Schweiz: "So viel Positives zu Agroscope war noch nie zu hören"

Agroscope-Leiterin Eva Reinhard sieht den Effizienz-Auftrag als große Chance. Sie hält es für wichtig, dass die Forschung praxisnah verläuft und auch vor Ort stattfindet.

Agroscope-Chefin Eva Reinhard will praxisnah forschen. Bild: lid.ch.

Anzeige

Medial so stark vertreten wie in den vergangenen 12 Monaten war die Forschungsanstalt zuvor nie. Grund waren die Pläne des Bundesrats – damals war noch Johann Schneider-Ammann zuständig – Agroscope auf einen Standort zu konzentrieren. Ausgewählt hatte der Bundesrat dafür Posieux im Kanton Freiburg.

Ein Aufschrei ging durch die Kantone und Organisationen, die Zentralisierung stieß auf massive Kritik. Auch aus der Politik. Derzeit liegen noch 19 Vorstöße, darunter 10 Motionen vor, wie Agroscope-Chefin Eva Reinhard vor Agrarjournalistinnen und -journalisten sagte. Mit der Folge, dass der Bundesrat Ende 2018 beschloß, die Ein-Standort-Strategie zu beerdigen und auf 3 Standorte zu setzen. Neben Posieux sind dies Changins VD und Reckenholz ZH. Hinzu kommen Satelliten-Stationen in verschiedenen Regionen.

"Ich glaube, dass kaum jemals zuvor so viele positive Stimmen zu Agroscope zu hören waren. Wir waren uns Kritik gewohnt und plötzlich wollten uns alle behalten. Und zwar genau so behalten, wie wir schon waren", sagte Reinhard, welche die Forschungsanstalt seit April letzten Jahres leitet. Zuvor war sie als stellvertretende Direktorin des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) tätig gewesen und Kritik deshalb nicht ungewohnt.

Nach der ersten Abwehrhaltung ist laut Reinhard der nächste Schritt gekommen, die verschiedenen Kreise diskutierten weiter. "Forschung heißt, dass man einen Schritt voraus denken sollte. Ist es also richtig, eine Institution, die dazu da ist, voranzuschreiten, so zu bewahren wie sie vor 100 Jahren war?", warf Reinhard die Frage auf.

Ihr zufolge kam die Wende in dieser Frage, als eine Subkommission der Finanzkommission des Nationalrates einen Tag in Changins und einen Tag in Posieux verbrachte. Die Subkommission habe sich so alle Stimmen anhören und sich breit informieren können. Sie kam zum Schluß, dass Handlungsbedarf besteht und die landwirtschaftliche Forschung extrem wichtig ist. Wichtig nicht nur für die Schweizer Landwirtschaft, sondern für die Schweizer Bevölkerung.

"Landwirtschaft produziert Leben"

"Die Landwirtschaft produziert kein riesiges Bruttoinlandprodukt. Aber sie produziert Leben. Leben in einer Umwelt, die wir aber auch für unsere Nachkommen bewahren müssen". Das sei das Spannende an dieser Aufgabe. Es sei ein Thema, das zum Glück die Menschen bewege, so Reinhard. "Ich erachte es auch deshalb als große Chance, dass der Spar-Auftrag in einen Effizienz-Auftrag umgewandelt worden ist." Denn die kommenden Probleme seien riesig. Klima, Biodiversität und viele weitere Themen, die alle ineinander spielten, seien betroffen. Das sei faszinierend, aber extrem kompliziert. "Es ist sehr einfach zum Beispiel nur für den Gesundheitsschutz oder nur für den Umweltschutz zu arbeiten", so Reinhard. Dort seien die Ziele völlig klar. "Hier in der Landwirtschaft kommt alles zusammen. Wir werden es nie schaffen, alle zu befriedigen. Weil wir den bestmöglichen Kompromiss finden müssen", so Reinhard. Sehr ernst nimmt Reinhard die Kritik, dass Agroscope den Kontakt zu den Problemen der Praxis verliere. "Ich bin überzeugt, dass die Kritiken teils richtig sind. Dass wir die Praxis etwas abgehängt haben, dass wir mehr vor Ort arbeiten müssen", so Reinhard. Dazu beitragen sollen die Satelliten-Stationen und auch der Einbezug der Bevölkerung. Diese soll künftig unter anderem in das Suchen und Auffinden von unerwünschten Schädlingen einbezogen werden. "Und wir werden auch mit Bäuerinnen und Bauern verstärkt zusammenarbeiten", sagte Reinhard mit Blick auf die Zukunft.

Der GABOT-Newsletter

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.