Permagold: Genossenschaftsrevoluzzer mit revolutionärer Idee

Ein Team aus Dresden gründet ein landwirtschaftliches Unternehmen und geht gleich mehrfach neue Wege: Als Genossenschaft gehen sie zurück zu den Wurzeln des Anbaus von Bio-Lebensmitteln.

Permagold geht zurück zu den Wurzeln des Anbaus von Bio-Lebensmitteln.

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Hinter dem Vorhaben steht eine revolutionäre Idee der erfahrenen Gründer. Sie wollen das Konzept der Permakultur vorantreiben und mittels Crowdfunding als Landwirtschaftsform etablieren. Das Prinzip des Ansatzes ist der Nachbau von natürlichen Ökosystemen, in denen sich Pflanzen gegenseitig bereichern und damit ertragreicher, klimarobuster und nachhaltiger sind.

Nach einer Vorbereitungsphase startet die Permagold eG als Genossenschaft und wirbt ab sofort um Mitglieder und Investoren. Über Anteile können sich Privatpersonen, Klein- und Großanleger an Permagold beteiligen, mit einer festen Verzinsung und einer zusätzlichen Dividende ab dem dritten Geschäftsjahr.

Die am 17. August 2017 gegründete und seit September 2017 im Register eingetragene Genossenschaft will das Konzept der permakulturellen Landwirtschaft professionalisieren und in ein wirtschaftliches Geschäftsmodell umsetzen. Die Gründer setzen dabei ganz bewusst auf die Form der Genossenschaft als Rechtsform. Am 16. November startet die deutschlandweite Finanzierungsphase, um neue Investoren anzuwerben.

„Es geht uns bei unserem Vorhaben nicht um Idealismus. Wir bieten Privatpersonen wie auch Klein- und Großanlegern eine ernst zu nehmende Investitionsmöglichkeit in ein sehr zukunftsträchtiges Konzept. Investoren, die sich an der Genossenschaft als Mitglied finanziell beteiligen, profitieren von der gesamten Wertschöpfungskette“, erklärt Jens-Uwe Sauer, Vorstandsvorsitzender von Permagold, das Geschäftsmodell. „Sie legen das Geld in Form von Genossenschaftsanteilen fest verzinst bei Permagold an. Diese monetären Mittel fließen in solide Sachwerte wie Böden und den Aufbau der Partnerbetriebe. Über die Erträge der permakulturell bebauten Flächen wird langfristig und stabil die Rendite erwirtschaftet und an die Investoren gezahlt. Wir rechnen zwischen drei Prozent Festverzinsung und bis zu fünf Prozent Gesamtrendite, avisiert ab dem dritten Geschäftsjahr. Zusätzlich fördern wir als Genossenschaft unsere Mitglieder. Das bedeutet, sie bekommen die produzierten, gesunden Lebensmittel zu Vorzugskonditionen von uns angeboten.“

Mit gemeinschaftlich finanzierten Projekten kennt sich Jens-Uwe Sauer sehr gut aus. Von 2011 bis 2017 war er Geschäftsführer der ersten Crowdinvesting-Plattform Deutschlands – Seedmatch.

„In meiner ehemaligen Position habe ich sehr viel Erfahrung und Wissen über Crowdfunding sammeln können. Die entstehende Dynamik ist ansteckend und zeigt, wie viel mehr eine Gemeinschaft erreichen kann. Den genossenschaftlichen Ansatz kann man als den nächsten Schritt oder vielleicht gar als eine Weiterentwicklung betrachten. Denn hier hat jedes einzelne Mitglied Stimm- und Partizipationsrechte.“

Permakultur – natürlich nachhaltig

In Zeiten von Bodenübersäuerung, Nahrungsmittelskandalen und Diskussionen um die Nutzung von Glyphosat sind nachhaltige Vorhaben wie das des Permagold-Teams ein wichtiger Schritt in Richtung einer Agrarwende, denn sie sind als ein Gegenentwurf zur industriellen Agrarwirtschaft zu verstehen.

Der Begriff Permakultur leitet sich ab aus 'permanent agriculture'und bedeutet so viel wie regenerative Landwirtschaft. Das Konzept – zurückzuführen auf die Australier Bill Mollison und David Holmgren – setzt auf natürliche, langfristig stabile Ökosysteme und Biodiversität. Der Hoheitsgedanke ist die ökologische Beziehung zwischen unterschiedlichen Elementen der Flora und Fauna und deren gegenseitige Bereicherung. So werden beispielsweise Tomaten neben Basilikumpflanzen angebaut – Tomaten spenden den notwendigen Schatten für die Kräuterpflanzen und im Gegenzug schützt das Basilikum durch seine Duftstoffe die Tomate vor Schädlingen und bildet damit eine natürliche Barriere. Weiteres Beispiel ist das dichte Einpflanzen von Bohnen und Erbsen in die Nähe anderer Gewächse. Denn die Wurzelknollen der Hülsenfrüchte binden sehr viel Stickstoff, den lebensnotwendigen Nährstoff für alle Vegetationsarten, und dienen somit als organische Bodennahrung.

Diese Art der Landwirtschaft ist frei von Monokulturen. Sie produziert unbelastete Lebensmittel, die voll von Vitaminen und Mineralstoffen sind und gleichzeitig ohne jegliche Art von Pestiziden und synthetischen Düngemitteln auskommt.

Dass das Konzept Zuspruch genießt, zeigen die ersten Erfolge: seit der Gründung im August diesen Jahres ist die Mitgliederzahl von Permagold bereits auf 70 gestiegen. Mit den Ressourcen konnten bereits die ersten Projekte finanziert werden. Eins davon befindet sich in Leckwitz, nähe Meißen – die Gärtnerei des Genossenschaftsinitiators Hans Jahn. Hier wurden vergangenen Monat 4.000 Eichenholzstämme mit einem Pilzmyzel geimpft und aufgestapelt, auf denen Bio-Shiitake-Pilze, zusammen mit Kräuter- und Limonenseitlingen wachsen können.

Von Permakultur ist Jahn überzeugt und begeistert: „Permakulturell bebaute Flächen bringen – im Vergleich zu konventionellen Methoden – mehr Ertrag, denn die angebauten Pflanzen sind klimarobuster und weniger anfällig für Schädlinge.“

Langfristig sollen Projekte europaweit umgesetzt werden. Es werden vor allem südosteuropäische Länder anvisiert, denn hier gibt es viel mehr von der Industrie unberührte Flächen, unbelastete Böden und günstige klimatische Bedingungen. Das Team von Permagold will durch seinen Einsatz vor allem Obst- und Gemüsesorten aus anderen Ländern nach Europa bringen, die anderswo beheimatet sind und dadurch einem eher hochpreislichen Segment angehören. Dazu zählen Granatäpfel, Avocados, Ingwer, aber auch Aprikosen.

Mehr Bewusstsein schaffen für das nachhaltige Konzept Permakultur

Die Gründer sehen sich außerdem in der Verantwortung einen Bildungsauftrag zum Thema Permakultur zu erfüllen. Geplant sind Schaugärten für die praktische Vermittlung des Wissens rund um den nachhaltigen Anbau, Workshops und Informationsunterlagen zum Permakultur-Design. Der Leitgedanke passt zum Konzept Permakultur – Kooperation und gegenseitige Bereicherung statt Wettbewerb und Konkurrenz. Möglichst viele Landwirte sollen Zugang zu diesem Wissen bekommen und die Vorteile dieser Landwirtschaftsform für sich bewerten und nutzen. Nachahmer sind herzlich willkommen. (PERMAGOLD)

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