Tagung: Biogas kann dem Klima guttun

Die Branche diskutierte in Verden auf der Biogas-Tagung den Einfluss von Biogas auf die Treibhausgas-Emissionen.

Diskutierten in Verden aktuelle Fragen zum Thema Biogas (von rechts): Hermann Hermeling (Vizepräsident der Landwirtschaftskammer), Harald Wedemeyer (Landvolk Niedersachsen), Dr. Manfred Bischoff (LUFA Nord-West der Landwirtschaftskammer), Ansgar Lasar (Klimabeauftragter der Landwirtschaftskammer), Horst Seide (Fachverband Biogas), Martin Strobl (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft/LfL), Michael Wentzke (IG Biogasmotoren) und Christoph Gers-Grapperhaus (Biogasexperte der Landwirtschaftskammer). Bild: Hollweg/Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

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Biogas kann einen bedeutenden Beitrag leisten, um den Anfall klimaschädlicher Treibhausgase zu reduzieren. Das wurde auf der Biogastagung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen deutlich, die am 6. März in Verden stattfand. In seiner Begrüßung der 180 Fachleute aus der Biogas-Branche betonte Hermann Hermeling, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dass die Produktion von Strom und Wärme durch Biogas weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) produziere als die Energieerzeugung durch fossile Energieträger wie Braunkohle und Erdgas. „Das hat auch die Bundesregierung erkannt und in Ihrem Klimaschutzplan vorgesehen, dass 60% der anfallenden Wirtschaftsdünger, also insbesondere Gülle, bis 2030 in Biogasanlagen vergoren werden sollen.“ Aktuell würden gut 7 GWh Strom durch Biogas erzeugt. Diese Energiemenge reiche aus, um etwa 90% der niedersächsischen Haushalte mit Strom zu versorgen.

Anhand von Klimabilanzen errechnete Ansgar Lasar, Klimabeauftragter der Landwirtschaftskammer, wie Biogasanlagen im Vergleich zu fossilen Kraftwerken das Klima entlasten. Gegenüber Braunkohle und Erdgas brächte die Energiegewinnung in Biogasanlagen fast immer eine deutliche Treibhausgaseinsparung. Beispielsweise verursachten Braunkohlekraftwerke für die Erzeugung einer Kilowattstunde Strom durchschnittlich vier Mal so viele Treibhausgasemissionen wie Biogasanlagen.

„Doch gibt es diese Einsparung nicht zum Nulltarif“, erläuterte Lasar. Mit Wind- und Sonnenenergie könnte Strom kostengünstiger erzeugt werden. Wenn ausschließlich auf diese Technik gesetzt werden würde, entfalle allerdings die gasdichte Lagerung von Wirtschaftsdüngern. Für die Verwertung des in der Tierhaltung anfallenden Methans seien Biogasanlagen erforderlich, wenn das Gas nicht ohne Nutzen abgefackelt werden soll. Lasars Fazit: „Biogas kann einen erheblichen Beitrag zur Minderung der Treibhausgase leisten, allerdings im Verhältnis zu Wind- und Sonnenenergie bei vergleichsweise hohen Kosten.“

Dass Biogas nicht nur zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden kann, sondern auch eine Alternative als Kraftstoff im Straßenverkehr ist, machte Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, deutlich. Nach seiner Aussage hat Biogas „mit Abstand“ das höchste CO2-Einsparpotenzial aller Biokraftstoffe. Erdgas- bzw. Biomethanfahrzeuge wiesen sowohl geringere Stickoxid- als auch Feinstaub-Emissionen auf. Bei der Nutzung von Biogas als Kraftstoff sieht er noch großes Potential, denn bisher würden erst 25% der in Deutschland anfallenden Gülle energetisch verwertet. Und auch die Infrastruktur für eine Verteilung existiere bereits: „Zur Versorgung dieser Fahrzeuge kann das flächendeckende Erdgasnetz benutzt werden.“ Im Hinblick auf drohende Strafen, die bei Nichterfüllung der EU-Minderungsverpflichtung gezahlt werden müssen, folgerte Seide: „Biomethan aus Rest- und Abfallstoffen ist eine kostengünstige Form, um CO2 im Verkehrssektor zu vermeiden.“

Die Biogastagung in Verden feierte in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Für Christoph Gers-Grapperhaus, einer der Begründer dieses Forums, war es zugleich die letzte Veranstaltung. Der Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer, der in Sachen erneuerbare Energie bundesweit als anerkannter Fachmann gilt, wechselt Ende April nach 42 Jahren im Dienste der Kammer in den Ruhestand. Vizepräsident Hermann Hermeling würdigte die Expertise des 65-Jährigen und bezeichnete den Scheidenden als „Aushängeschild der Landwirtschaftskammer“.

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