Schweiz: Das Potenzial von Sehnsuchtsräumen

Wovon lassen sich Konsumenten beeinflussen? Ein Interview mit Jörg Reuter.

Künftig werde die klassische Werbung nicht mehr reichen, ist Jörg Reuter überzeugt. Bild: mr, LID.

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Oft landen Dinge im Einkaufskorb, die eigentlich gar nicht auf der Einkaufsliste standen. Weshalb ist das so? Wovon lassen wir Konsumenten uns beeinflussen? Jörg Reuter ist Strategieberater bei Grüneköpfe. Er kennt die Bedürfnisse der "Generation Food" und die Auswirkungen auf Hersteller und Handel.

Was meinen Sie mit "Generation Food"?

Jörg Reuter: Essen hat in den letzten 10 Jahren einen enormen gesellschaftlichen Wandel vollzogen. Der Begriff "Generation Food" umreisst dieses gesellschaftliche Phänomen. Essen ist Pop, Essen ist Distinktion, Essen ist Ausdruck von Identität.

Was sind denn die Bedürfnisse dieser Generation?

Drei zentrale Bedürfnisfelder scheinen mir wichtig, die in den nächsten Jahren stattfinden werden. 1. Gesundheit und Selbstoptimierung, 2. Regionalität und Re-Connection und 3. Lust auf Verantwortung.

Was können Landwirte und Handel nun konkret damit anfangen?

Die Schnittmenge dieser Bedürfnisfelder bezeichne ich als Sehnsuchtsräume. Hersteller und Handel sollten sich intensiv damit auseinandersetzen. Wenn sie das Potenzial dieser Sehnsuchtsräume kennen, können sie darauf abzielen.

Sprechen Sie auf die Werbung an?

Die klassische Werbung wird aussterben. Man kann nicht etwas Substanzloses emotional verpacken. Es wird künftig mehr um das "Warum" gehen, also die tatsächliche Haltung von Unternehmen. Das ist eine grosse Chance für die Landwirtschaft. Denn gute Lebensmittel haben gute Geschichten. Dem Storytelling gehört die Zukunft.

Wo sehen Sie die Chance für die Landwirtschaft?

Landwirte haben eigentlich die spannendste Rolle, denn die Verarbeitung hat werberisch wenig zu bieten. Die meisten Prozesse auf der nachgelagerten Verarbeitungsstufe sind relativ uninteressant für Storytelling. Beispielsweise die Herstellung von Saft: Das ist etwas extrem Unromantisches. Da ist der Obstbauer der eigentliche Held! (Quelle: LID)

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