FNR: Torfminderung mit Moos und Holz

Mit dem Klimaschutzplan 2050 beschloss die Bundesregierung, verstärkt Maßnahmen zum Moorbodenschutz und zur Torfminderung umzusetzen.

Der Anbau von Paludikulturen schützt das Klima. Zudem eignen sich Torfmoose als Ausgangsstoff für Kultursubstrate und Hobbyerden. Bild: Greifswald Moor Centrum.

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Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) ist vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beauftragt, die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Torfminderung und zum Moorbodenschutz, aber auch für Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Torfersatz im Hobby- und Friedhofsgartenbau sowie zum Moorbodenschutz als Projektträger zu betreuen. Zudem sind die Entwicklung eines Zertifizierungssystems für Torfersatzstoffe sowie die Erstellung von Fach- und Verbraucherinformation zum Thema Torfminderung Bestandteil des Maßnahmenpaketes. Zur Entwicklung von Alternativen zur Torfverwendung in Kultursubstraten starteten nun die ersten Forschungsprojekte.

Torf ist trotz klimaschädlicher Auswirkungen aufgrund der guten Verfügbarkeit, geringer Kosten und der guten pflanzenbaulichen Eigenschaften nach wie vor der wichtigste Ausgangsstoff für Kultursubstrate und Hobbyerden in Deutschland. Doch die Reduzierung des Torfeinsatzes birgt erhebliches Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasemissionen und ist für das Erreichen der Klimaneutralität der Bundesrepublik bis 2045 unverzichtbar.

Kultivierung in mehreren Ebenen

Zur Erprobung alternativer Ausgangsstoffe für Kultursubstrate setzten Berliner Forschende der Humboldt-Universität im August 2020 den Startschuss des Projektes EVA-BioKULT. Sie erproben die Herstellung und Verwendung von Sphagnum-Biomasse – auch als Torfmoose bekannt. Der innovative Gedanke der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Ulrichs besteht in der Anwendung eines Mehr-Ebenen-Systems – einer sogenannten MLSM (Multi Layer Sphagnum Matrix). Neben der Untersuchung des neuen Kultivierungssystems werden neben den üblichen Torfmoosen weitere vielversprechende Sphagnum-Arten auf ihre biologischen und physikalischen Eigenschaften untersucht. Damit wird eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Verwendung von Torfmoosen als Ausgangsstoffe für Kultursubstrate geschaffen.

Torfmoose: Ernte und Neupflanzung in einem Schritt

Eine wichtige Grundlage zum Anbau von Torfmoosen schafft zudem die mera Rabeler GmbH & Co. KG. Das Unternehmen entwickelt eine Technologie zur gleichmäßigen Ausbringung des Pflanzgutes auf die Kulturflächen – eine bisherige Schwachstelle in der Torfmooskultivierung. Neben der Ausbringung des Vermehrungsmaterials soll das neuentwickelte Fahrzeug auch boden- und kulturschonend zugleich Neupflanzungen ermöglichen. Dabei werden bei der Ernte die obersten Köpfchen der Moose einfach als Pflanzgut wieder auf der Fläche verteilt. Im Hankhauser Moor wird das Verfahren zunächst in der Praxis erprobt.

Kultursubstrate auf Basis heimischer Holzrohstoffe

Die Verbundpartner des Projektes NaKuHo, die Hochschule Osnabrück und die Georg-August-Universität Göttingen, verfolgen einen anderen Ansatz: nämlich die Verwertung heimischer Holzrohstoffe zur Produktion von gärtnerischen Kultursubstraten. Um die Holzfasern für ihren Einsatz als Ausgangsstoff für die Anzucht von Topf- und Containerkulturen bestmöglich vorzubereiten, werden diese mittels eines thermischen oder thermo-hydrolytischen Prozesses modifiziert – der Rohstoff wird somit stabiler gegenüber einer mikrobiellen Umsetzung und beugt einer ungewünschten Immobilisierung von Stickstoff im Anbaumedium vor. Die Forscher verfolgen zudem einen ressourceneffizienten Ansatz und setzen wenig genutzte Holzsortimente wie Laubgehölze aus Kurzumtriebsplantagen oder Abfälle aus der Faser- und Spanplattenproduktion ein.

Vom Baum zum Torfersatz

Das Verbundvorhaben unter Leitung von Prof. Dr. Michanickl von der Technische Hochschule Rosenheim setzt ebenfalls auf Holzfasern als Torfersatz. In dem Vorhaben erarbeitet das Team in Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ein gesamtheitliches Verfahren von der Rohstoffauswahl, Hackschnitzelaufbereitung und Zerfaserung bis hin zum fertigen Kultursubstrat. Die praxisorientierten Arbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit Klasmann-Deilmann, dem Weltmarktführer im Bereich Kultursubstrate und Blumenerden, durchgeführt.

Die Konsortien der beiden Verbundprojekte zu Holzfasern stehen für einen optimalen Wissenstransfer im engen fachlichen Austausch.

Weitere interessante Forschungsansätze im Bereich Torfersatzstoffe befinden sich aktuell noch in der Prüfung.

Aktueller Förderaufruf: Fachinformation für Gartenbaubetriebe

Aktuell sucht das BMEL mit dem Förderaufruf „Fachinformation für Gartenbaubetriebe zur Umstellung auf torfreduzierte und torffreie Kultursubstrate“ interessierte Konsortien, die Gartenbaubetriebe über vier Jahre bundesweit bei der Torfreduzierung fachlich begleiten und unterstützen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Einsatz von Torf im Erwerbsgartenbau zu verringern, Wissenslücken in diesem Bereich zu schließen und die Wettbewerbsfähigkeit der Gartenbauproduktion trotz Substratumstellung aufrechtzuerhalten. Skizzen können noch bis zum 23. Juli 2021 bei der FNR eingereicht werden. (FNR)

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