Szenario: "Landwirtschaft ohne Glyphosat"

Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG) hatte eingeladen, um die aktuelle Situation rund um den Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat zu verdeutlichen.

Aus wissenschaftlicher Betrachtungsweise gibt es keine unmittelbaren Belege für schädliche Wirkungen von Glyphosat auf die Artenvielfalt. Bild: GABOT.

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Kritiker fordern trotz positiver Sicherheitsbewertung der zuständigen EU-Behörden und der Erneuerung der EU-Wirkstoffzulassung Ende des letzten Jahres ein Anwendungsverbot oder zumindest eine starke Einschränkung der Nutzung von Glyphosat in Deutschland. Das ist im Wesentlichen das Resultat einer politisierenden Diskussion und von skandalisierenden Kampagnen gegen den Wirkstoff. Eine stichhaltige wissenschaftliche Begründung für solche Einschränkungen liegt nicht vor. Aktuelle Studien – unter anderem von der TH Bingen – belegen hingegen die negativen Auswirkungen eines Glyphosat-Verbotes auf die Umwelt und die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe.

Den Nutzen von Glyphosat hat Prof. Dr. Jan Petersen (TH Bingen) in einer kürzlich erschienenen Studie herausgearbeitet. Glyphosat war ein Wegbereiter für bodenschonende Anbauverfahren. Der Wirkstoffeinsatz ersetzt in den meisten Fällen Bodenbearbeitungsmaßnahmen wie bspw. Pflügen. Dadurch werden beim Anbau rund 50% der klimaschädlichen CO2-Emissionen und auch Arbeitszeit eingespart. Bodenschonende Anbaumethoden führen zu weiteren positiven Umwelt-Effekten. Dazu zählen die Erhöhung der Regenwurmdichte, eine drastische Reduktion von Bodenerosion im Vergleich zu gepflügten Feldern sowie eine Erhöhung der Wasserinfiltration in den Boden. Dadurch nimmt die Hochwassergefahr ab und weniger Nährstoffe gelangen von den Feldern in die Gewässer. Die Ökosysteme von Seen und Flüssen sind dadurch weniger belastet. Auch ermöglicht der Glyphosateinsatz den Anbau von Zwischenfrüchten bei reduzierter Bodenbearbeitung. Dadurch sinkt die Gefahr von erhöhten Nitratkonzentrationen im Grundwasser.

Aus wissenschaftlicher Betrachtungsweise gibt es auch keine unmittelbaren Belege für schädliche Wirkungen von Glyphosat auf die Artenvielfalt. So stellte Petersen in seiner Studie fest, dass sich „keine negativen Effekte von Glyphosatanwendungen auf die Vielfalt von Pflanzen und Tieren (sowohl Individuendichte als auch Artenvielfalt) in terrestrischen Agrarökosystemen“ finden lassen. Dies ist leicht nachvollziehbar, denn die Alternative zum Einsatz von Glyphosat ist das Pflügen der Felder. Auch dabei werden nahezu alle Unkräuter im Feld beseitigt. Im Hinblick auf den Biodiversitätsschutz bietet diese mechanische Unkrautbekämpfung also keine Vorteile. In beiden Fällen geht es darum, der Kultur, und möglichst nur ihr, den optimalen Raum für ihr Wachstum und damit für den späteren Ertrag zu geben. Pfluggeräte gefährden allerdings die Bodenfruchtbarkeit und das artenreiche Bodenleben.

Diskussionen in jüngster Zeit über das sogenannte „Insektensterben“ haben die Debatte über Glyphosat erneut angeheizt. Es gibt jedoch auch hier keine Belege, dass dies mit dem Einsatz von Glyphosat in Verbindung gebracht werden kann. Die AGG setzt sich für wissenschaftliche Untersuchungen ein, um Umfang und Ursachen dafür klar zu belegen und darauf aufbauend Lösungen zu erarbeiten.

