"Nischenkultur": 13. Sanddornfest in Brandenburg

Selten hat es in Brandenburg eine "Nischenkultur" zu so großem Ansehen gebracht wie der Sanddorn. Der Anbauumfang ist zwar im Vergleich zu China und Russland klein, aber nirgendwo in Europa wird heute so viel Sanddorn kultiviert wie in Brandenburg.

Selten hat es in Brandenburg eine „Nischenkultur“ zu so großem Ansehen gebracht wie der Sanddorn. Der Anbauumfang ist zwar im Vergleich zu China und Russland klein, aber nirgendwo in Europa wird heute so viel Sanddorn kultiviert wie in Brandenburg. Sanddorn ist hier die am meisten angebaute Strauchbeere. Zu den Betrieben, die sich seit Jahren um die „Zitrone des Nordens“ besonders verdient machen, gehört die Christine Berger GmbH & Co. KG in Petzow. Das 23-jährige Jubiläum des erfolgreichen Unternehmens ist in diesem Jahr auch einer der Gründe, dass hier das 13. Sanddornerntefest gefeiert wurde.

Wildes Früchtchen wird zum Publikumsliebling
Unter dem Filmtitel „Wilde Früchtchen – Geschichten rund um den Sanddorn“ entstand 2014 eine Chronik des Brandenburger Sanddornanbaus. In Berlin-Brandenburg wurden zu DDR-Zeiten wesentliche wissenschaftliche Vorarbeiten für die Auswahl und Vermehrung anbauwürdiger Kultursorten erbracht, dennoch drohte unmittelbar nach dem Mauerfall das Aus. Einer kleinen Gruppe überzeugter Sanddorn-Enthusiasten ist es zu verdanken, dass dieses Knowhow in der Region nicht verloren ging, sondern heute im Zuge der Wiederentdeckung der Wildobstarten, wozu auch Aronia und Holunder gehören, die Grundlage für einen erfolgreichen Wirtschaftszweig ist.Die Anbaufläche im Land Brandenburg wächst und umfasst aktuell 360 Hektar. Sanddorn wird auf dem Gebiet der Stadt Frankfurt (Oder) sowie in den Landkreisen Barnim, Havelland, Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Ostprignitz-Ruppin, Dahme-Spreewald, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming. Hauptanbauregion ist Potsdam-Mittelmark mit gut 200 Hektar, gefolgt vom Landkreis Dahme-Spreewald. Alle Trends zeigen, dass die Anbauflächen ausgeweitet werden – besonders in den asiatischen Ländern.

Der wissenschaftliche und technologische Stand ist hoch, was nicht Stillstand bedeutet, sondern Herausforderung für Neues ist. Mit Blick auf den Verbrauchermarkt wird systematisch geforscht. Dabei geht es um neue Sorten und den Ausbau des Technologievorsprungs in Sachen Ernte und Verarbeitung sowie um neue Produkte.

Aktuell steht die Bekämpfung eines Schaderregers im Mittelpunkt: Die Sanddornfruchtfliege birgt große Gefahren im Anbau und kann bis zu 40% Ausfall führen. Seit 2013 tritt dieser Erreger in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und auch in Brandenburg auf. Als Reaktion darauf wurde eine länderübergreifende Arbeitsgruppe gebildet, um gemeinsame Strategien gegen den Befall, auch ohne chemische Mittel, zu entwickeln.

Beeren sind nur Scheinfrüchte
Im Herbst entfacht Sanddorn zwischen seinen Zweigen wahre Leuchtfeuer. Die orange-roten Früchte, landläufig als Beeren bezeichnet, nach Ansicht der Wissenschaft aber nur Scheinfrüchte, sind dann erntereif.Einst bevorzugt für den Küstenschutz und die Rekultivierung von Kohletagebauen und anderen Industrieflächen angebaut, mauserte sich das anpassungsfähige Ölweidengewächs in den vergangenen 30 Jahren besonders in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu einem gefragten Wildobst.

Geringe Ansprüche des Sanddorns an den Boden und zahllose gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe begünstigten diese Entwicklung. Sanddorn wird in Brandenburg nicht nur angebaut, er wird hier auch in Säften, Kosmetik, Sanddorn-Fruchtfleischölen, Sanddorn-Kernölen, Süßwaren, Sanddorn-Pulver, Sanddornsirup, Sanddorn-Sonnenschutz, Marmeladen, Weinen, Likören, Bränden verarbeitet. Gerade auch die Christine Berger GmbH & Co. KG ist hierfür ein gutes Beispiel. Die Unternehmerin, die sich seit Jahren unter anderem im Vorstand des Verbands pro agro für die Vermarktung von Regionalprodukten engagiert, hat mit ihren Kreationen und Innovationen viel zum Erfolg des Sanddorns beigetragen. Neben vielen speziellen Rezepturen gehört eine eigene Kosmetikserie dazu.

Da in Deutschland und damit in Brandenburg fast ausschließlich in Bioqualität angebaut wird, sind die Chancen für ihre Produkte für den heimischen Bio-Markt und darüber hinaus groß. Darüber hinaus engagiert Christine Berger seit Jahren in der Slow-Food-Bewegung. Passend dazu führt ihr Hofladen ein breites Sortiment an handwerklich gemachten Regionalprodukten. (MLUL)

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