegs. Der Verband betreibt bereits seit Jahrzehnten kontinuierlich Nachwuchswerbung und das zahlt sich aus. Das sehen wir auch bei den erfreulich steigenden Ausbildungszahlen in NRW. Wo wir als Betriebe jedoch stets den Blick drauf richten sollten: Bin ich als Unternehmen attraktiv für die jungen Leute? Die heutigen Jugendlichen sind unserer Branche gegenüber aufgeschlossen, da ihnen das Thema Klimawandel sehr am Herzen liegt. Wir Betriebe müssen die jungen Menschen jedoch dort abholen, wo diese sich bewegen – das startet in den sozialen Medien, geht über einen modernen Webauftritt bis hin zu einem unkomplizierten Bewerbungsprozess.

Mit Blick auf die aktuellen Geschehnisse in Europa: Seit dem 24. Februar herrscht Krieg. Wie schätzen Sie die Zukunft unserer Branche unter diesen Umständen ein, was kommt da noch auf uns zu?

Vor dem Krieg hätte ich ganz klar gesagt: Nachhaltigkeit. Das ist in unserer Gesellschaft ein riesiges Thema. Das fängt in den eigenen vier Wänden bei Plastikreduktion und fairer Mode an und geht bis zu den großen Konzernen, die ihren CO2-Footprint reduzieren. Die Menschen legen einen gesteigerten Wert darauf, ob etwas nachhaltig produziert wurde – das merkt man gerade bei der jüngeren Generation, hier hat das Thema hohe Priorität. Seit dem 24. Februar ist jedoch alles anders und wir betrachten Nachhaltigkeit aus einem ganz anderen Blickwinkel: Wie können wir es schaffen, die deutsche Wirtschaft mit eingeschränktem globalen Handel aufrechtzuerhalten? Nicht angewiesen zu sein auf kleinste Ersatzteile aus einem sanktionierten Land? Ich glaube, da geht es wieder back to the roots, dass ein Teil der Produktion wieder zu uns nach Deutschland zurückkommt – gesamtwirtschaftlich gesehen.

Für unsere Branche – und als Aufgabe für unseren Verband – erachte ich gerade in diesen Zeiten die Sicherung des Marktes als besonders wichtig. In den letzten Jahren hatte unsere Branche eine hervorragende Auftragslage, selbst die Corona-Pandemie hat dem keinen Abbruch getan. Doch nun, im Hinblick auf die aktuellen Geschehnisse in Europa, sollten wir darauf vorbereitet sein, dass sich diese komfortable Situation auch jederzeit verändern kann. In der Politik und bei Auftraggebern setzen wir uns als Verband deshalb dafür ein, dass der Garten- und Landschaftsbau als elementarer Baustein für die Abbremsung des Klimawandels gesehen wird. Für uns als GaLaBau-Betriebe bringt die aktuelle Situation aus unternehmerischer Sicht aber noch ein anderes Thema mit sich: Geflüchteten aus der Ukraine eine langfristige berufliche Perspektive bei uns zu bieten. In der Vergangenheit war unser Verband bereits in diesem Bereich aktiv, beispielsweise beim Projekt „Welcome2Win – Work in Nature“. Mit unserem Willkommenslotsen Martin Müller haben wir eine kompetente Kraft in unserem Verband, die dieses Feld bedienen und Geflüchtete bei der Integration in den Arbeitsmarkt betreuen kann.

Zum Abschluss noch ein Bezug zu den Neuwahlen ins Präsidium: Mit Nadja Kreuz hat der VGL NRW nun nach langer Zeit wieder eine Frau dabei. Hoffen Sie, dass dadurch auch weitere Frauen ermuntert werden, ein Ehrenamt zu übernehmen?

Auf jeden Fall. In der Vergangenheit hatten wir bisher nur eine Frau in unserem Präsidium, das war Margareta Kulmann-Rohkemper. Allerdings stand uns auch die Satzung im Weg, denn diese besagte, dass nur geschäftsführende Personen ins Präsidium aufgenommen werden können. Da in den meisten unserer Mitgliedsbetriebe die Frau nicht Geschäftsführerin, sondern in der Geschäftsführung mitarbeitend bzw. für den kaufmännischen Bereich zuständig ist, hatten wir große Probleme, jemanden zu finden. Um dies zu modernisieren, haben wir in 2018 auf unserer Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung beschlossen, um den Zugang zum Präsidium breiter zu öffnen und auch Personen zuzulassen, die nicht in erster Instanz die Geschäftsführung eines Betriebes innehaben. Mit Nadja Kreuz haben wir eine tolle Persönlichkeit gefunden, die sich in unserem Präsidium engagieren möchte und freuen uns auf die konstruktive Zusammenarbeit. Zudem haben wir die Hoffnung, dass ihr Engagement auch für weitere Frauen ein Motivationsschub ist, es ihr nachzutun und sich für das Ehrenamt zu begeistern. Wir würden uns sehr darüber freuen!

Vielen Dank!

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