Serbien: Landwirtschaft soll Produktion steigern

Die Landwirtschaft in Serbien hat gute natürliche Voraussetzungen und eine große wirtschaftliche Bedeutung. Doch die starke Landflucht, insbesondere aus dem Hügel- und Berggebiet, ist schwierig aufzuhalten.

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Die Landwirtschaft in Serbien hat gute natürliche Voraussetzungen und eine große wirtschaftliche Bedeutung. Doch die starke Landflucht, insbesondere aus dem Hügel- und Berggebiet, ist schwierig aufzuhalten. 

Die Republik Serbien liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel. Sie grenzt im Norden an Ungarn, im Osten an Bulgarien und Rumänien, im Süden an Mazedonien und Albanien bzw. den Kosovo, im Südwesten an Montenegro und im Westen an Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Durch die Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren und die UNO-Sanktionen wurde das Land in seiner Entwicklung stark gehemmt. Von 2000 bis 2008 war die Wirtschaft Serbiens dank erhöhter ausländischer Investitionen mit einer jährlichen Wachstumsrate von über fünf Prozent eine der am schnellsten wachsenden in Europa. Serbien hat die Weltwirtschafts- und Finanzkrise besser überstanden als befürchtet, für das Jahr 2011 rechnet der Internationale Währungsfonds mit einem weiteren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um etwa drei Prozent. Am 22. Dezember 2009 reichte Serbien die offizielle Bewerbung um eine EU-Mitgliedschaft ein. Am meisten von einem EU-Beitritt profitieren würde in Serbien die Landwirtschaft. 

Starker Primärsektor
Serbien ist mit einer Fläche von 88.861 km2 mehr als doppelt so gross wie die Schweiz, die landwirtschaftliche Nutzfläche von 5,115 Mio. Hektaren ist hingegen fast fünfmal so gross. Das gute Klima, fruchtbare Böden, fleissige Arbeitskräfte und eine lange landwirtschaftliche Tradition bieten sehr gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Hauptanbauprodukte sind Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln, Weizen und Obst. Die 246.000 Hektaren Obstanlagen haben am Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion einen bedeutenden Anteil. Serbien zählt weltweit zu den grössten Exporteuren von Himbeeren. 44% der Bevölkerung leben in den ländlichen Gebieten. Die Landwirtschaft trägt rund 10% zum BIP bei. 

Landwirtschaft soll effizienter werden
"Wir wollen in der Landwirtschaft und in der Nahrungsmittelindustrie effizienter werden", erklärte der serbische Landwirtschaftsminister Dusan Petrovic gegenüber Agrarjournalisten, welche kürzlich auf einer Reise durch Serbien Einblick in die Vielfalt der Landwirtschaft erhielten. Den Bauern will die Regierung nicht mit Subventionen, sondern mit billigeren Krediten für Investitionen helfen. Der Handel mit Agrarerzeugnissen ist ein wichtiger Teil des gesamten internationalen Handels der Republik Serbien. Die Freihandelsabkommen mit der Russischen Föderation und der EU sowie das Abkommen über den Freihandel in Mitteleuropa (CEFTA) erleichtern den Export der Agrarprodukte. In die EU darf Serbien mit Ausnahme von Zucker, Wein und Rindfleisch alle Agrarerzeugnisse zollfrei exportieren. Mit der Zertifizierung von Betrieben und Produktionsprozessen werden die Voraussetzungen für den Export geschaffen. Rund die Hälfte der gesamten Agrarproduktion wird in Länder der EU ausgeführt. 

Vier Hektaren im Durchschnitt
Serbien hat rund 700.000 Bauernbetriebe, die nur der Selbstversorgung der Bewirtschafter dienen und keine Produkte verkaufen. Gesetzlich anerkannt sind 444.000 Landwirtschaftsbetriebe. Ihre Durchschnittsgrösse beträgt rund vier Hektaren. Die Milchleistung der Kühe liegt im Landesdurchschnitt bei knapp 3.000 Kilo pro Kuh. Dies ist aufgrund der Qualität des Grünfutters nicht erstaunlich. Regierungsvertreter erklärten, der Futterbau müsse dringend verbessert werden. Das Ziel sei eine Milchleistung von 6.000 Kilo pro Kuh und Jahr. 

