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Schweiz: Druck auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wächst
Der Pflanzenschutz ist dieses Jahr aufgrund einer großangelegten Untersuchung in vier Schweizer Gewässern, darunter die Salmsacher Aach unter Druck geraten. Pestizidrückstände in Gewässern rütteln auch Fachleute auf, denn dieses Ausmaß wurde nicht erwartet.
Ohne Pflanzenschutz wäre die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln heute wohl kaum ausreichend. Selbst im Bioanbau wurde in den letzten Jahren eher intensiviert als umgekehrt. Die Anforderungen an landwirtschaftliche Erzeugnisse und insbesondere auch bei Obst, Beeren und Gemüse steigen immer mehr, gleichzeitig bleiben die Produzentenpreise stets unter Druck. Ein Produzent, welcher den Großmarkt beliefern will, ist heute gezwungen, das hohe Anforderungsprofil an die "Qualität" zu erfüllen. Qualität bedeutet in diesem Sinn: frei von Schadorganismen, optisch einwandfrei, transport- und lagerfähig, gutes Shelflife und verkaufsoptimierte Verpackung. Die Produkte sollen zudem mit einem der vielen Labels ausgezeichnet sein. Die Untersuchungsmethoden haben sich in den letzten Jahren sehr stark entwickelt. Ein Millionstel Gramm pro Liter Wasser, also 0.000001 g ist heute problemlos nachweisbar. Resultate aus Untersuchungen der Eawag, des Bundesamtes für Umwelt sowie von fünf Kantone haben wohl die wenigsten erwartet. Rund 500 Pestizidwirkstoffe waren in den letzten Jahren in der Schweiz bewilligt. Viele davon finden sich in Schweizer Gewässern wieder. So erstaunt die diesjährige Flut an Negativ-Meldungen nicht:
14. März - Aqua und Gas Nr. 3
Über 100 Pestizide in Fließgewässern
6. März - Thurgauer Zeitung
Pestizid-Kocktails in Thurgauer Flüssen
18. März - Thurgauer Zeitung
Der biologisch faule Apfelkanton, Pestizid-Cocktails in Thurgauer Flüssen
5.Mai - Schweizer Radio:
Pestizid- Cocktail in Schweizer Flüssen
14. Mai - Konsumentenzeitschrift Saldo :
Gefährliches Insektizid, Bauern versprühen Gift, das Krebs fördert (Dimethoat)
18. Mai - NZZ am Sonntag
Pestizide verursachen hohe Kosten. Volkswirtschaftliche Schäden von bis zu 100 Mio. pro Jahr
20. Mai - 20 Minuten
Nervengift in fast allen Schweizer Tomaten (Ethephon, auch Ausdünnmittel im Obstbau)
27. Mai - Kleine Anfrage im Kantonsrat an den Regierungsrat Schaffhausen: Werden Schaffhauser Gewässer auch auf Pestizidrückstände untersucht?
17. Juni - Tagesanzeiger
Verfehlte Ziele bei der Wasserqualität. Die größte Verschmutzerin ist die Landwirtschaft, die größste Belastung kommt von den Pestiziden
Nebst den Gewässern stehen aber auch Nebenwirkungen verschiedenster Wirkstoffe aus der Landwirtschaft im Fokus. Die neue Gruppe der Neonikotinoide hat mit Schäden an Bienen Schlagzeilen gemacht. Streptomycin, zwar ein Notnagel, aber momentan noch ein wichtiger, ist ohnehin sehr umstritten. Die Untersuchungen des Gewässers Salmsacher Aach zeigen, dass nebst bereits nicht mehr eingesetzten Wirkstoffen – wie z.B. Carbofuran und Diazinon – der größte Teil der gefundenen Wirkstoffrückstände bei den Herbiziden zu suchen ist, gefolgt von den Fungiziden und erst an dritter Stelle stehen die Insektizide. Unter diesen Aspekten stellt sich die Frage, ob die Landwirtschaft nichts oder zu wenig unternimmt, um diese neuen Erkenntnisse zu verbessern.
Zumindest im Obstbau erfolgten die ersten Schritte bereits vor 25 Jahren mit der Einführung der Integrierten Produktion. Der Verzicht auf gewisse Wirkstoffe, Anwendungseinschränkungen, Förderung von Nützlingen und biotechnischen Bekämpfungsmöglichkeiten etc. haben bereits viel verbessert. Solche Methoden werden gezwungenermaßen künftig noch wichtiger, da die Zahl der neu zugelassenen Wirkstoffe abnimmt. Seit 35 Jahren wird intensiv an der Applikationstechnik geforscht. Erst in den letzten Jahren wurde die Problematik der Abdrift neu definiert und mit der Einführung der Injektordüsen konnten deutliche Verbesserungen erzielt werden. Die Erkenntnis, dass der Reinigungsplatz der Spritze oft größere Probleme verursacht als der Ausbringungsort der Spritzbrühe hat in unserem Kanton zu einer klaren Änderung der Empfehlungen und Klärung der ortsspezifischen Hofplatzentwässerung geführt. Mit der heutigen Tagung stellen wir eine neue Möglichkeit vor, die Belastung durch Waschwasser bei der Reinigung der Gebläsespritze zu minimieren.
All diese Maßnahmen konnten aber nicht verhindern, dass auch aus dem Obst-, Gemüse und Beerenbau Wirkstoffe oder deren Abbauprodukte in die Gewässer gelangen konnten.
Die Branche ist deshalb weiterhin gefordert. Bodenpflegesysteme wurden früher bereits intensiv getestet, sind jedoch alle mehr oder weniger wieder verschwunden. Das Hacken des Baumstreifens ist heute sogar in Bioanlagen wieder stark rückläufig. Abdecken des Baumstreifens mit Rinde oder ähnlichen Materialien ist längst wieder passé.
Alles ist dem Kostendruck und der Rationalisierung zum Opfer gefallen. Das Anpflanzen von robusten Sorten wird heute zwar intensiv diskutiert. Wo sind jedoch die vielen schorfresistenten Sorten geblieben, welche bereits geprüft wurden? Die Branche hat noch viel Arbeit vor sich. IP oder Swiss Garantie ist heute Standard, genügt jedoch den neuen Anforderungen nicht mehr in allen Teilen. Forschung, Beratung – auch in diese Richtung wird es in den nächsten Jahren weitergehen müssen. Es kann aber nicht sein, dass nur die Landwirtschaft Verbesserungen anstrebt. Der Qualitätsgedanke muss heute vielleicht neu definiert werden. Forschung und Beratung sind über die Landesgrenzen hinaus mit einem neuen Interreg-Projektvorschlag bereit, noch mehr in diese Richtung zu machen. Jeder muss sich heute aber auch als Konsument und Privatperson fragen, ob im Kleinen nicht Vieles zur Verbesserung der Umwelt getan werden könnte, denn im Wasser hat es viele Stoffe, welche nicht aus der Landwirtschaft stammen. (ACW)

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