Schrebergärtner: Hoch im Kurs

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Wer hätte das vor einigen Jahren gedacht: Die Schrebergärten sind zurück! Bis vor kurzem wurde dem typischen Schrebergarten noch ein etwas altbackenes Image zugeschrieben und man dachte eher an Vereinsregeln und Nutzerordnungen denn an unbeschwerte Entspannung im eigenen Grün. Heutzutage entdecken jedoch immer mehr junge Menschen die Vorzüge eines Schrebergartens. Als stolze Besitzer von Gartenhäuschen, Hecken, Beeten, Rasen und Co. verbringen sie ihre Freizeit vor den Toren der Stadt, mit Sack und Pack, Kind, Hund, Freunden oder ganz allein. Ob das nun spießig ist oder nicht – Gärtnern in der Kolonne ist Kult!

 

Es geht auch billiger

Was im Osten Deutschlands als sowjetrussisch inspirierte Datscha schon lange vor der Wende geschätzter Bestandteil des täglichen Lebens war, hat sich auch im Westen der Republik mittlerweile voll etabliert: der Kleingarten. Vor allem junge Familien, die in städtischen Gegenden lange nach bezahlbarem Wohnraum mit Garten gesucht haben, sehen im Schrebergarten eine gute Alternative zu überteuerten Mieten oder einem Umzug in die Vororte. So wie die Lektorin Gudrun Wichertz (38) und ihr Mann Thomas (38), die mit ihren beiden Kindern Jens (5) und Olaf (6) an den Wochenenden in ihre Gartensiedlung am Rande der Stadt fahren. „Nachdem wir lange nach einer Wohnung mit Garten gesucht haben, ohne das Richtige für uns zu finden, hat mein Schwiegervater uns den Tipp gegeben, bei seinem Kleingartenverein nachzufragen. Ich muss gestehen, erst dachte ich ja ’oh Gott, Gartenzwerge, millimetergenau abgezirkelte Wege, perfekt geschnittene Hecken und als Krönung eine Deutschlandfahne auf dem Gartenhaus – nichts für uns’“, gibt Gudrun zu. „Aber wir brauchten dringend einen Platz, an dem die Kinder – ganz im Sinne des Namensgebers Daniel Schreber – richtig im Grünen spielen und ein eigenes Beet mit Blumen und Gemüse bearbeiten können. Und auch mein Mann und ich wollten nicht immer nur Beton um uns herum sehen“.

 

Liebe auf den ersten Blick

„Ehrlich gesagt waren wir absolut positiv überrascht, als wir uns eine freie Parzelle angesehen haben“, stimmt Thomas zu. „Wir haben uns sofort in unseren Garten verliebt und ohne lange nachzudenken zugesagt. Das war auch gut so, haben wir hinterher erfahren, denn wir haben großes Glück gehabt, sofort einen Garten zu bekommen. Mittlerweile gibt es zum Teil lange Wartelisten. Wahrscheinlich auch deshalb rufen jetzt dauernd Freunde an, die am Wochenende mit zu uns in den Garten wollen – Freunde wohlgemerkt, die noch keinen Schrebergarten haben“.

 

Verjüngungskur

Familie Wichertz liegt im Trend, wie der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde – zu dem 19 Landesverbände mit 15.200 Kleingartenvereinen und über eine Million Mitglieder gehören – verdeutlicht. In den Schrebergärten steht ein Generationswechsel an: Der Verband bekommt vor allem Anfragen von jungen Familien, die sich verstärkt um eine Mitgliedschaft in einem Schrebergartenverein bemühen. Während 1997 der Altersdurchschnitt der Pächter in Deutschland noch bei 56 Jahren lag, ist er inzwischen um neun Jahre gesunken und lag 2003 bei 47 Jahren, Tendenz sinkend.

 

Für jeden etwas

Je nach Wunsch der Eigentümer kann der Kleingarten verschiedene Funktionen erfüllen, vorausgesetzt, die Gestaltung entspricht in den Grundzügen den jeweiligen Vereinsstatuten. Für die Wichertz’ ist ihr Kleingarten zu einem Mehr-Generationen-Garten geworden, der für jedes Familienmitglied etwas bietet. Kinder interessiert nicht, wie schön ein Garten ist, sondern was man darin tun und entdecken kann. „Für unsere Kleinen haben wir hier einen Sandkasten und eine Schaukel gebaut, dort, hinter dem Rasen, der noch genug Platz zum Herumtoben bietet. Links neben unserem Gemüsebeet haben Jens und Olaf ihre Parzellen, für die sie – natürlich mit unserer Hilfe – verantwortlich sind. Damit sie wissen, dass Radieschen aus der Erde und nicht aus dem Supermarkt kommen“, erläutert Thomas.

 

Grüne Psychotherapie

„Wenn wir am Wochenende hierher kommen, merke ich, wie mein Stressniveau sinkt, sobald ich die Gartentür hinter mir geschlossen habe. Das Grün um mich herum, die Blumen und Pflanzen, alles wirkt auf mich wie ein Ruhepol nach einer stressigen Woche. Und die Gartenarbeit, die erspart mir den abendlichen Gang ins Fitnessstudio – wenn ich Unkraut jäte oder umgrabe, bewege ich mich sogar noch an der frischen Luft, was will ich mehr?“ fragt Gudrun, während sie den frisch gepflückten Sommerblumenstrauß auf dem Gartentisch arrangiert.

 

Grüne Physiotherapie

„Wir haben natürlich auch Hilfe von meinem Vater, der 3 Wege weiter seinen Schrebergarten hat und während der Woche viel hier im Grünen ist“, gibt Thomas zu. „Für ihn ist sein Garten seit der Pensionierung wie ein Jungbrunnen: die Arbeit hält ihn fit, er ist beschäftigt und entwickelt sich langsam zum richtigen Pflanzenfachmann. Dass er jetzt, wenn wir nicht da sind, auch mal in unserem Paradies Hand anlegt, empfindet er nicht als zusätzliche Belastung – im Gegenteil! Und wenn wir dann freitags abends grillen, kommt er gerne auf ein Bierchen bei uns vorbei – meine Mutter übrigens auch. Bei uns liegt das Glück im Garten!“ (cma)

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