Forschung: Internationales Team untersucht umweltverträgliche Palmöl-Produktion

Weniger Dünger, kein Herbizid, aber gleichbleibender Gewinn - so kann eine umweltfreundlichere Palmölproduktion aussehen.

Aus den Früchten gewonnenes Palmöl macht einen beträchtlichen Teil des Bruttoinlandsprodukts vieler tropischer Länder aus. Bild: Patrick Diaz.

Weniger Dünger, kein Herbizid, aber gleichbleibender Gewinn – so kann eine umweltfreundlichere Palmölproduktion aussehen. Diese ermutigende Aussage ist das vorläufige Ergebnis eines groß angelegten Ölpalm-Experiments eines internationalen Forscherteams unter der Leitung der Universität Göttingen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Frontiers in Forests and Global Change erschienen.

Die Palmölindustrie macht oft Schlagzeilen mit der Zerstörung tropischer Wälder und der Notlage von Orang-Utans. Gleichzeitig macht Palmöl nach wie vor einen beträchtlichen Teil des Bruttoinlandsprodukts vieler tropischer Länder aus. Viele Menschen, einschließlich Kleinbauern, hängen davon existenziell ab. Darüber hinaus wäre eine Vielzahl von Produkten, die wir täglich verwenden, ohne bezahlbares Palmöl teurer. Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat 2004 zusammen mit Industriepartnern den Roundtable for Sustainable Palm Oil ins Leben gerufen. Konkrete Empfehlungen für den Einsatz von Herbiziden oder Düngemittel fehlen jedoch noch. Fehlende Forschung ließ Ölpalmenzüchter zögern, alternative Vorgehensweisen einzuführen – aus Sorge, dass diese ihre Erträge Jahre später reduzieren könnten.

Im Jahr 2016 startete der deutsch-indonesische Sonderforschungsbereich „Ecological and Socioeconomic Functions of Tropical Lowland Rainforest Transformation Systems (EFForTS)“ in Zusammenarbeit mit der indonesischen Landesgesellschaft PTPN6 ein Experiment in einem Ölpalmen-Firmensitz in Jambi. Die Düngemittelstände wurden jeweils auf eine von zwei Stufen eingestellt. In einem Bereich wurden durch den Dünger nur so viele Nährstoffe ausgeglichen, wie die Ernte dem Boden entzog. In einem anderen Bereich wurde nach Industrienorm gedüngt, was etwa der doppelten Menge entspricht. Unkraut wurde entweder mechanisch bekämpft oder mit gängigen chemischen Herbiziden wie Glyphosat. Die Forscherinnen und Forscher analysierten die Ölpalmen, den Boden und die Artenvielfalt anhand verschiedener Faktoren wie mikrobieller Biomasse, Vogelaktivität, Bodengrundsättigung, Stickstoffgehalt und Beschaffenheit des Ölpalmendaches.

Zwei Jahre, nachdem wir die alternativen Verfahren eingeführt hatten, konnten wir keine Ertragseinbußen feststellen“, sagt Hauptautor Dr. Kevin Darras von der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. „Die Gewinne waren aufgrund der reduzierten Düngemittelkosten sogar höher.“ Die Auswirkungen auf bodenbezogene Funktionen und Nährstoffe waren entweder vernachlässigbar gering oder es gab einen positiven Effekt. Die mechanische Unkrautbeseitigung führte wegen der höheren Pflanzendeckung sogar zu einer erhöhten Tierartenvielfalt.

EFForTS plant, die Überwachung der Versuchsflächen für weitere vier Jahre fortzusetzen. „Diese Ergebnisse sind ermutigend, aber es ist wichtig, das Experiment fortzusetzen“, erläutert Darras. „Bei Ölpalmen kann es Jahre dauern, bis sie eine Reaktion auf Veränderungen zeigen, daher müssen wir prüfen, ob sich dieser positive Trend fortsetzt.“ Künftige Forschung wird die langfristigen Ergebnisse des Experiments zusammenfassen, Treibhausgasemissionen berücksichtigen und ökonomisch-ökologische Modelle anwenden, um klare Empfehlungen für die Interessengruppen zu liefern. (pug)

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