Wissenschaft: Auswirkungen von Trockenschäden

Relativ unstrittig ist die Hauptanforderung an heutige Bäume und an Baumarten der Zukunft: Ihre Anpassung an den Wassermangel (sog. "Trockenstress-Toleranz") muss gewährleistet sein.

Ist die Trockenheit zu stark, sind Schäden unvermeidlich. Bild: GABOT.

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Wassermangel, Trockenheit und Hitze: Mit den Sommern 2018 und 2019 hatten viele Bäume in großen Teilen Deutschlands Probleme. Bestimmte Baumarten nichtheimischer Herkunft wirkten allerdings dennoch unvermindert wüchsig und vital, etwa die Robinie – Baum des Jahres 2020. Der Tag des Baumes am 24. April lädt dazu ein, einen Blick auf die Forstbotanik der TU Dresden zu werfen.

Nicht erst seit den beiden letzten Sommern wird verstärkt über Trockenschäden bei Bäumen diskutiert. Relativ unstrittig ist die Hauptanforderung an heutige Bäume und an Baumarten der Zukunft: Ihre Anpassung an den Wassermangel (sog. „Trockenstress-Toleranz“) muss gewährleistet sein, damit die Bäume auch noch in 50 Jahren ihre Funktionen möglichst umfassend erfüllen können. „Im Sommer dienen sie uns zur Kühlung, Beschattung und Luftfilterung, im Wald benötigen wir sie zur Holzproduktion, als Erholungsraum und als Habitat für zahlreiche Lebensgemeinschaften“, sagt Dr. Ming Liu aus Shanghai, der 2019 als Gastwissenschaftler an die TU Dresden kam, um die Trockenstress-Toleranz verschiedener Stadt- und Waldbaumarten zu prüfen.

Hierfür misst er in den Baumwipfeln die Jahrestrieblängen der letzten fünf Jahre, um daraus die Reaktionen auf die Trockenheit abzuleiten. Dies wurde bisher an jeweils 50 Exemplaren von Buche, Stiel-Eiche, Esche, Feld-Ahorn, Eschen-Ahorn, Hainbuche, Kirsche, Weiß-Tanne, Birne und Eberesche untersucht. Die jüngeren Bäume werden draußen am stehenden Baum gemessen, bei älteren und größeren nutzt Dr. Liu geschnittene Zweige aus der Oberkrone.

Leiden Bäume unter Trockenstress, fällt die Jahrestrieblänge deutlich kürzer aus als in den Jahren zuvor. Tatsächlich ist dies bei den bisher untersuchten älteren Eschen, Birnbäumen und Winter-Linden (Pflanzung vor 1995, 6-8 m hoch) deutlich und überwiegend der Fall – die neuen Triebe schrumpften von reichlich 20 cm (vor 2017) auf deutlich weniger als 10 cm, bei Eschen und Birnbäumen sogar unter 5 cm. Bei jüngeren Bäumen aller untersuchten Baumarten (Pflanzung 2010 bis 2014, 3-6 m hoch) sind hingegen bisher keine nennenswerten Stressreaktionen feststellbar; sie sind teilweise sogar besonders gut gewachsen. Daher liegt der Gedanke nah, dass sich Jungbäume bereits an die Verhältnisse anpassen und sie nach den Sommern 2018 und 2019 voraussichtlich auch in Zukunft mit ähnlichen Umständen zurechtkommen.

Jedoch sind in den beiden Jahren auch viele Bäume abgestorben, „das betrifft vor allem frisch gepflanzte Exemplare, wenn sie nicht hinreichend gewässert wurden, und alte Bäume mit weiteren Stresseinflüssen wie zum Beispiel durch Schädlinge, Krankheiten, Schäden durch Baumaßnahmen oder durch nicht fachgerechte Schnittmaßnahmen und Kappungen“, resümiert Dr. Liu.

Die Ergebnisse fließen in die Datenbank Citree, um die Auswahl und Bestimmung geeigneter Baumarten für verschiedene Standorte zu optimieren. Dieses Portal ist für Interessierte frei zugänglich unter www.citree.de und ermittelt aus über 400 Baumarten anhand (un)erwünschter Eigenschaften die bestgeeigneten Baumsorten für die angegebenen Anforderungen.

Am Tag des Baumes lässt sich die Gelegenheit nutzen, anhand solcher Forschungsergebnisse über die zukünftige Gestaltung von Naturflächen nachzudenken, die Fragilität unseres Lebensraums zu bewundern und sich die Bedeutsamkeit der Bäume für unsere Gesundheit und Lebensqualität bewusst zu machen. (TU Dresden)

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