Extremwetter: Wie das Klima die Gartenbaubranche verändert

Der Klimawandel hat längst begonnen und wir stecken bereits mittendrin. Ablesbar ist das unter anderem auch an den wechselnden Wetterextremen. Die Folgen schlagen sich ökonomisch und ökologisch nieder.

Steigende Temperaturen haben weitreichende Konsequenzen auf den Energieverbrauch in der Gartenbaubranche. Bild: GABOT.

Experten sagen, dass die Erderwärmung nicht umkehrbar ist, und zwar trotz der globalen Anstrengungen für den Klimaschutz. Auch in Deutschland ist die Erderwärmung spürbar.

Hitze, Sturm und Hagelschlag: der Gartenbau leidet darunter Extreme Hitzeperioden im Sommer sorgen für extreme Stresssituationen für Pflanzen. Orkanartige Stürme zerstören die angebauten Pflanzen auf den Freiflächen, Starkregen zieht Überschwemmungen nach sich, und unerwartet heftiger Hagel hat verheerende Auswirkungen für so manchen Gartenbaubetriebe. Wetterbedingte Schadenereignisse haben sich bei den Versicherern in den letzten zehn Jahren deutlich verstärkt. In Bezug auf die letzten 40 Jahre hat sich die Anzahl sogar verdreifacht. Die ökonomischen Auswirkungen sind beträchtlich.

Verwundbarer als andere Branchen: Gartenbau ist stark vom Klimawandel betroffen

Der Klimawandel hat deswegen so weit reichende Konsequenzen für den Gartenbausektor, weil veränderte Wachstumsfaktoren den Ertrag beeinflussen. Auch die Qualität der produzierten Pflanzen verändert sich. Die Einflussfaktoren Temperatur, CO2-Konzentration, Sonneneinstrahlung und Bewässerung müssen in Hinblick darauf neu bewertet werden.

Temperatur: Tendenz steigend

Jede Kultur hat eine gewisse Bandbreite auf der Temperaturskala, in der sie wachsen kann. Es gibt eine Minimal-, eine Maximal- und eine Optimaltemperatur. Eine Veränderung um ein bis zwei Grad kann positive oder negative Konsequenzen nach sich ziehen. Kulturpflanzen im Gartenbau stammen in der Regel aus ganz unterschiedlichen Teilen der Welt. Deshalb sind die Temperaturreaktionen der einzelnen Arten sehr differierend. Manche Kulturen können sich an die veränderten Temperaturen gut anpassen, andere hingegen sind weniger tolerant. Wird eine gewisse Temperatur überschritten oder unterschritten, kann sich die Pflanze nicht mehr optimal entwickeln und ist für den Absatz ungeeignet. Diese Darstellung ist selbstverständlich stark vereinfacht, trifft aber im Kern den wesentlichen Punkt: Die steigenden Temperaturen beeinflussen das Wachstum und die Endqualität der Pflanzen. Unter Glas werden in Deutschland vorzugsweise Zierpflanzen und Fruchtgemüse angebaut. Die Temperaturregelung erfolgt gemäß der vorhandenen technischen Möglichkeiten unabhängig von der Temperatur draußen. Wenn draußen die Temperatur steigt, würde sich das bei gleichbleibenden Heizungs- und Lüftungsollwerten nicht auf das Pflanzenwachstum auswirken. Stattdessen wird Heizenergie gespart und die CO2-Produktion gesenkt. Das ist eine positive Konsequenz, zumindest auf den ersten Blick.

Hohe Temperaturen begünstigen Pilzbefall

Allerdings führen höhere Temperaturen auch dazu, dass mehr Feuchtigkeit in der Luft gespeichert wird. Würden Betriebe nicht dafür sorgen, dass die Luftfeuchte reduziert wird, können sich Pilzkrankheiten wie Botrytis ausbreiten, die die Pflanzen stark schädigen oder vernichten können. Um die zu hohe Luftfeuchtigkeit zu reduzieren, muss Energie aufgewendet werden, sodass der Effekt der Energie-Einsparung bei den Heizkosten wieder gemindert wird.

