Schweiz: Neuer Schwung für den Agrotourismus

Agrotourismus ist in der Schweiz noch relativ schwach entwickelt. Das soll sich mit der Dachorganisation "Agrotourismus Schweiz" ändern. Im LID-Interview erklärt Geschäftsführer Oliver von Allmen, wie er die agrotouristischen Angebote besser vermarkten will.

Anzeige

Agrotourismus ist in der Schweiz noch relativ schwach entwickelt. Das soll sich mit der Dachorganisation "Agrotourismus Schweiz" ändern. Im LID-Interview erklärt Geschäftsführer Oliver von Allmen, wie er die agrotouristischen Angebote besser vermarkten will.

Die Wände sind kahl, die Bücherregale noch leer: Oliver von Allmen, seit dem 1. Juni 2011 Geschäftsführer von Agrotourismus Schweiz, hat sein neues Büro beim Schweizer Tourismus-Verband eben erst bezogen. Einrichten muss er nicht nur seine neue Arbeitsstätte, aufbauen muss er auch die im Mai 2010 gegründete Dachorganisation "Agrotourismus Schweiz".

LID: Haben Sie auch schon Ferien auf dem Bauernhof verbracht?
Oliver von Allmen: Ja, aber bisher noch nicht in der Schweiz. Ich habe aber andere agrotouristische Angebote genutzt. So habe ich eine Reihe von Events auf Bauernhöfen organisiert wie Firmenanlässe oder Bankette. Das war immer besonders.

LID: Anders als in Österreich spielte der Agrotourismus in der Schweiz bislang nur eine untergeordnete Rolle. Warum?
Von Allmen: Die Schweiz hatte in der Vergangenheit das Image eines Hotellandes. Die Parahotellerie wurde hingegen vernachlässigt. Dazu kam, dass das Angebot und Marketing bislang sehr zersplittert waren. Eine Vielzahl von Organisationen boten ihre Dienstleistungen an. Für die Touristen waren die Strukturen oft undurchsichtig. Es fehlte an Vernetzung und Koordination.

LID: Deshalb wurde Ende Mai 2010 die Dachorganisation "Agrotourismus Schweiz" ins Leben gerufen.
Von Allmen: Genau. Unser Ziel ist es, die agrotouristischen Angebote der über 500 Bauernfamilien besser zu vermarkten. Bisher buhlten maßgeblich die Organisationen "Schlaf im Stroh", "Ferien auf dem Bauernhof" und "Tourisme Rural" um die Gunst der Touristen – eine jede für sich. Wenn wir alle an einem Strick ziehen, sind wir stärker. Deshalb wird es zukünftig einen einheitlichen Auftritt am Markt geben. Dazu gehört etwa ein gemeinsames Logo. Außerdem soll ein gemeinsames Marketing- und Kommunikationskonzept entworfen werden. Und nicht zuletzt soll die Medienarbeit verstärkt werden, damit die Angebote bekannter werden.

LID: Diesem Zweck dient auch die verstärkte Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus?
Von Allmen: Gerade im Bereich der elektronischen Medien besteht großer Handlungsbedarf. Denn immer häufiger werden Ferien im Internet gebucht. Deshalb müssen wir im Netz unsere Präsenz ausbauen. Als Partner konnten wir Schweiz Tourismus gewinnen. Ziel ist es, dass dereinst alle agrotouristischen Angebote über die Plattform www.myswitzerland.com aufgeschaltet sind. Das Finden und Buchen wird dadurch einfacher.

LID: Die Angebote im Agrotourismus waren bislang oft uneinheitlich und für Kunden kaum vergleichbar.
Von Allmen: Qualitätsförderung und -sicherung sind im Markt sehr wichtig. Deshalb versuchen wir, Qualitätsstandards zu definieren. Denkbar sind auch Schulungen der Anbieter. Wichtig ist, dass die Touristen im Voraus wissen, was sie erwartet.

LID: Die Logiernächte im Agrotourismus nehmen seit einigen Jahren zu. Wie erklären Sie sich das?
Agrotourismus entspricht einem gegenwärtigen Trend, nämlich die Natur möglichst authentisch zu erleben. Gerade bei einem städtischen Publikum findet das großen Anklang. Agrotourismus bietet zudem einmalige Erlebnisse, etwa mit Tieren, was gerade bei Kindern gut ankommt. Ferien auf dem Bauernhof sind keine oberflächlichen Ferien wie in einem anonymen Hotelbunker. Ferien auf dem Bauernhof sind persönlicher, man lernt Leute und die Umgebung besser kennen. (lid)

Oliver von Allmen
Oliver von Allmen wurde 1966 geboren und ist in der Region Bern und im Aargau aufgewachsen. Der ausgebildete Tourismus- und Marketingfachmann wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Büren/SO. Vor seiner Tätigkeit bei Agrotourismus Schweiz arbeitete er unter anderem für eine internationale Hotelkette, zuletzt war er Geschäftsführer von Baselland Tourismus. Zur Landwirtschaft hat von Allmen eine persönliche Beziehung: In seiner Jugend hat er oft auf einem Bauernhof in der Nachbarschaft bei Erntearbeiten mitgeholfen.

Der GABOT-Newsletter

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.