BdB: Bilanz 2019 und aktuelle Herausforderungen

Der Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. führte am 3. Februar 2020 seine Mitgliederversammlung im Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer S-H in Ellerhoop durch.

Vorsitzender Axel Huckfeldt (re.) beglückwünschte die 1. stellvertretene Vorsitzende Angelika Steffen (li.) und Schatzmeister Mathias Münster zur Wiederwahl. Bild: Mario J. Wienert, BdB SH.

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Der Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. führte am 3. Februar 2020 seine Mitgliederversammlung im Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer S-H in Ellerhoop durch. Dabei bestätigten die Mitglieder des Berufs- und Wirtschaftsverband der 300 Baumschulen im Lande die stellvertretende Vorsitzende Angelika Steffen, Rellingen, und Schatzmeister Mathias Münster, Elmshorn, im Amt. Die Baumschulen im Norden sind traditionell im Pinneberger Baumschulland konzentriert, beschäftigen rund 3.000 Mitarbeiter und erzielen einen jährlichen Produktionswert von ca. 180 Mio. Euro.

Marktlage: Guter Absatz bei steigenden Preisen – „Gehölze sind wieder mehr wert!“ Klimadebatte fördert die Wertschätzung von privatem und öffentlichem Grün

Axel Huckfeldt, Vorsitzender des BdB Schleswig-Holstein, konnte viele Ehrengäste aus Bundestag, Landtag und Kreistag, Bürgermeister und Vertreter aus Verwaltung und Wirtschaft zur Wintertagung seines Verbandes begrüßen.

Huckfeldt äußerte sich positiv über die Marktlage 2019: „Ein guter Absatz bei lebhafter Nachfrage über das gesamte Sortiment, viele Artikel sind bereits verknappt. Momentan erzielen wir für unsere Gehölze wieder bessere Preise. Wegen der z.T. geringen Erntemengen und der explodierenden Kosten ist ein gutes Betriebsergebnis aber keinesfalls sicher! Die Abnehmer akzeptierten überwiegend die Preissteigerungen. Das zeigt: „Die Pflanze ist wieder mehr wert!“. Wir machen derzeit einen für den Absatz unserer Gehölze positiven, förderlichen Umwelttrend aus.“ Laut Huckfeldt ist der akut bestehende Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel der für das Wachstum begrenzende Faktor in der Branche. „Wenn Agrarwirtschaft und auch Baumschulen die erreichte Marktstellung halten sollen, kommt die Bunderegierung an einer Drittstaatenlösung nicht vorbei“, kritisierte der Vorsitzende.

Aus der aktuellen Arbeit des BdB Schleswig-Holstein

Vorsitzender Huckfeldt berichtete zu den aktuellen Handlungsfeldern seines Verbandes:Lobbying und Interessenvertretung

Huckfeldt berichtet über Gespräche mit der Politik und Fachverwaltungen zu folgenden Themen:

- Einheitsbuddeln – die Idee des Jahres 2019! Die große Pflanzaktion zum Tag der Deutschen Einheit 2019 hat alle Erwartungen übertroffen. Wir müssen alles daran setzten, das Einheitsbuddeln in Deutschland zur Tradition zu machen!

- CO2-Bepreisung – Vergütung für Pflanzenproduzenten für CO2-Bindung gefordert.

- Immer weniger Pflanzenschutzmittel verfügbar: Resistenzen drohen, integrierter Pflanzenschutz nicht mehr möglich!

 - Torfminderungsstrategie der Bundesregierung: Torfeinsatz mindern, aber mit Verstand! Ellerhoop

- Gebietseigene Gehölze gemäß Naturschutzgesetz: 2020 Übergangsfrist abgelaufen. Lieferengpässe werden sich infolge der zögerlichen Ausweisung von Erntebestände durch die Bundesländer ergeben. Auf diese Gefahr hatte der BdB frühzeitig hingewiesen.

- EU-Pflanzenpass: Ärger über Bürokratielast und drohende Wettbewerbsverzerrungen.

Überregionales Marketing für Holsteiner Baumschulwirtschaft

Neuer Betriebeführer für den deutschsprachigen Raum erstellt Baumschultechnikmesse als weltweit größte Spezialmesse im Kreis Pinneberg. www.baumschultechnik.de Fachmesse Florum – Forum für Grünes Wissen für Zielgruppen Baumschulen, Planer/GaLaBau und Facheinzelhandel/Gartencenter. www.florum.sh

Berufsbild und Nachwuchswerbung

Beteiligung an regionalen Berufsmessen- Dank an LWK SH und die Berufsschule für Unterstützung! Jährlich zentrale Freisprechungsfeier mit 500 Teilnehmer in Neumünster Co-Ausrichter der Meisterfeier Agrarberufe SH Wettbewerb „Ausbildungsbetrieb des Jahres SH“ fortgeführ.

