Bundeskartellamt: Ad hoc Untersuchung des Mineralölsektors

Bundeskartellamt startet ad hoc Untersuchung des Mineralölsektors.

Graphik "Preisunterschiede im Tagesverlauf". Bild: Bundeskartellamt / Markttransparenzstelle für Kraftstoffe.

Bei hohen Preisen und einem sich schnell verändernden Markt wird die unmittelbare Information der Verbraucherinnen und Verbraucher durch Preis-Apps noch wertvoller. Einige Faustregeln zum Sparen gelten weiterhin. Das Bundeskartellamt hat heute den Jahresbericht 2021 zur Tätigkeit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe veröffentlicht.

Aktuelle Preisentwicklung

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen führen zu zahlreichen Verwerfungen im Kraftstoffmarkt. Wir verfolgen diese Entwicklungen mit hoher Aufmerksamkeit. Rohölpreise, die Abgabepreise der Raffinerien und die Preise an der Tankstelle sind in den vergangenen Wochen deutlich auseinandergelaufen. Wir werden nun eine ad hoc Sektoruntersuchung mit klarem Fokus auf die Raffinerie- und Großhandelsebene einleiten. Ziel ist es insbesondere, die Gründe für die jüngsten Markt- und Preisentwicklungen auszuleuchten. Zugleich schaffen wir damit auch wichtige Grundlagen für die beabsichtigte Erweiterung der Aufgaben der Markttransparenzstelle.“

Die Bundesregierung hat kürzlich vorgeschlagen, die Befugnisse und den Beobachtungsauftrag der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zu erweitern, um die Wettbewerbsverhältnisse über alle Wertschöpfungsstufen, insbes. im Raffineriebereich, besser einschätzen zu können. Zudem soll die Markttransparenzstelle zukünftig zusätzlich zu den Preisen an den Tankstellen auch die dazu abgegebenen Mengen erheben. Dies würde es ermöglichen, die Wettbewerbsverhältnisse auf der Ebene der Tankstellen besser beurteilen zu können.

Jahresbericht der Markttransparenzstelle

Andreas Mundt: „Gerade bei den derzeit sehr hohen Preisen lässt sich mit ein paar Faustregeln viel Geld sparen. Autobahn-Tankstellen sollten gemieden werden: An Straßentankstellen sind die Preise hoch, an der Autobahn jedoch meist noch etwa 25 Cent höher.

Es lohnt sich, nach den preiswerteren Tankstellen zu suchen und diese zu bestimmten Zeiten anzusteuern. Im Laufe eines Tages gibt es in einer Stadt oder Region Preisunterschiede von um die 20 Cent pro Liter. Dies entspricht bei einer Tankfüllung von 50 Litern noch 10 Euro an Sparpotential. Im Allgemeinen gilt zudem: Am teuersten ist es morgens zwischen 5 und 8 Uhr, am niedrigsten sind die Preise meist am Abend zwischen 18 und 22 Uhr.“ Dieses Muster war im März jedoch teilweise von hohen, kontinuierlichen Preisanstiegen überlagert, sodass in manchen Fällen auch das abendliche Tanken keine Erleichterung brachte. Gerade in solchen Ausnahmefällen ist die prompte Information durch Handy-Apps, die oft auch Preisentwicklungen und Tageszyklen anzeigen, sehr wertvoll.

Nach wie vor sind manche Tankstellen deutlich preiswerter als andere. Hat man eine solche Tankstelle in der Umgebung gefunden, bleibt sie typischerweise auch in Zukunft eine gute Wahl. Günstige Tankstellen blieben zumeist relativ günstig, teure blieben teuer.

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamtes beobachtet fortlaufend den Handel mit Kraftstoffen und gibt die von ihr bundesweit erhobenen Kraftstoffpreise von etwa 15.000 Tankstellen in Deutschland an zugelassene Verbraucher-Informationsdienste weiter. Die Informationen können die Autofahrerinnen und -fahrer dann bei einer Vielzahl von Anbietern online und über mobile Apps abrufen. Gegenstand des vorliegenden Jahresberichtes sind in erster Linie die Beobachtungen, die für das Jahr 2021 gemacht werden konnten. Die Preissteigerungen der vergangenen Wochen wurden jedoch bis kurz vor Redaktionsschluss in die Darstellung einbezogen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

Die Kraftstoffpreise sind stark gestiegen. Lag z.B. E5 Anfang 2021 noch unter 1,40 Euro/Liter, so war es kurz vor dem Angriff auf die Ukraine bereits 1,80 Euro/Liter. Einige Zeit nach der Eskalation, z.B. am 13.03.2022, lag E5 bei 2,26 Euro/Liter und Diesel bei 2,31 Euro/Liter. Am vergangenen Sonntag, dem 10.4.2022, lagen die Preise wieder auf niedrigerem Niveau mit rund 2,02 Euro/Liter für E5 und 1,99 Euro/Liter für Diesel (siehe „Grafiken zu aktuellen Kraftstoffpreisentwicklungen“).

Insbesondere Diesel hat sich damit in den letzten Wochen stark verteuert und lag häufig preislich über E5 . Die Differenz zwischen Rohölpreisen und Tankstellenpreisen nahm zu Beginn der Ukraine-Krise stark zu. Dies wiederum lag insbesondere am wachsenden Abstand zwischen Raffinerie- und Rohölpreisen.

An ein und derselben Tankstelle gibt es meist Preisunterschiede von 8-13 Cent/Liter am Tag. Vergleicht man die Tankstellen in einer Stadt, gibt es meist sogar Preisunterschiede von 18-24 Cent/Liter am Tag (siehe Info-Grafik „Sparpotenzial Einzeltankstelle/Stadtgebiet“).

Die Kraftstoffpreise sind im Schnitt meist morgens (ca. 5 bis 8 Uhr) am höchsten und abends (ca. 18 bis 22 Uhr) am niedrigsten, wobei es allerdings auch abends kleine Preisanhebungen gibt. Dazwischen schwanken die Preise oft erheblich. Am späten Abend und in der Nacht heben gerade die ohnehin teureren Tankstellen ihre Preise wieder.

An Autohöfen in Autobahnnähe sind die Preise im Vergleich zu anderen Straßentankstellen zwar häufig etwas teurer (+2-3 Cent/Liter), aber wer an einer Autobahntankstelle tankt, muss meist mit noch sehr viel höheren Preisen rechnen. Diese liegen zumeist etwa 25 Cent/Liter über den Preisen an den Straßentankstellen. Es gibt allerdings einige wenige Autobahntankstellen, die trotz ihrer Lage keine deutlich teureren Preise erheben. Diese lassen sich gut über Tank-Apps ausfindig machen.

Zwischen den verschiedenen Regionen in Deutschland gibt es nur vergleichsweise geringe Preisunterschiede. Abgesehen von wenigen teureren bzw. günstigeren Regionen, beträgt die Preisdifferenz im Jahresmittel um die 5 Cent/Liter. Der Abstand von E5 zu E10 liegt bei etwa 6 Cent/Liter. Auch hier ergeben sich bei entsprechender Eignung des Fahrzeuges deutliche Einsparmöglichkeiten für wechselwillige Verbraucherinnen und Verbraucher. (Bundeskartellamt)

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