Österreichische Hagelversicherung: Zieht Halbjahresbilanz

Das erste Halbjahr 2014 mit seinen extremen Witterungsereignissen zeigt, wie sehr die Landwirtschaft in Österreich mit ihrer "Werkstatt unter freiem Himmel" von den zunehmenden Wetterextremen betroffen ist.

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Das erste Halbjahr 2014 mit seinen extremen Witterungsereignissen zeigt, wie sehr die Landwirtschaft in Österreich mit ihrer "Werkstatt unter freiem Himmel" von den zunehmenden Wetterextremen betroffen ist. Insbesondere die lokalen Hagelunwetter von letzter Woche in Kärnten und der Südsteiermark waren in ihrer Intensität unvergleichbar mit vergangenen Ereignissen. Binnen weniger Minuten zerstörten golfballgroße Hagelschlossen das kurz vor dem Drusch stehende Wintergetreide, aber auch Maiskulturen, Grünlandflächen und Gärtnereien wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. „Insgesamt entstand in der Landwirtschaft im ersten Halbjahr auf knapp 30.000 Hektar Agrarfläche und bei Gärtnereien durch Hagel, Trockenheit, Schneedruck, Sturm, Überschwemmung und Frost ein Gesamtschaden in Höhe von rund 15 Mio. Euro“, zieht Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, eine erste Zwischenbilanz. „Auffällig war heuer die Vielfalt der aufgetretenen Risiken“, so Weinberger.

80% des Ertrages in der Landwirtschaft hängen vom Wetter ab. Wegen des unmittelbaren Wettereinflusses auf die Landwirtschaft betreibt die Österreichische Hagelversicherung ein eigenes Kompetenzzentrum für Meteorologie. Mag. Holger Starke, Meteorologe in der Österreichischen Hagelversicherung, bringt es auf den Punkt: „Wetterextremereignisse wie das letzte Hagelunwetter vom 23. Juni in Kärnten, welches über 20 Minuten dauerte, nehmen in ihrer Intensität und Häufigkeit zu.“

Das Jahr 2014 brachte gleich zu Beginn extreme Verhältnisse mit sich. Im Süden verzeichneten viele Regionen den wärmsten Jänner der Messgeschichte. In Klagenfurt zum Beispiel lag das Jänner-Monatsmittel laut Aufzeichnungen der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Klimatologie) um knapp 5 °C über dem langjährigen Durchschnitt. Mittelmeertiefs brachten zudem im Südwesten extrem feuchte Bedingungen. Die Monatsniederschlagsmengen waren im Februar im Schnitt 3 bis 7 Mal so hoch wie im langjährigen Durchschnitt. Im Lesachtal und im Oberen Drautal erreichten die Februarniederschläge 800 bis 1000 Prozent der klimatologischen Mittelwerte. Im Gegensatz dazu präsentierten sich der Osten und der Norden extrem trocken, verbreitet fielen weniger als 20% der durchschnittlichen Niederschlagsmenge.

Überschwemmter Acker
Auch der Frühlingsbeginn fiel extrem mild und trocken aus. Der März reihte sich als zweitwärmster in die Messgeschichte ein. Ein mildes Frühjahr resultiert in einem verfrühten Vegetationsbeginn. Dies birgt allerdings immer ein Risiko: Gerade im Frühjahr ist die Gefahr von kräftigen und spontanen Kaltlufteinbrüchen erhöht, wodurch bereits ausgebildete Blüten rasch abfrieren können. Zusätzlich setzte sich auch die Trockenheit vor allem in Norden und Osten fort. Die Niederschlagsmengen lagen um 50 bis knapp 90% unter dem vieljährigen Mittel. In Stockerau und in Wolkersdorf hat es im gesamten Monat März nur 3 Millimeter geregnet. Überdurchschnittlich viel Niederschlag gab es hingegen in Osttirol, Oberkärnten und im Oberen Murtal. Nach einem ersten Quartal 2014 mit extremen Gegensätzen war auch der April überdurchschnittlich warm. Bereits am 29. April gingen die ersten Hagelunwetter über dem Burgenland nieder und eröffneten somit die Hagelsaison, die erfahrungsgemäß bis Ende September andauert.

Auf Trockenheit folgte Regen im Norden und Osten
Die extreme Trockenheit im Osten ging Ende April vielerorts vorläufig zu Ende. Stellenweise gab es ab Mai sogar doppelt so viel Niederschlag wie im Durchschnitt. Im Mai führten zum Beispiel Starkniederschläge in der Steiermark zu Überschwemmungsschäden. Lediglich im Norden des Wald- und Weinviertels präsentierte sich die Witterung weiterhin zu trocken. Die Hagelunwetter setzten sich im Mai und im Juni fort. Schwere Hagelschäden entstanden an Weinstöcken am 24. Mai am Nussberg in Wien. Dem im Mittel etwas zu kühlen Mai, folgte stellenweise der wärmste Junibeginn der Messgeschichte mit einem Höchstwert von 35,7 °C in Innsbruck. Die schwersten Hagelunwetter gingen am 23. Juni in Kärnten und in der Steiermark nieder, wo insbesondere Gärtnereien und kurz vor der Ernte stehende Ackerkulturen betroffen waren.

Fazit
„Der siebentwärmste Frühling seit dem Jahr 1767 setzt sich in puncto Niederschlagsabweichung aus einem um 41% zu trockenen März, einem ausgeglichenen April und einem um 70% niederschlagsreicheren Mai zusammen. In Salzburg, in der Steiermark und in Teilen Niederösterreichs fiel um 45 bis 75% mehr Niederschlag. Im niederösterreichischen Industrieviertel, im Marchfeld, im Burgenland und in Wien fiel in Summe um 75 bis 104% mehr Niederschlag als im Mittel. Lediglich im Wein- und Waldviertel blieb es zu trocken“, fasst Starke die meteorologischen Highlights für das erste Halbjahr zusammen und schließt ab: „Der Trend zu extremen Wetterlagen setzt sich weiter fort. Binnen Minuten kann durch Hagel ein Jahreseinkommen zerstört werden.“ (hagel.at)

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