NRW: Remmel kritisiert hohen Mitteleinsatz

Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel hat den zu hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere des umstrittenen Glyphosats, kritisiert.

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Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel hat den zu hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere des umstrittenen Glyphosats, kritisiert. "Nicht erst durch die Debatte um mögliche Gesundheitsgefahren durch Glyphosat wird deutlich, dass auch in Nordrhein-Westfalen zu viele Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Damit werden Mensch und Umwelt belastet. Immer häufiger finden wir Spuren von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere von Glyphosat, auch in Lebensmitteln, die gar nicht damit behandelt wurden, und sogar in menschlichen Proben. Gerade bei Glyphosat muss eigentlich das Vorsorgeprinzip gelten", sagte Minister Remmel. "Daher muss es unser Ziel sein, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf ein Mindestmaß zurückzufahren und dadurch die Belastung der Umwelt und damit unserer Nahrungsmittel zu reduzieren", ergänzte Minister Remmel. Neue Untersuchungsmethoden, wie beim CVUA in Münster, würden dabei helfen, das Belastungen von Lebensmittel schnell identifiziert werden können. "Die Untersuchungsanstalten in NRW leisten damit einen wichtigen Beitrag für sichere Lebensmittel."

Auf seiner 13. Station der Sommertour "NRW is(s)t…" hat Minister Remmel heute das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA MEL) am Standort Münster besucht. Hier stellte der Minister auch die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung von Rückständen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in Bier vor, die im CVUA MEL mit einer neuen Methode durchgeführt wurde. Mit dieser neuen Methode können geringste Spuren von Substanzen, wie etwa Glyphosat, ab 0,1 Mikrogramm pro Liter sicher und spezifisch bestimmt werden. Das CVUA MEL führte diese Untersuchungen im Rahmen eines Projektes durch, das vom MKULNV finanziell unterstützt wurde.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden mit ihrer neuen Untersuchungsmethode Glyphosat-Gehalte in 29 von 30 getesteten Bieren. Es ist die bisher größte Untersuchung zur Belastung von Bieren mit Glyphosat. Es wurden keine Grenzwerte oder Höchstmengen überschritten. Die Gehalte lagen zwischen 0,2 und 23 Mikrogramm pro Liter. Sechs Biere enthielten Glyphosatrückstände von mehr als zehn Mikrogramm pro Liter. Nur bei einem Bio-Bier einer Brauerei aus Münster waren die Glyphosat-Gehalte so gering, dass sie nicht quantifizierbar waren. Mit seinen Ergebnissen bestätigte das CVUA MEL die Studie des Umweltinstituts München, das im Februar 2016 Glyphosat in 14 deutschen Bieren gefunden hatte. Die dort verwendete Methode war jedoch im Vergleich eher unspezifisch, da damit auch glyphosat-ähnliche Strukturen erfasst werden. "Die Meldungen und Studien der letzten Wochen und Monate haben aber eines gemeinsam, sie weisen Glyphosat in einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Lebensmittel und auch im Menschen nach. Das lässt mit aller Vorsicht darauf schließen, dass Spuren von Glyphosat mittlerweile überall sind. Alleine diese Tatsache ist Anlass genug, um die Wirkung von Glyphosat auf den menschlichen Organismus und die Auswirkungen auf die gesamte Umwelt weiteren Prüfungen zu unterziehen", sagte Minister Remmel.

Das Landesumweltamt NRW (LANUV) hatte im Mai 2016 eine Untersuchung vorgelegt, bei der Glyphosat im Urin von 158 von 250 untersuchten Kindern zwischen zwei und sechs Jahren gefunden wurde. "Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten müssen jetzt das europäische Vorsorgeprinzip anwenden, denn es geht um die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Diesen Grundsatz sollte sich endlich auch die Bundesregierung zum Handlungsgrundsatz machen und mit einer Stimme gegen Glyphosat in Brüssel auftreten", sagte Minister Remmel mit Blick auf den Streit über eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat in der EU.

Die neue Methode des CVUA MEL wird nun in weiteren Untersuchungsserien erprobt. Geplant sind Untersuchungen für die Grundnahrungsmittel Mehl, Kartoffel und Milch. Parallel sollen auch saisonale Produkte wie Erdbeeren und Spargel getestet werden.

Darüber hinaus fördert das NRW-Verbraucherschutzministerium das Projekt Mikroplastik in Lebensmitteln, Futtermitteln und Kosmetika am CVUA MEL. Denn nicht nur Flüsse und Meere sowie Luft, Boden und Grundwasser sind mit Mikroplastiken verunreinigt. Erste Hinweise lassen darauf schließen, dass sich Mikroplastik auch in Nahrung anreichern kann. Bisher gab es jedoch keine einheitliche Untersuchungsmethode. Im CVUA MEL setzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf die Mikro-Raman-Spektroskopie, welche aufgrund der hohen Auflösung auch sehr kleine Mikroplastikteilchen bis 1 Mikrometer sichtbar macht. In einigen der bisher untersuchten Mineralwässer in Plastik- und Glasflaschen konnten hohe Plastik-Partikel-Gehalte festgestellt werden. Weitere Untersuchungen sollen diese Einzelbefunde sichern. Insgesamt gibt es in Nordrhein-Westfalen fünf integrierte Chemische und Veterinäruntersuchungsämter als Anstalten des öffentlichen Rechts. Sie sind aus dem Zusammenschluss von kommunalen Untersuchungsämtern und Staatlichen Veterinäruntersuchungsämtern im Rahmen der Neuorganisation der amtlichen Lebensmitteluntersuchung hervorgegangen. Neben dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe sind dies das CVUA Rhein-Ruhr-Wupper mit Sitz in Krefeld, das CVUA Rheinland mit Sitz in Hürth, das CVUA Westfalen mit Hauptsitz in Bochum und das CVUA Ostwestfalen-Lippe mit Sitz in Detmold. "Die Untersuchungsämter haben eine wichtige und vertrauensvolle Aufgabe, damit sich Verbraucherinnen und Verbraucher in NRW auf die Sicherheit und Unbedenklichkeit ihrer Lebensmittel verlassen können", lobte Minister Remmel die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Untersuchungsämter untersuchen für die Kommunen und das Land Proben aus den Bereichen Lebensmittel, Futtermittel, Bedarfsgegenstände, Tiergesundheit und Strahlenschutz auf Übereinstimmung mit den rechtlichen Anforderungen.

Allein auf Belastungen mit Pestiziden haben die Untersuchungslabore im vorigen Jahr 4757 Proben überprüft. Dabei wurden insgesamt 607 Wirkstoffe erfasst. Die Ergebnisse werden im Pestizidreport veröffentlicht und wöchentlich aktualisiert. Er zeigt, wie viele amtliche Lebensmittelproben Pestizide enthalten und wie häufig Höchstmengen überschritten sind und wertet die Ergebnisse nach Herkunftsländern und großen Supermarktketten aus. Im Pestizidreport werden alle Untersuchungen des laufenden und der drei vorhergehenden Jahre abgebildet und können als Jahresvergleich oder einzelne Jahresauswertung angezeigt werden. Es lässt sich nachvollziehen, ob grundsätzlich Pestizide nachweisbar waren und ob die zulässige Höchstmenge eingehalten wurde oder ob sogar Mehrfachrückstände aufgefallen sind. Zusätzlich werden die Pestizidwirkstoffe aufgelistet, die am häufigsten bei den einzelnen Lebensmitteln gefunden wurden.  

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