NRW: Zweite Tarifrunde

Arbeitgeber im Einzelhandel legen in NRW Angebot mit krisengerechter Differenzierung vor.

Die Tarifrunde in der Pandemie stellt die Handelsbranche in diesem Jahr vor eine historische Herausforderung. Bild: GABOT.

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Die Arbeitgeber haben jetzt in Düsseldorf während der zweiten Runde der Entgelttarifverhandlungen für den nordrhein-westfälischen Einzelhandel ein erstes Angebot vorgelegt, dass je nach Corona-Betroffenheit der jeweiligen Unternehmen unterschiedlich angelegt ist. Denn die Tarifrunde in der Pandemie stellt die Handelsbranche in diesem Jahr vor eine historische Herausforderung. Die wirtschaftliche Spreizung in der Branche könnte aktuell kaum größer sein. Einerseits ringen viele Nonfood-Händler um ihre wirtschaftliche Existenz und benötigen dringend mehr Zeit, um finanziell wieder auf die Beine zu kommen, anderseits dringen die Mitarbeiter in den Unternehmen, die gut durch die Pandemie gekommen sind, auf eine baldige Anhebung der Vergütung.

„Diese Interessen im Rahmen eines gemeinsamen Branchentarifvertrages auszugleichen, ist ein tarifpolitischer Spagat, der nur im Wege einer differenzierenden Lösung und mittels einer langen Laufzeit gelingen kann“, sagte NRW-Arbeitgeberverhandlungsführer Christopher Ranft. Es sei zudem vollkommen unverständlich, warum sich die Gewerkschaft bislang einer differenzierten Lösung weiter kategorisch verschließe und pauschal für alle Unternehmen der Branche eine Erhöhung der tariflichen Entgelte um 4,5% plus 45 Euro bei einer Laufzeit von nur 12 Monaten fordere. „Das ist selbst ohne Krise kaum zu erwirtschaften. Dass die Gewerkschaft sich bei Ihrer Forderung nur auf die Unternehmen konzentriert, die vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen sind, den großen Rest der übrigen Unternehmen, die um Ihre Existenz bangen, jedoch völlig unbeachtet lässt, ist unverantwortlich“, so Ranft weiter.

Um diese schwierige Situation zügig einer Lösung zuzuführen, haben die Arbeitgeber dazu nun ein differenziertes Angebot für einen 36-monatigen Tarifvertrag vorgelegt, dass die Arbeitgeber in zwei Gruppen einteilt und dabei nach der Pandemiebetroffenheit unterscheidet.

Gruppe 1: Die Unternehmen, die 2020 gut durch die Pandemie gekommen sind, sollen im ersten Tarifjahr bereits zwei Monate nach Ende der Laufzeit, in NRW also ab Juli 2021, die Entgelte ihrer Mitarbeiter um 2,4% erhöhen, davon 1,4% im Wege einer monatlichen Einmalzahlung. Gleich zu Beginn des zweiten Tarifjahres, in NRW ab Mai 2022, sollen die Unternehmen, die auch 2021 gut durch die Krise gekommen sind, eine weitere Anhebung der Tarifentgelte in Höhe von 1,4% an ihre Mitarbeiter zahlen. Direkt am Anfang des dritten Tarifjahres, in NRW ab Mai 2023, sieht das Angebot dann nochmals eine Anhebung der tariflichen Entgelte um weitere 2% vor.

Gruppe 2: Die Unternehmen, die 2020 von den Pandemieauswirkungen betroffen waren, sollen hingegen erst 10 Monate nach Ende der Laufzeit, in NRW also erstmals im März 2022, die Tarifentgelte um 1% anheben. Sofern die Unternehmen auch 2021 noch von der Pandemie betroffen waren, wäre dann im zweiten Tarifjahr erst 18 Monate nach Ende der Laufzeit, in NRW also im November 2022, eine zweite Anhebung um weitere 1,4% fällig. Die Anhebung im dritten Tarifjahr um weitere 2% wäre für diese Unternehmen erst 30 Monate nach Ende der Laufzeit, in NRW also erst im November 2023, fällig.

Die genauen Kriterien zur Differenzierung zwischen den Unternehmen sind direkt im Tarifvertrag festzulegen. Diese Kriterien müssen im weiteren Prozess mit der Gewerkschaft verhandelt und sorgsam ausformuliert werden. Das Angebot der Arbeitgeber bietet deshalb auch einen guten und in der Höhe begrenzten Orientierungsrahmen für die Unternehmen, die gut durch die Krise kommen und ihren Mitarbeitern ab sofort freiwillig eine tarifliche Entgeltanhebung zukommen lassen möchten.

Die Unternehmen, die von den Pandemieauswirkungen betroffen sind, sollen 2021 durch einen Tarifabschluss keinerlei Steigerungen bei den Personalkosten erfahren. Erst später einsetzende und niedrigere Entgeltsteigerungen sollen diesen Unternehmen die wirtschaftliche Konsolidierung erleichtern und Planungssicherheit geben. Wichtig sei zur Rettung des Branchentarifvertrages aber auch, dass am Ende der Laufzeit wieder eine einheitliche tarifliche Entgelttabelle für die Branche stehe. Die finanziellen Belastungen bei den Personalkosten ist für die Unternehmen, die gut durch die Pandemie gekommen sind, deutlich höher. (HV NRW)

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