Schleswig-Holstein: Eröffnung der Weihnachtsbaumsaison

Die Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holsteinischer Weihnachtsbaumproduzenten (ARGE) und die Landwirtschaftskammer haben jetzt auf dem Betrieb von Jürgen Schümann in Fuhlendorf im Kreis Segeberg als erster Landesverband den Startschuss für den Beginn des Weihnachtsbaumeinschlages gegeben.

Die Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holsteinischer Weihnachtsbaumproduzenten (ARGE) und die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gaben auf dem Betrieb von Jürgen Schümann (re.) im Kreis Segeberg den Startschuss für den Beginn der Weihnachtsbaumsaison. Bild: Isa-Maria Kuhn, Landwirtschaftskammer.

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Mit geschätzt 20 Mio. Weihnachtsbäumen, die ihre Wurzeln in schleswig-holsteinischen Boden geschlagen haben, können die einheimischen Produzenten dieses Naturproduktes leicht alle 1,4 Mio. Privathaushalte des eigenen Bundeslandes Jahr für Jahr versorgen. „Aus der Region – für die Region“ ist in Schleswig-Holstein keine Werbehülse. Viele der 200 Produzenten bieten frisch geschlagene Bäume auf eigenen Ständen in Städten und Ortschaften, aber auch direkt in ihren „Weihnachtswäldern“ an. Für viele Familien ist das Aussuchen dort ein besonderes Erlebnis! Hinzukommt, dass die heimischen Kulturen bis zu 145 t Kohlendioxid je Hektar binden.

Schleswig-Holstein ist aber auch Exporteur von Weihnachtsbäumen. Viele Lkw tauchen in den nächsten Wochen auf der südlichen Seite des Elbtunnels auf, mit Zielen im gesamten Bundesgebiet und im benachbarten Ausland. Wenn man die Etiketten an den Spitzen der Bäume wie die Beringung von Zugvögeln versteht, sieht man schleswig-holsteinische Weihnachtsbäume selbst in entfernten Regionen wie Gran Canaria, der Ukraine und China landen.

Privatkunden, Zwischenhändler und Endverkäufer können aus Schleswig-Holstein traditionell mit sehr guten Qualitäten bedient werden. Weihnachtsbäume bedürfen in ihrem langen Wachstum einerseits einer sechs- bis zwölfjährigen individuellen Einzelpflege, aber besonders die guten seeklimatischen Bedingungen und Wetterverläufe bilden einen verlässlichen Standortvorteil der heimischen Weihnachtsbaumproduktion. Beeinträchtigungen durch Trockenheit sind den „Nordmännern“ diese Saison erspart geblieben.

Corona und Weihnachtsbäume

Nicht unbeeindruckt ist auch die landwirtschaftliche Sonderkultur von der aktuellen Lage. Diese trifft die Betriebe emotional wie wirtschaftlich. Zusätzliche teure und zeitfressende Vorbereitungen und betriebliche Aufwände sind bei Arbeitsabläufen und Umsetzung von Hygienekonzepten erforderlich. Doch alle Produzenten und Endverkäufer haben sich organisatorisch und personell darauf eingerichtet, auch die erwartete höhere Nachfrage der Kundschaft nach Weihnachtsbäumen unter gesundheitlich sicheren Rahmenbedingungen erfüllen zu können, und das voraussichtlich mit allenfalls geringen Preissteigerungen. An die vielen Privatkunden appellierte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holsteinischer Weihnachtsbaumproduzenten, Dr. Jörg Engler, am Vormittag: „Konzentrieren Sie sich bei Ihrer Baumauswahl nicht nur auf das letzte vorweihnachtliche Wochenende, helfen Sie, den Käuferandrang zu entzerren, kaufen Sie ruhig einige Tage früher – die Haltbarkeit der Bäume erlaubt das!“

Graf Wolf-Oliver von Baudisin ist stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger. Er sagte am Vormittag: Weihnachten im Jahr 2020 wird in Anbetracht von Covid 19 ein ganz besonderes Fest werden. Die Familien werden in diesen schwierigen Zeiten mehr zusammenrücken. Alte Werte und Traditionen, zu denen auch besonders der Weihnachtsbaum zählt, werden hochgehalten. Der Weihnachtsbaum vermittelt ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Auch hat der Baumkauf, besonders in schwierigen Zeiten, eine besondere Bedeutung. Mit ihm verbinden viele Familien den Auftakt für die Weihnachtszeit. Schon der gemeinsame familiäre Ausflug zum Baumaussuchen und -kauf wird in diesen Zeiten ein ganz besonderes Highlight sein. Mittlerweile kauft ein Großteil der Familien ihre Bäume direkt beim regionalen Produzenten, hier ist die Frische und Qualität absolut garantiert. Auch geht der Trend zum Selberschlagen des Baumes.

Vonseiten des Bundesverbandes können wir feststellen, dass die Qualitäten in diesem Jahr nicht gelitten haben. In einigen Regionen war es teilweise sehr trocken, doch der Regen kam dann noch zur rechten Zeit.

