Weihenstephaner Hochschulforum 2016: Dialog zwischen Forschung, Lehre und Industrie

Am 24. Juni lud die Fakultät Gartenbau und Lebensmitteltechnologie gemeinsam mit dem Verband Weihenstephaner Ingenieure e.V. zum Hochschulforum Gartenbau.

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Am 24. Juni lud die Fakultät Gartenbau und Lebensmitteltechnologie gemeinsam mit dem Verband Weihenstephaner Ingenieure e.V. zum Hochschulforum Gartenbau. Die Veranstaltung verbindet wissenschaftlichen Austausch, Festlichkeit und den weiteren Ausbau des Alumni-Netzwerkes.

Der fachliche Teil der Veranstaltung stand unter dem Titel "Kultursubstrate und Blumenerden im Spannungsfeld zwischen Kultursicherheit, Ökologie und Ökonomie".

In zwanzigminütigen Fachvorträgen wurde über aktuelle Erkenntnisse referiert und diskutiert.

Mit der Verfügbarkeit des Rohstoffes Torf beschäftigte sich Dr. Arne B. Hückstädt vom Industrieverband Garten (IVG) e.V.. Er ging auf die Geschichte des Torfabbaus und die Nutzung des Nebenprodukts Weißtorf für gärtnerische Kultursubstrate ein. Er machte auch deutlich, dass die Torfreserven in Deutschland in den kommenden zehn Jahren deutlich sinken werden. Allerdings existieren im Baltikum große Torfvorkommen die derzeit nur in geringem Umfang abgebaut werden. Des Weiteren stellte Herr Hückstädt ein vom Industrieverband Garten und dem NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.) entwickeltes Konzept zum Schutz von Moorflächen vor und erläuterte das Vorgehen der Stiftung "Responsibly Produced Peat", um den Torfabbau in ökologisch wertvollen Gebieten zu verhindern.

Gerald Schmilewski (International Peatland Society - IPS) plädierte in seinem Vortrag für eine ganzheitliche Betrachtung bei der Bewertung von Substratausgangsstoffen. Im Produktionsgartenbau sei für den Gärtner die Minimierung der Kulturrisiken vorrangig. Ähnlich ist die Betrachtung des Hobbygärtners, wobei dieser häufiger stärker preisorientiert ist. Der Substrathersteller lege den Fokus erstrangig auf Kultursicherheit und ökonomische Kriterien wie Verfügbarkeit und Transport. Umweltschützer hingegen ginge es vornehmlich darum, wie der Ausgangsstoff sich auf Natur und Umwelt auswirke. All diese und auch soziale Aspekte sollten bei der ganzheitlichen Betrachtung berücksichtigt werden.

Lea Eymann vom Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) stellte eine aktuelle Studie zur Ökobilanzierung von Substratausgangsstoffen vor. Sie zeigte, dass der Ersatz von Torf in Kultursubstraten und Blumenerden ein erhebliches Potential zur Reduktion der Umweltauswirkungen hat. Besonders positiv schneiden nicht nur in der Ökobilanz, sondern auch bei der Beurteilung der sozialen Aspekte und der zukünftigen Verfügbarkeit die Komponenten Landerde, TEFA-Maisfasern, Rindenkompost, Holzfasern und Holzhäcksel ab. Am Beispiel Grüngutkompost zeigte Frau Eymann zudem anschaulich, welchen Einfluss die gewählten Systemgrenzen auf das Ergebnis der Bilanzierung haben können.

Aus der Arbeit an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Hannover-Ahlem berichtete Michael Emmel. Er stellte die wesentlichen physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften der etablierten Ausgangsstoffe Grüngutkompost, Rindenhumus, Kokosmark und Holzfaser vor und zeigte auf, was bei deren Kombination zu beachten ist. Durch die optimale Kombination der verschiedenen Ausgangsstoffe sind an der LVG stark torfreduzierte oder torffreie Substrate entstanden, mit denen erfolgreich Zierpflanzen produziert werden können.