Stromverbrauch kritisch prüfen

Mit Blick auf den veränderten Energiebedarf ist es ratsam, sich grundsätzlich mit dem Thema Strom intensiv auseinanderzusetzen. Deutschland als Strommarkt ist vielfältig und bietet Verbrauchern eine ganze Reihe von Optionen. Strom gewonnen aus Erdgas oder Erdwärme, aus Wind- oder Wasserkraft gehören genauso zur Angebotspalette, wie Atomstrom und Ökostrom. In wirtschaftlicher Hinsicht kann es für Gartenbaubetriebe sinnvoll sein, Strom selbst zu produzieren, um sich unabhängig von Preisschwankungen auf dem Strommarkt zu machen.

Klimawandel verändert Kultivierungsplanung

Wird es draußen heiß und brennen die Sonnenstrahlen intensiv, steigen die Temperaturen besonders in alten Gewächshäusern sehr schnell enorm an. Die Folgen daraus werden Einbußen bei den Erträgen aus dem Anbau von Fruchtgemüse sein. Wie groß die Einbuße sein wird, ist aufgrund der heterogenen Anbaustruktur nicht zuverlässig zu beziffern. Bekannte Daten aus Südeuropa lassen sich nicht auf Deutschland übertragen, denn der Sommeranbau dort wird vor allem durch die viel höhere Sonneneinstrahlung beeinflusst. Die Problematik in Südeuropa ist auf Deutschland nicht übertragbar. Bei uns wird der Zeitraum der Produktion durch den Wintereinbruch begrenzt. Das geschieht nicht etwa durch die fallenden Temperaturen, sondern aufgrund der geringer werdenden Strahlung. Was allerdings denkbar ist, ist den Anbauzeitraum zu verlängern, indem früher mit dem Anbau begonnen wird.

Neue Kulturen produzieren

Ein wichtiges Anbausegment in Zierpflanzenbau sind Beet- und Balkonpflanzen. Sie sind für rund 40% des Jahresumsatzes verantwortlich. Während es bis vor etwa zehn Jahren noch üblich war, Beet- und Balkonpflanzen ab Mitte Mai zum Verkauf anzubieten, hat sich dieser Zeitraum schon um die Monate März und April erweitert. Die hohen Temperaturen in den Frühlingsmonaten sind günstig und können durch die Gabe der passenden UV-Belichtung dazu führen, dass akzeptable Qualitäten bereits im März lieferbar sind. Der damit einhergehende gesteigerte Energieaufwand erfordert einmal mehr die Auseinandersetzung mit dem Thema Strom und Stromkosten.

Höhere Temperaturen ziehen höheren Wasserbedarf nach sich

Die hohen Temperaturen führen dazu, dass die Pflanzen einen erhöhten Wasserbedarf bedingen. Immer mehr Gartenbaubetriebe gehen dazu über, eigene Regenrückhaltebecken anzulegen, in denen sie Niederschläge auffangen. Je nach Region lässt sich damit ein erheblicher Teil der Wasserkosten abfedern. Wer in einem Gebiet lebt, in dem der Grundwasserspiegel angezapft werden kann, wird den veränderten Temperaturen gelassen entgegensehen, weil ein Brunnen Abhilfe schafft. Allerdings führte der Hitzesommer 2018 und die hohen Temperaturen 2019 bereits zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels in zahlreichen Städten und Gemeinden. Besonders wichtig im Zusammenhang mit dem erhöhten Wasserbedarf ist es, dass Gartenbaubetriebe sich mit Exaktgieswagen ausstatten, um den Sitzungsressourcenverbrauch zu senken.

Fazit: Steigende Temperaturen sollten sorgsamen Umgang mit Ressourcen nach sich ziehen

Ressourcenschonend und gleichzeitig profitabel zu arbeiten ist im Gartenbau möglich. Betriebe können selbst einen Teil des Stroms produzieren, günstige Ökostromtarife nutzen, wassersparende Gießwagen einsetzen und Regenrückhaltebecken bauen, um unabhängiger von kostenintensiven Lieferanten zu sein. Auch bietet der Klimawandel Chancen, indem die Produktion an die neuen Bedingungen angepasst wird. Höhere Temperaturen und stärkere Strahlung verdrängt vielleicht die eine oder andere Kultur aus der Angebotspalette, fördern aber auch die Produktion neuer Kulturen und damit die Vielfalt auf dem Absatzmarkt.

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