Syngenta: Rahmenbedingungen bestimmen das Geschäft

Syngenta ist auf vielen Feldern aktiv, um seine Zukunft aktiv und erfolgreich zu gestalten.

Syngenta ist auf vielen Feldern aktiv, um seine Zukunft aktiv und erfolgreich zu gestalten. Bild: Syngenta.

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Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 hat das Pflanzenschutz- und Saatgutunternehmen Syngenta global ein gutes Geschäftsergebnis erzielt. In beiden Geschäftsbereichen stiegen die Verkäufe. „Auch mit dem Deutschland-Geschäft sind wir unter Berücksichtigung des ungünstigen Witterungsverlaufs in der letzten Saison zufrieden“, sagte Geschäftsführer Dr. Manfred Hudetz. Besonders im Getreidemarkt konnte das Unternehmen von der Einführung der beiden Herbizide Avoxa und Boxer Cadou, dem Ausbau der Elatus Fungizidfamilie sowie einer neuen Hybridgersten-Generation profitieren. Gestützt wurde das Ergebnis ebenfalls durch gute Verkäufe bei Maissaatgut und beim Pflanzenschutz in Kartoffeln. Sorgen bereiten dem Geschäftsführer die weiterhin unbefriedigende finanzielle Lage der Landwirtschaft und die sich zuspitzende Situation im Zulassungsbereich. „Wir verlieren nicht nur Wirkstoffe, sondern müssen immer öfter Zulassungsauflagen akzeptieren, die einem Anwendungsverbot gleichkommen“, beklagte Hudetz. In vielen Kulturen würden die Wirkstoffe fehlen, um einen integrierten Pflanzenbau zu ermöglichen. Er wünsche sich eine Diskussion, die nicht nur die Risiken, sondern auch den Nutzen von Pflanzenschutzmitteln und modernen Züchtungsmethoden für die Landwirtschaft berücksichtige.

Im Fokus: Neue Sorten und Pflanzenschutz im Getreide

Laut Marketingleiter Dr. Thomas Räder konnte die neue Hybridgerstengeneration mit den Sorten SY Galileoo und SY Baracooda in den Landessortenversuchen überzeugen. Die Syngenta Netzwerkversuche zeigten, dass auch unter der Trockenheit des Vorjahres die Hybriden in der Lage sind, extreme Bedingungen zu kompensieren. Mit der neuen Hyvido App bietet Syngenta dem Landwirt ein digitales Hilfsmittel zur standortspezifischen Sortenwahl, sowie zur Optimierung der Aussaatstärken und der Bestandesführung an. Bei Maissaatgut stellt Syngenta vier Neuzulassungen vor. „Mit den neuen Sorten werden wir unsere Position im Körnermais-Segment ausbauen“, betonte Räder. Mit Unix Top und Kayak kommen zwei Getreidefungizide für die frühe Anwendung auf den Markt, die als Bausteine für das Resistenzmanagement zur Verfügung stehen. Die Getreidebeize Vibrance Trio mit dem neuen Wirkstoff Sedaxane, lässt aufgrund deutscher Sonderwege bei der Umweltrisikobewertung noch auf sich warten. Hier geht es um die generelle Fragestellung, ob bei der Aussaat von gebeiztem Saatgut durch Staubverwehung bei höheren Windgeschwindigkeiten Risiken für die Umwelt ausgehen.

Nachhaltiges Herbizidmanagement

Aufgrund der aktuellen Pflanzenschutzdebatte und den zunehmenden Wirkstoffverlusten gewinnt der langfristige Erhalt von leistungsstarken Pflanzenschutzmitteln an Bedeutung. Die 4DStrategie verfolgt das Ziel, über einen integrierten Ansatz die Ungras- und Unkrautbekämpfung sicherzustellen. Dazu werden ackerbauliche und pflanzenbauliche Maßnahmen mit dem chemischen Pflanzenschutz kombiniert. Eine weitere Säule ist die aktive Produktbegleitung und Steuerung der Anwendung. „Wir haben uns beispielsweise im Mais auf hoch grundwassersensiblen Standorten proaktiv zu einem freiwilligen Wirkstoffverzicht entschlossen“, unterstrich Räder. Diese Standorte werden definiert durch sehr leichte sandige Böden, hohen Grundwasserstand und hohe durchschnittliche Winterniederschläge. Für Standorte, auf denen alle drei Faktoren zutreffen, bietet Syngenta die S-Metolachlor freien Maisherbizide Zintan Saphir Pack und Elumis Triumph Pack an. Weiterhin wurde der digitale Herbizidratgeber Proximais als App eingeführt. Mit Hilfe von Proximais können wassersensible Gebiete identifiziert und standortgerechte Empfehlungen zum Herbizideinsatz gegeben werden.

