Welche Eigenschaften sollte ein Dach für eine Solaranlage idealerweise haben?

Eine Solaranlage wird wegen der ansteigenden Strompreise für immer mehr Hausbesitzer interessant. Mit einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) kann Strom für Licht, Haushaltsgeräte und Wärmepumpen selbst und kostengünstig erzeugt werden. Welche Voraussetzungen ein Dach erfüllen muss, damit eine Solaranlage installiert werden kann, zeigt dieser Ratgeber.

Auf schrägen Dachflächen werden Solarmodule flach auf dem Dach montiert und verankert. Bild: GABOT.

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Die optimale Dachausrichtung für eine Solaranlage ist in erster Linie davon abhängig, wie der selbst produzierte Solarstrom genutzt wird.

Nach Süden ausgerichtete Dächer

Lange Zeit galt ein nach Süden ausgerichtetes Dach als optimal für die Installation einer Solaranlage. Bei einer Ausrichtung nach Süden liefert eine PV-Anlage den höchsten Ertrag. Entsprechend viel Strom kann ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Mittlerweile ist die Einspeisevergütung jedoch so niedrig, dass sich der Verkauf des selbst produzierten Stroms kaum noch lohnt.

Nach Osten oder Westen ausgerichtete Dachflächen

Wegen der geringen Einspeisevergütung gilt heute, je mehr des selbst produzierten Stroms von den Bewohnern des Hauses verbraucht wird, umso mehr lohnt sich eine PV-Anlage. Die Installation einer Solaranlage auf einem nach Osten oder Westen ausgerichteten Dach ist bei einem hohen Eigenverbrauch finanziell ähnlich attraktiv wie eine nach Süden ausgerichtete PV-Anlage. Mit Photovoltaik-Anlagen auf einem nach Westen oder Osten ausgerichteten Dach kann der Eigenverbrauch am Morgen und am Abend sehr gut gedeckt werden.

Die meisten Menschen sind morgens und abends zu Hause und benötigen viel Strom. Tagsüber sind die Bewohner oft nicht zu Hause. Der Stromverbrauch ist gering. Das bedeutet, Solarmodule auf östlich oder westlich ausgerichteten Dachflächen erzeugen dann den meisten Strom, wenn die Bewohner zu Hause sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei den meisten Dachformen sowohl die nach Westen wie auch die nach Osten ausgerichtete Dachfläche mit Solarmodulen bestückt werden kann.

Eignen sich nach Norden ausgerichtete Dächer für eine PV-Anlage?

Im Grunde nicht. Der Ertrag ist sehr gering. Manchmal werden jedoch auch die nach Norden ausgerichteten Dachflächen mit Solarmodulen ausgestattet. Das geschieht meistens jedoch nur aus optischen Gründen, damit das Dach ein einheitliches Bild abgibt.

Ein wichtiger Faktor: Die Dachneigung

Neben der Ausrichtung der Dachflächen spielt auch die Neigung des Daches eine wichtige Rolle für die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage. Grundsätzlich gilt, dass auf einem Schrägdach mit einem Neigungswinkel von 30 bis 60 Grad und südlicher Ausrichtung installierte PV-Anlagen den höchsten Ertrag liefern. Die optimale Neigung der Dachfläche beträgt für:
• Dächer mit südlicher Ausrichtung: 35 Grad
• Dächer mit östlicher Ausrichtung: 25 bis 30 Grad
• Dächer mit westlicher Ausrichtung: 25 bis 30 Grad

Die Dachneigung sollte in östlicher und westlicher Richtung geringer sein, als bei Süddächern. Andererseits gilt, je steiler das Dach ist, umso besser kann Regen Verschmutzungen von den Solarmodulen abspülen. Zudem rutscht im Winter Schnee von steileren Dächern besser ab als von wenig geneigten Dachflächen.

Montage von PV-Anlagen auf Flach- und Pultdächern

Auf schrägen Dachflächen werden Solarmodule flach auf dem Dach montiert und verankert. Diese Art der Montage ist bei Flach- und Pultdächern nicht möglich. Flachdächer und Pultdächer mit einer geringen Neigung können aber dennoch mit Solarmodulen ausgestattet werden. Bei Dächern mit keiner oder einer nur geringen Neigung werden die Solarmodule auf Ständern montiert, sodass sie optimal in der Neigung ausgerichtet werden können. Diese Arbeit sollte unbedingt einem Fachbetrieb überlassen werden, um zu verhindern, dass das Dach undicht wird.

Tragfähigkeit des Daches

Bei der Installation einer Solaranlage wird das Dach mit 10 bis 15 kg pro Quadratmeter zusätzlich belastet. Jedes Solarmodul wiegt einzeln etwa 16 bis rund 24 kg. Diese zusätzliche Last sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Die höhere Belastung kann unter Umständen bei Altbauten oder wenn die PV-Anlage auf den Glasdächern einer Gärtnerei montiert werden soll, zu Problemen führen. Bei der Installation eine PV-Anlage auf Flachdächern muss berücksichtigt werden, dass durch eine Beschwerung der Montageständer das Gewicht noch einmal deutlicher höher ist. Es sollte daher unbedingt immer ein Statiker mit der Prüfung der Tragfähigkeit des Daches beauftragt werden.

Wie viel Dachfläche ist für eine PV-Anlage erforderlich?

Ein hochwertiges Solarmodul hat eine Fläche von etwa 1,6 Quadratmetern und eine Leistung von 300 Watt, je nach Ausführung auch 400 Watt. Das bedeutet, um 1 Kilowattstunde Strom mit einer PV-Anlage zu erzeugen werden etwa 4 bis 5,2 Quadratmeter freie Dachfläche benötigt. Je nach Region und Ausrichtung der Dachfläche beträgt der jährliche Gesamtertrag pro Quadratmeter Modulfläche etwa 850 bis 1.300 kWh Strom. Für eine Photovoltaik Anlagen sollten insgesamt mindestens 25 Quadratmeter freie Dachfläche zur Verfügung stehen.

Wenn der selbst produzierte Strom nicht nur für Licht und Haushaltsgeräte, sondern auch für den Betrieb einer Wärmepumpe genutzt werden soll, dann muss die Fläche der PV-Anlage meist größer ausfallen. Hier sollten sich Hausbesitzer von einem Fachmann beraten lassen, der die erforderliche Dachfläche ermitteln kann.

Große PV-Anlagen sind wirtschaftlicher als kleine

Grundsätzlich gilt, je mehr Dachfläche für die Installation einer Photovoltaikanlage genutzt werden kann, umso wirtschaftlicher arbeitet die Anlage. Eine 2019 von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen durchgeführte Studie hat ergeben, dass große Photovoltaikanlagen wirtschaftlicher sind als kleine. Bei der Flächennutzung gilt die Grundregel: "die Dächer voll machen".

Eine maximale Ausnutzung der Dachfläche ist gut für die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage und gut für den Klimaschutz. Je größer die Solaranlage ist, umso niedriger sind die Kosten pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Hinzu kommt, dass mit dem Inkrafttreten des EEG 2021 Besitzer von PV-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 10 kW und nicht mehr als 30 kW keine EEG-Umlage mehr bezahlen müssen. Der Eigenverbrauch wird somit deutlich günstiger.

Wenn ein Dach groß genug ist, die Ausrichtung stimmt und der produzierte Strom selbst genutzt wird, lohnt sich die Installation einer Solaranlage bei fast allen Dächern. Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach können Hausbesitzer und Unternehmer viel Geld sparen und gleichzeitig die Umwelt entlasten.

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