Beratung und Betreuung Mitglieder

Informationsveranstaltungen zur Datenschutz-Grundverordnung, Insolvenzanfechtung, Versicherungen gegen Quarantäneschädlinge, Betriebsrentenstärkungsgesetz, Betriebsvergleich 4.0 Einzelbetriebliche Betreuung bei Bau- und Entwicklungsvorhaben, Betriebsübergabe.

Deutsches Baumschulmuseum, Pinneberg

25 Jahre Jubiläum.Große Leistungen in Darstellung des Berufsstandes, seiner Produkte und Umweltbildung Runder Tisch 2019: Einstieg in die öffentliche, kommunale Förderung gelungen. Dank an den Kreis Pinneberg, Gemeinde Rellingen und Halstenbek und Stadt Pinneberg. Lohn: Auszeichnung mit der Zertifizierung für Museum in Schleswig-Holstein. Zitat: „beeindruckender außerschulischer Lernort“.

Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. (gemeinnützig)

5jähriges Bestehen und viel erreicht: „Ohren auf: Raus in die Kultur“ Multimediaprojekt mit der Metropolregion Hamburg fertiggestellt. Veranstaltungsreihe „Kulturlandschaft erleben!“ macht das Baumschulland erlebbar und erzeugt Verständnis für die Einzigartigkeit unserer Kulturlandschaft Projekt Erhalt der 300-jährigen Doppellindenallee in Seestermühe. Souvenirpflanze „Pinneberger Baumschulland“ als authentisches Präsent für Gäste. Neu: Landkarte „Gartenkunst im Pinneberger Baumschulland“, Holstein Tourismus e.V.

Einheitsbuddeln

Beste Idee des Jahres 2019 zum Tag der Deutschen Einheit in Kiel (S-H) „Stell dir vor, jeder Mensch pflanzt einen Baum. Die große Baumpflanzaktion zum Tag der Deutschen Einheit.“ Jeder kann sich einbringen: Spenden, selber pflanzen privat oder öffentlich, Überraschend große Resonanz: 120.000 Baumpflanzungen, davon 85.000 Wald, 35.000 Öffentliches Grün Wichtig: Brandenburg hat Staffelstab übernommen, S-H muss am 3.10.2020 weitermachen.

Grußwort Bernhard von Ehren Vize-Präsident des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) e.V., Berlin

BdB-Vizepräsident Bernhard von Ehren gab in seinem Grußwort einen Überblick über die aktuellen Themen, die den Berufsstand der Baumschuler bewegen. „Das BMEL hat endlich die Studie gestartet, die herausfinden soll, wie ein Entschädigungsfonds für Betriebsausfallschäden durch EU-Quarantäneschädlinge aussehen kann. Der BdB ist als Mitglied im Forschungsbeirat intensiv eingebunden. Beim EU-Pflanzenpass hat der Verband intensiv an der Umsetzung in nationales Recht mitgewirkt. In ganz Europa herrscht derzeit Unsicherheit, wie die Umsetzung jetzt erfolgt. Und auch in Deutschland macht es jedes Bundesland womöglich anders“, warnte von Ehren.

Eine wichtige Herausforderung in diesen Tagen sei es, wie die agrarische Produktion, auch die der Baumschulwirtschaft, in der Öffentlichkeit gesehen werde – Stichworte: Pflanzenschutz und Torf. Man könne weder als Fachverband noch als gesamte Agrarwirtschaft die gesellschaftlichen Entwicklungen aufhalten. Von Ehren: „Daher sind wir in konstruktivem Dialog mit der Politik, der Ministerialverwaltung und auch Umweltverbänden. Wir wollen eine neue Kommunikationsstrategie aufbauen, um das positive Image unserer Pflanzen mit dem teils negativ gesehenen Bild der Produktion verbinden. Dazu gehört es auch, die viele Umweltleistungen unserer Branche und die neuen Ansätze in der umweltschonenden Produktion verständlich benennen zu können.“