Die Kritik, dass in den letzten Jahren immer mehr Glyphosat in der Landwirtschaft eingesetzt werde, ist grundlegend falsch. Eine Beschränkung des Wirkstoffeinsatzes auf das Notwendigste ist bereits gelebte Realität – so wurden im Jahr 2012 noch 4.800 t verwendet und 2017 nur noch 2.740 t . In den letzten 10 Jahren hat sich der Glyphosateinsatz damit nahezu halbiert.

„Die Tatsache, dass Zulassungsentscheidungen und Auflagen für Pflanzenschutzmittel immer stärker von politischen Kampagnen beeinflusst werden, verdeckt den erheblichen Beitrag der Pflanzenschutzmittel für die nachhaltige Landwirtschaft“, sagte Ursula Lüttmer-Ouazane, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat. Ein kompletter Verzicht von Glyphosat würde aktuell und zumindest auf mittelfristige Sicht zu deutlich negativen Effekten in der Umwelt führen, da die alternativen Mittel und Verfahren mit deutlich mehr Nebenwirkungen verbunden sind. Das könne nicht das Ziel der Agrar- und Umweltpolitik in Deutschland sein.

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Kommentare (1)


Roberta 17. Feb. | 01:32

Wenn man Herrn Prof Petersen als Glyphosatexperte zitiert, sollte man sich als verantwortlicher Redakteur auch mal auf der Webseite der TH Bingen umschauen, denn dort sitzen in den Gremien die hochrangigen Mitarbeiter der Pestizidhersteller, wie Michael Heß von BASF oder Stefan Rinn von Boehringer Ingelheim. Und auch die langjährigen wissenschaftlichen und finanziellen Kooperationen der TH Bingen mit den Chemiekonzernen und Glyphosatproduzenten wie BAYER, BASF, Syngenta, DuPont deuten wohl eindeutig auf eine Pro-Pestizid Ausrichtung hin. Denn die verdienen schließlich Milliarden mit dem Herbizid und würden keine TU und keine Wissenschaftler finanzieren, die Ökolandwirtschaft fördern.
Denn sonst hätte Prof Petersen auch die zahlreichen internationalen Studien erwähnt, die belegen, dass Öko-Landwirtschaft viel mehr CO2 einspart, und auch die BioDiverisät massiv erhöht, im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft. Zudem ist Bio-Landbau aktiver Hochwasserschutz, da Ökoflächen bis zu 100% mehr Regenwasser speichern können. Daher kommt es auf den ökologischen Ackerflächen auch zu einem Humusaufbau, im Gegensatz zu den konventionellen Flächen, die durch Erosionen Humus verlieren.
Aber, solche wissenschaftlichen Fakten würden die Pestizidproduzenten, die Herr Prof. Peterson und die TU Bingen mitfinanzieren, nicht gerne hören.

Und auch in der Pestizidkommission des BfR, sitzen die ebenfalls drei hochrangige Mitarbeiter der Glyphosathersteller BAYER und BASF, wo sie die unveröffentlichten Glyphosatstudien von Monsanto als harmlos deklarieren. Im Gegensatz zu den 17 Wissenschaftlern der Krebsforschungsagentur IARC, die 1 Jahr lang knapp 200 veröffentlichte Studien auf Krebs untersucht haben, von denen 5 eindeutig belegen, dass Glyphosat Krebs verursacht. Und auch in der US Zulassungsbehörde EPA sitzt zufälligerweise der ehemalige Monsanto Vize-Präsident Michael R. Taylor, wo er nun die Glyphosatstudien seines ehemaligen Arbeitgebers begutachtet. 
Das ist krimineller Industrielobbyismus, und deshalb gibt es nun auch Anklagen vor dem EU Gericht und einen Untersuchunggsausschuss der EU Kommission gegen Monsanto, BfR und Efsa. Und auch in den USA klagen über 3000 Landwirte gegen Monsanto, da sie an einem Non-Hodgkin Krebs erkrankt sind.

 

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