Es stehen Weihnachtsbäume in ausreichenden Mengen für das Weihnachtsfest 2020 zur Verfügung. Bundesweit gehen wir von einer Nachfrage von ca. 25 Mio. Weihnachtsbäumen aus. In der Vergangenheit haben ca. 4 Mio. Haushalte keinen Weihnachtsbaum aufgestellt, da sie in der Weihnachtszeit verreist waren. In diesem Jahr wird sicherlich ein Großteil dieser Familien nicht verreisen und einen Weihnachtsbaum kaufen. Der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger geht von einer Nachfragesteigerung von bis zu 10 % aus.

Es ist zu erwarten, dass coronabedingt die Baumpreise um 2 bis 3 Euro je Baum steigen werden. Der Grund dafür liegt in den erschwerten und verteuerten Produktionsbedingungen durch Covid 19. Die Hygienestandards wurden deutlich erhöht. Von der Einreise bis zur Unterbringung der Saisonarbeitskräfte sind die Kosten gestiegen. Die Arbeitsabläufe in den Betrieben sind komplizierter geworden, da nicht mehr als fünf Arbeitskräfte zusammenarbeiten dürfen. Dennoch freuen sich die Weihnachtsbaumerzeuger aus dem gesamten Bundesgebiet, ihre frischen und qualitativ hochwertigen Bäume anzubieten.

Zum traditionellen Weihnachtsfest gehört unbedingt der Naturbaum, der niemals durch einen ökologisch schädlichen Plastikbaum ersetzt werden darf!

Kompetenzzentrum für Weihnachtsbäume

Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ute Volquardsen, ging auf die aktuelle Lage ein: „In sieben Wochen ist es wieder soweit. Die meisten Familien feiern Weihnachten zu Hause und das in ungebrochener Tradition mit einem Weihnachtsbaum. Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Hierzulande und in vielen Regionen auf unserem Globus undenkbar, wie schon seit über 500 Jahren. An der Tradition des Weihnachtsbaumes erfreuen sich Millionen Menschen genauso wie an dem jährlich wiederkehrenden Zeremoniell des Aussuchens und Schmückens eines Weihnachtsbaums oder des Selbstschlagens.“ Sie stellte das noch relativ neue Kompetenzzentrum für Weihnachtsbäume der Kammer vor. Es bündelt das Beratungsangebot für Produzenten abteilungsübergreifend so, dass in jedem Einzelfall optimale und maßgeschneiderte Lösungen für die jeweils speziellen Fragestellungen der Betriebe entwickelt werden. Seitdem ist das kleine Team von Spezialisten erweitert worden. Volquardsen weiter: „So haben wir zum Beispiel jetzt auch die volle Unterstützung und Bereitschaft des Versuchswesens im Gartenbau, das für die Auftragsforschung rund um die Weihnachtsbaumproduktion zur Verfügung steht. Zudem gab es Gespräche mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Verband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Niedersachsen, Hamburg und Bremen e. V. Dabei wurde die weitere Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und den Weihnachtsbaumproduzenten im Bereich Versuchswesen und Anbauberatung festgelegt. Ich meine, das spricht für die Kompetenz und Anerkennung, die unser Team auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins bereits genießt. Damit erhalten wir die Leistungsfähigkeit unserer Produzenten und gewährleisten weiterhin die hohe Qualität der heimischen Weihnachtsbäume. Und davon profitiert letztlich der Verbraucher, der für sein Geld hochwertige Ware erhält und deren Produktion die aktuellen gesellschaftlichen Ansprüche voll erfüllt – von hoher ästhetischer Qualität über Klimabilanz und Biodiversität bis zur Minimierung von Pflanzenschutzmitteln“.

Schümanns pflanzen in dritter Generation Weihnachtsbäume an

Auf 2.000 ha wachsen in Schleswig-Holstein Weihnachtsbäume. Es handelt sich um eine landwirtschaftliche Sonderkultur. Der Betrieb im Kreis Segeberg baut neben Getreide auf rund 40 ha überwiegend Nordmanntannen an. Schon der Großvater von Jürgen Schümann hat sich für die Kultur begeistert. Angefangen mit Rotfichten, später Blaufichten, wachsen heute Nordmanntannen auf den eher leichten Böden um Fuhlendorf herum. Wie die meisten Produzenten hat er sich für diesen Baum kaukasischer Herkunft entschieden. Und warum? Die Nordmanntannen sehen einfach schön aus, sie nadeln nicht und stechen nicht. Das ist ein großer Vorteil für die Verbraucher“, so Jürgen Schümann. Wie der Verkauf in diesem Jahr bei ihm laufen wird, mag der erfahrene Landwirt noch nicht zu sagen. Zum einen würden aufgrund der Reisebeschränkungen mehr Verbraucher zu Hause bleiben und so eventuell mehr Bäume abgesetzt. Zum anderen fielen aber Firmenfeiern und Weihnachtsmärkte aus, die bei den Erzeugern auf dem Hof stattfinden aus die diese zumindest mit ihren Bäumen verschönert haben. (LWK SH)

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