Mit der Suche und Prüfung von innovativen Substratausgangsstoffen beschäftigt sich die Forschungsgruppe Pflanzenernährung unter Leitung von Professor Dr. Elke Meinken am Institut für Gartenbau der HSWT seit vielen Jahren. Frau Meinken hat die wissenschaftliche Leitung der Fachgruppe inne und ist in der Lehre in den Bereichen Pflanzenernährung und Bodenkunde tätig. In ihrem Fachvortrag ging sie auf Versuchsergebnisse zu Siebrückständen aus der Faserhanfaufbereitung und karbonisierter Biomasse als Substratbestandteil ein. Seit Wiederentdeckung der fruchtbaren "Terra Preta"-Böden Amazoniens rückt die Karbonisierung von Biomassen zunehmend in den Fokus. Während aber Hanffasern ein hohes Potential als Substratausgangsstoff aufweisen und als nachwachsender Rohstoff aus heimischem Anbau auch in einer Ökobilanzierung gut abschneiden sollten, sind die bisherigen Ergebnisse insbesondere zur hydrothermal karbonisierten Reststoffen (HTC) eher ernüchternd.

Am Nachmittag nutzten die Teilnehmer die Möglichkeit, eine umfangreiche Demonstrationsschau in den Gewächshäusern der Fachgruppe Pflanzenernährung zu besichtigen. Insgesamt fünf Versuchsanstellungen und -demonstrationen konnten dem interessierten Fachpublikum präsentiert werden. Die thematisierten Fragestellungen waren:

- Wie ist die Eignung verschiedener Torfersatzstoffe für die Kultur von Elatiorbegonien und Dahlien zu bewerten?
- Wie wirkt sich der Einsatz von organischen Düngern in torfreduzierten oder torffreien Substraten im Topfkräuteranbau aus?
- Welche Auswirkungen auf die Pflanzenernährung hat der Einsatz von organischen Substratkomponenten im rezirkulierenden, geschlossenen System in der Tomatenkultur?
- Welche Möglichkeiten bestehen zur Absenkung des pH-Wertes bei Verwendung von kalkreichen Komposten?
- Inwiefern unterscheidet sich die Qualität von im Handel angebotenen Balkonkastenerden bei der Anwendung verschiedener Düngestrategien?

Das Themenfeld Aufbereitung und Anwendung von Torfersatzstoffen ist ein langjähriges Forschungsfeld (Projektseite) am Institut für Gartenbau in Weihenstephan. Zusammen mit der Substratindustrie ist es in den vergangenen Jahren gelungen, den Anteil an Torf in Kultursubstraten für den Profigärtner und in Blumenerden für den Hobbybereich deutlich zu reduzieren. Die ersten völlig torfreien Produkte haben sich inzwischen auch am Markt etabliert.

Ehrenpreis des Verbandes Weihenstephaner Ingenieure e. V.
Das Weihenstephaner Hochschulforum Gartenbau bildet einen würdigen Rahmen für die Verleihung des Ehrenpreises des Verbandes Weihenstephaner Ingenieure im Bereich des Gartenbaus. Seit 1958 zeichnet der Absolventenverband jährlich je eine Persönlichkeit aus dem Bereich Gartenbau und dem Bereich Landschaftsarchitektur aus, die sich um die Hochschule besonders verdient gemacht, bzw. sich im Berufsstand besonders ausgezeichnet hat. Der diesjährige Preisträger im Gartenbau ist Herr Dipl.-Ing. (FH) Thomas Will. Von 1977 bis 1981 absolvierte er sein Gartenbau-Studium an der Fachhochschule Weihenstephan.

Die 1. Vorsitzende des Verbandes Katrin Kell überreichte feierlich Urkunde und Goldmünze an den Preisträger. Die Laudatio für Thomas Will hielt Prof. h. c. (MSUA) Dr. Friedrich-W. Frenz, der den Werdegang des Preisträgers kurz vorstellte und die vielfältige Verbundenheit und Zusammenarbeit von Herrn Will mit der Hochschule, insbesondere der Fachgruppe Pflanzenernährung, herausstellte. Herr Will nahm die Zuhörer anschließend auf eine Reise durch die Geschichte der Substratentwicklung mit, die er während seiner gesamten beruflichen Laufbahn beim Einheitserdewerk Gebr. Patzer GmbH & Co. KG sowie im Einheitserde Werksverband e.V. hautnah miterlebt hat. Enge Zusammenarbeit wird auch weiterhin nötig sein, um in Zukunft die steigenden Ansprüchen immer stärker spezialisierter Betriebe gerecht werden.

Das Hochschulforum klang am Abend mit einem geselligen Alumni-Treffen aus. Zahlreiche ehemalige Gartenbau-Studierende nutzten die Veranstaltung, um Kontakte zu vertiefen und neue zu knüpfen.

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