Von Ehren behandelte auch die Chancen, die der Klimawandel dem Berufstand bringe: „Der Klimawandel sorgt auch für eine zunehmende Wertschätzung von Gehölzen. Mit Ihrer Fähigkeit, CO2 zu binden, sind sie ein Schlüssel zur Problemlösung. Deshalb führen wir mit den anderen europäischen Baumschul-Verbänden die EU-Kampagne „Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa“ durch. Dies werden wir fortsetzen. In Deutschland verstärken wir unser Lobbying zusammen mit anderen Verbündeten wie BGL, BDLA und ZVG in der „Initiative Grün für Stadt und Land“. Es muss uns gelingen, in der allgemeinen Diskussion als Problemlöser wahrgenommen zu werden, dann hat das nicht nur positive Effekte für den Absatz unserer Produkte, sondern auch auf die Sicherung einer motivierten Mitarbeiterschaft einschließlich qualifiziertem Nachwuchs.“

Übergabe der Ehrungen zur Bundesgartenschau (BUGA) Heilbronn 2019

Aussteller-Name Große Gold GoldSilberBronzeEhren- preis
Rosen Tantau Vertrieb GmbH & Co. KG, Uetsersen11415141
W. Kordes'Söhne - Rosenbaumschulen GmbH & Co. KG, Klein Offenseth-Sparieshoop 183017
H. Clausen - Baum - & Rosenbaumschulen, Böklund 21561
Rosarie Pflanzenhandel GmbH, Heidgraben269

 „1958: Eine Revolution in den Forstbaumschulen – und was mein Uropa damit zu tun hatte.“

Dokumentation von Hanna Stoldt, Rellingen, Landessiegerin und 2. Bundessiegerin beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2018/2019 „So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch“

Als Hanna Stoldt (Klasse 7, Wolfgang-Borchert-Gymnasium, Halstenbek) vom Geschichtswettbewerb hörte, beschloss sie sich mit einem der wichtigsten örtlichen Industriezweigen auseinanderzusetzen: den Forstbaumschulen. Diese kreuzten auch den Weg ihres Uropas. Die Schülerin beschreibt in ihrem Filmbeitrag die Geschichte der Forstbaumschulen und zeichnet ihre Funktionsweise detailliert nach. Nach dem Zweiten Weltkrieg gerieten die Forstbaumschulen in eine Krise, da es keine Saison-Arbeitskräfte mehr für die aufwendige Pflanzung und Produktion der Setzlinge gab. Anschließend erläutert die Siebtklässlerin, wie ihr Uropa als Mechaniker an der Entwicklung einer Rillenscheibe beteiligt war, die die Pflanzung erheblich rationalisiert. Die Erfindung konnte ab 1958 eingesetzt werden und den Forstbaumschulen aus der Krise helfen. Zu ihren Ergebnissen kam die 13-Jährige durch die Forschung im Baumschulmuseum und durch Gespräche mit Verwandten.

„Rettet den Vorgarten! Was wir gegen die Versteinerung von Grünflächen tun können" Peter Menke, Fa. NED.WORK, Düsseldorf

Vor Gebäuden - Geschäftshäusern ebenso wie vor Eigenheimen - entdeckt man immer öfter eine Gartenform, die sich dadurch auszeichnet, dass sie das ganze Jahr über gleich aussieht. Statt Vegetation und abwechslungsreicher Gestaltung gibt es hier vor allem Steine - als Kies- oder Schotterbelag. Insbesondere in Neubaugebieten scheint sich die Versteinerung vor den Häusern immer mehr auszubreiten. Dieser Trend hat viele Nachteile – der Verlust an Lebensraum schadet dem Klima und der Atmosphäre in der Straße bzw. Siedlung und ist damit längst auch auf kommunaler Ebene angekommen. Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) e.V. hat im Frühjahr 2017 die Initiative „Rettet den Vorgarten“ ins Leben gerufen, die eine gesellschaftliche Debatte zum Thema Vorgarten anstößt und das Ziel hat, dass lebendige Pflanzen wieder die Hauptrolle in Gärten spielen. Im Fokus der Initiative liegt eine Positiv-Strategie: Es geht nicht darum, Kies und Schotter-Gärten schlecht zu machen, sondern über die Vorteile und den Charme bepflanzter Gärten Menschen für individuelle Gartenideen zu interessieren. Sie wendet sich an Gartenbesitzer, aber auch an Städte und Gemeinden, Projektentwickler und Investoren und nicht zuletzt an Medienschaffende. Wichtig ist dem Verband auch die Wirkung der Initiative innerhalb des Berufsstands. Die Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus sollen in Zukunft Kundenwünschen nach Kies- und Schottergärten mit guten Gründen begegnen können. Auch für Kommunen werden Informationen bereitgestellt, die geeignet sind, zumindest im Neubau die weitere Ausbreitung von Schotterwüsten zu verhindern. (BdB)

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