22.000 Stück Vieh auf einem Betrieb
Neben der Masse von Klein- und Kleinstbetrieben gibt es auch eine beachtliche Anzahl von sehr großen Betrieben, die viele Arbeitskräfte beschäftigen. Der grösste Betrieb Serbiens ist die Landwirtschaftliche Korporation Belgrad (PKB) mit 21.500 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche, 22.000 Stück Vieh, davon 9.500 Milchkühen in sieben Ställen, 6.000 Mastschweinen und 2.000 Schafen, rund 14.000 Hektaren Ackerkulturen und 2.500 Arbeitskräften. In diesem Unternehmen wird alles Kraftfutter für die Tiere auf dem Betrieb selbst produziert. Die durchschnittliche Milchleistung der Kühe der Rasse Holstein liegt bei rund 7.500 Kilo pro Jahr. Mit einer Jahresproduktion von rund 68 Mio. Liter Milch ist die PKB der größte Milchproduzent in Europa. Die Milch wird einem Verarbeitungsbetrieb in Belgrad abgeliefert. Die Agrarjournalisten besuchten zudem die Obstanlagen des größten privaten Landwirtschaftsbetriebes Delta Agrar mit 15.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Ein Geschäftsmann startete das Unternehmen im Jahre 1991. Die Anlagen von 210 Hektar Tafelobst sind mit Bewässerungseinrichtungen und Hagelnetzen ausgerüstet. Die Hälfte der Obsternte wird exportiert, Hauptabnehmer ist Russland. Delta Agrar ist die einzige Firma in Serbien mit einem integrierten Prozess vom Feld bis zum Teller. Das Unternehmen besitzt vier Fabriken für die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten. 

20 Zwetschgenbäume pro Einwohner
Eine andere Seite von Serbien zeigte der Besuch der Stadt Valjevo und ihrer Umgebung im Westen von Serbien. Dieses Hügel- und Berggebiet eignet sich nicht für Acker- und Gemüsekulturen. Es ist ein Graswirtschaftsgebiet, das sehr extensiv bewirtschaftet wird. Auf einer Fläche von 58.000 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche werden nur 20.000 Kühe gehalten. In der Gemeinde Valjevo mit knapp 100.000 Einwohnern hat die Zwetschgenproduktion eine lange Tradition, die zwei Millionen Zwetschgenbäume ergeben im Durchschnitt 20 Bäume pro Einwohner. Das Pflanzen von Zwetschgenbäumen wird von der Gemeinde unterstützt, um die Produktion von Trockenfrüchten langfristig zu sichern. Valjevo ist eines der Produktionszentren Serbiens für Beeren. 3.000 bis 5.000 Tonnen Himbeeren und 3.000 Tonnen Brombeeren werden in dieser Region jährlich geerntet. 

Dörfer sterben aus
Die 74 Dörfer im Hügel- und Berggebiet der Gemeinde Valjevo sind größtenteils schlecht erschlossen. Die Bauernbetriebe von durchschnittlich vier Hektar Land pro Haushalt sind keine Existenz für die junge Generation. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch und die Jungen wandern in die Städte ab. Obwohl es gesetzlich verboten ist, Land nicht zu bewirtschaften, nimmt das Brachland stark zu, weil auf vielen Bauernhöfen niemand mehr wohnt. Die Dörfer entvölkern sich und sterben aus. Die Behörden von Valjevo versuchen mit speziellen Programmen der Bevölkerung zu helfen. "Ohne EU-Gelder wie sie die EU-Mitgliedsländer Bulgarien und Rumänien bekommen, ist die Finanzierung von Projekten schwierig", sagte der Verantwortliche für die ländliche Entwicklung. In ganz Serbien würden jedes Jahr rund 60.000 Leute die ländlichen Gebiete verlassen. Es wird versucht, mit der Förderung des Agrotourismus die Wertschöpfung auf Bauernbetrieben zu verbessern. In der Gemeinde Valjevo sind 70 Landwirtschaftsbetriebe mit Agrotourismus registriert: Auf dem Landwirtschaftsbetrieb der Familie Stepanovic in den Medvendnik Bergen wird eine Übernachtung inklusive drei Mahlzeiten für 15 Euro pro Person angeboten. (lid)

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