Schweiz: Mulch spritzen statt verlegen

Mulchfolienfetzen auf Äckern sind in vielen Regionen auf der Welt ein Problem. In der Schweiz sorgen nicht richtig eingearbeitete Resten von biologisch abbaubaren Folien für Diskussionen.

Aufspritzbarer Mulch – hier in Salat – baut sich im Boden schneller ab, ohne Plastikfetzen zu hinterlassen. Bild: TFZ Dr. Edgar Remmele.

Anzeige

Mulchfolien gehören zum fixen Inventar auf den Gemüsebaubetrieben. Im Zuge der gesellschaftlich und politisch angestrebten "Entherbizierung" der Landwirtschaft spielen sie eine Schlüsselrolle.

Neben den Vorteilen, wie der unkrautunterdrückenden Wirkung oder der Erhöhung der Bodentemperatur, haben die Folien auch Nachteile. Sie sind teuer, das Verlegen und Einrollen ist arbeitsaufwändig und selbst bei biologisch abbaubaren Mulchfolien bleiben auf dem Feld Fetzen übrig, die in der Bevölkerung zu Diskussionen führen.

Kampf gegen Plastikfetzen

In anderen Teilen der Welt geht man auf den Äckern allerdings weit weniger rücksichtsvoll mit Mulchfolien um als in der Schweiz. Ein australischer Bodenwissenschaftler war derart schockiert über die "Müllhalden", die er beispielsweise in China antraf, dass er nach einer anderen, einfach zu verwendenden, biologisch abbaubaren Variante suchte, die überall auf der Welt verwendet werden konnte.

Entstanden ist daraus ein Projekt der australischen Forschungsbehörde CSIRO. In dessen Rahmen entstand die aufspritzbare, biologisch abbaubare Lösung "TranspiratiONal" als Alternative zum Plastikmulch.

Mulchfolien werden in der Schweiz vor allem in Spezialkulturen wie Gemüse oder Erdbeeren verwendet. Sie dienen in erster Linie der Unterdrückung von Unkraut, schützen aber auch vor Verlust von Feuchtigkeit und halten zudem den Boden warm, was sich positiv auf das Pflanzenwachstum auswirkt. Die meisten bei diesen Kulturen eingesetzten Folien sind biologisch abbaubar und verrotten bei fachgerechtem Einarbeiten im Boden. Die Bedeutung von Mulchfolien nimmt in der Schweiz zu, weil sich damit der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren lässt.

Frühere Ernte dank Spritzmulch?

In Praxisversuchen habe sich die vollständig biologisch abbaubare Polymerlösung als zuverlässig gegen Unkraut, Erosion und Wasserverlust erwiesen, sagt Shalen Kumar. Er baut eine Firma auf, die das System weltweit vertreibt.

Bei den Versuchen unter anderem in Melonen und Tomaten seien keinerlei Rückstände in den Endprodukten nachgewiesen worden. Ein weiterer Vorteil sei, dass bestehendes Gerät verwendet werden könne.

"Aber natürlich müssen jetzt weitere Erfahrungen unter verschiedenen Umweltbedingungen in anderen Regionen der Welt gesammelt werden", sagt Kumar auf Anfrage. Auf die Schweiz angesprochen, glaubt er, dass mit der aufgespritzten Mulchschicht ein wirtschaftlich interessanter Verfrühungseffekt erzielt werden könnte.

Flüssiger Mulch aus Deutschland

Nicht nur auf dem fünften Kontinent forscht man am spritzbaren Mulch. Am Technologie- und Förderzentrum (TFZ) im bayerischen Straubing wurde ebenfalls ein spritzbares Mulchmaterial als Zwei-Komponenten-System entwickelt, bestehend unter anderem aus Wasser, Stärke und Rapsöl.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes haben erste Anwendungsversuche auf Praxisbetrieben stattgefunden, in Kopfsalat, Kohlrabi, Einlegegurken und Karotten. In einer ersten Phase ging es um die Wirkung gegen das Unkraut, erklärt Edgar Remmele, verantwortlicher Projektleiter der TFZ. Langfristiges Ziel ist die Einsparung des Einsatzes von Herbiziden und die Vermeidung von Folienmüll.

In die Mulchschicht pflanzen

Gegen Unkraut wirkte die Spritzschicht offenbar schon ganz gut. Sie wurde zuerst einmal zwischen den Reihen angewendet, nach der Pflanzung der Setzlinge. "Interessant wird das ganze natürlich erst in den Reihen". Deshalb sollen die Jungpflanzen in den nächsten Versuchen – voraussichtlich mit Salaten – nach dem Aufspritzen direkt in die Schicht gesetzt werden.

In den Karotten wurde das Ganze an den Seiten der Dämme aufgespritzt, um die Wirkung bezüglich Erosion zu testen. Bei der Entwicklung der Applikationstechnik arbeitet das TFZ mit zwei Landmaschinenherstellern zusammen. Natürlich stehe das Ganze noch ganz am Anfang, erklärt Remmele.

Weitere Versuchsjahre folgen, um eine endgültige Rezeptur und die richtige Applikationstechnik zu entwickeln sowie das Ganze auch aus Sicht der Kosten praxistauglich zu machen. (lid)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.