Syngenta verfolgt mehrere Technologieansätze

Um eine nachhaltige und wirtschaftliche Pflanzenproduktion in Zukunft zu gewährleisten, müssen nach Ansicht von Syngenta mehrere Technologien zusammenspielen. Dr. Michael Käsbohrer, Leiter Technik, gab einen Einblick in die Entwicklungspipeline der nächsten Jahre. Sie umfasst chemische und biologische Produkte sowie neue Technologien. Als Beispiele nannte Dr. Käsbohrer die Produkte Taegro und Auralis, die aktuell für Spezialkulturen entwickelt werden. Als hoffnungsvolle Option für die Schädlingsbekämpfung arbeitet Syngenta an der Entwicklung der RNAi-Technologie, die eine hoch spezifische Wirkung und damit die Schonung von Nicht-Ziel-Organismen verspricht.

„Im Bereich Saatgut arbeiten wir an Sorten, die mit den Herausforderungen des Klimawandels besser zurechtkommen. Erste Maissorten bieten wir unter der Marke „Artesian“ im nächsten Jahr an, die besonders gut mit trockenen Bedingungen zurechtkommen. Mit unserer Züchtungsinitiative bei Sonnenblumen und Soja wollen wir dazu beitragen, Fruchtfolgen breiter zu gestalten“, erläuterte der Leiter Technik.

Mit dem Züchtungsprogramm Hybridweizen will das Unternehmen einen Ertragssprung in der wichtigsten Getreideart erreichen und die Landwirtschaft mit robusten Qualitätssorten für die Zukunft versorgen. Aufgrund der Herausforderungen, die auf die Landwirtschaft zukommen, wolle man durch das Zusammenspiel dieser Technologien langfristig zu besser funktionierenden Ackerbausystemen beitragen.

Pflanzenschutzregulierung verliert den modernen Ackerbau aus dem Blick

Zu den immer weiter reichenden Verschärfungen im Zulassungsverfahren auf europäischer und nationaler Ebene nahmen Peter Hefner, Leiter Nachhaltigkeit, und Dr. Günther Peters, Leiter Produktzulassung, Stellung. Europa sorge mit seiner extrem konservativen Anwendung des Vorsorgeprinzips bereits heute dafür, dass die Entwicklung neuer Wirkstoffe immer mehr abwandere. „Aktuell werden aufgrund der hohen Regulierung nur noch rund 16% der Wirkstoffe mit dem Fokus Europa entwickelt“, zeigte sich Peters besorgt. Zusätzlich würden neue Prüfrichtlinien der EU, die künftig zur Anwendung kommen, dafür sorgen, dass vor allem bei Insektiziden und Herbiziden immer weniger Wirkstoffe die Hürden schaffen.

Verschärfte Situation in Deutschland

In Deutschland sorgen laut Peters strukturelle Defizite in der Zulassungsbearbeitung und die Zuordnung der Zulassungsbehörden zu unterschiedlichen Ministerien unverändert für Erschwernisse. Deutschland beschreitet entgegen den Vorschriften der europäischen Zulassungsverordnung Sonderwege. So würden europäische Zulassungsentscheidungen noch einmal überprüft und sogar neue Risikobewertungen eingeführt. Dadurch werde die praktische Wirksamkeit des zonalen Zulassungsverfahrens, das als Vereinfachung gedacht war, beeinträchtigt. Als Beispiele nannte er die geplante Windauflage, die für alle Saatgutbehandlungsmittel eingeführt wird und neue Biodiversitätsauflagen. Landwirte werden bei der Anwendung von als biodiversitätsschädigend eingestuften Mitteln ab 1. Januar 2020 gezwungen, auf der gesamten Betriebsfläche 10% Ausgleichsflächen nachzuweisen.

Forderung nach aktiver Nutzenkommunikation der Behörden

Für Peters ist die sich zuspitzende Situation bei Pflanzenschutzmitteln die Folge einer einseitigen Risikokommunikation. „Wir sind der Auffassung, dass die Fachbehörden auch den Nutzen aktiv nach außen darstellen könnten“, sagte Peters. Im Julius-Kühn-Institut sei dafür die gesamte Expertise vorhanden. „Ansonsten ist die ausgewogene Bewertung von Technologien vor allem für die Öffentlichkeit kaum möglich“, so der Zulassungsleiter abschließend. Es sei dann Aufgabe der Politik, die Ansprüche von Landwirtschaft und Umweltschutz klug miteinander zu vereinen.

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