Schweiz: Insektensterben soll aufgeklärt werden

Verschiedene Verbände schlagen Alarm. Sie fordern den Bund mit einer Petition dazu auf, Ursachen und Ausmaß des Insektensterbens zu erforschen und Maßnahmen zu ergreifen.

Die Hosenbiene gilt in der Schweiz als gefährdet. Quelle: pd.

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Das Problem des Insektensterbens sei vielen Menschen nicht bewusst, sagte Urs Wüthrich-Pelloli, Präsident der Naturfreunde Schweiz, diese Woche an einer Medienkonferenz. Die Petition soll zur Verstärkung der öffentlichen Diskussion beitragen und auf die Problematik aufmerksam machen. Es brauche eine genaue wissenschaftliche Untersuchung und Dokumentation. Nur so könnten danach wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen werden. Ohne eine klare Faktenlage gebe es keine Mehrheiten, um Maßnahmen zu ergreifen, so Wüthrich-Pelloli.

Der Naturfreunde-Präsident fordert den Bund zudem auf, die bestehende Aktionspläne Biodiversität, Bienengesundheit und Pflanzenschutzmittel unverzüglich und konsequent umzusetzen sowie weitergehende Maßnahmen gegen das Insektensterben zu treffen.

SBV-Direktor und Nationalrat Jacques Bourgeois betont die Bedeutung der Insekten für die Landwirtschaft. Sie seien unverzichtbar für die Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen. Die Arbeit der Insekten werde weltweit auf einen Gegenwert von 153 Mrd. Euro geschätzt, so Bourgeois. Als mahnendes Beispiel nannte er China, wo die Obstanlagen mangels Insekten teils per Hand bestäubt werden müssen. Der Bauernverbands-Direktor wies auch auf Wichtigkeit der Insekten für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit hin. Das Interesse der Landwirtschaft am Schutz der Insekten liege deshalb auf der Hand, so Bourgeois.

Wenig Daten vorhanden

Die Datenlage zum Insektensterben ist eher schwach. Für große Aufmerksamt sorgte im vergangenen Herbst eine Studie des Entomologischen Vereins Krefeld. Gemäß dieser verschwanden innerhalb von 27 Jahren über 75% der Fluginsekten. Die Studie gilt laut dem deutschen Verband für Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin als beste vorhandene Datengrundlage, auch wenn sie in Fachkreisen auf Kritik gestoßen ist. So wurde unter anderem bemängelt, dass die Probenahmestellen regional beschränkt waren und an keiner Stelle über die 27 Jahre kontinuierlich Insekten gefangen worden waren. Auch liefert die Studie keine Resultate zur Artenzusammensetzung.

Es gäbe demnach genügend Gründe, dem Insektensterben fundiert nachzugehen. Der Bundesrat geht davon aus, dass ein umfassendes Insektenmonitoring sehr aufwändig wäre. In einer Antwort auf eine Motion von Nationalrat Karl Vogler werden die Kosten auf rund 1 bis 1,5 Mio. Franken pro Jahr geschätzt. Er lehnt weitergehende Maßnahmen deshalb ab und verweist auf das bestehende Biodiversitätsmonitoring.

Auch Sonia Burri-Schmassmann, Präsidentin des Imker-Dachverbandes Apisuisse, fordert weitere Anstrengungen zur Aufklärung des Insektensterbens. Insbesondere die Wildbienen bräuchten einen besonderen Schutz, da sie teilweise auf einige wenige Pflanzen spezialisiert seien. Fehlten diese, sterbe die Art aus. "Wenn von Bienenschutz geredet wird, gehören Wildbienen dazu", so Burri-Schmassmann.

Ziel der gemeinsamen Petition ist es, bis zur kommenden Wintersession dem Bundesrat mindestens 50.000 Unterschriften zu überreichen. (Quelle: LID.CH)

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